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Trickmasche : Handewitter SV im Visier von Betrügern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Täter wollten für Designer-Mode und Elektronik 7500 Euro von Konten abbuchen lassen.

von
erstellt am 31.Mai.2017 | 16:40 Uhr

Handewitt | Als Vorsitzender eines Sportvereins hat Horst Fleischmann wesentlich mehr zu tun, als Menschen in Bewegung zu bringen und Erfolge zu feiern. Der langjährige Chef des Handewitter SV muss sich zurzeit damit beschäftigen, Betrugsversuche abzuwehren. Ein oder mehrere Unbekannte haben versucht, den größten Sportverein in der Gemeinde mit zwei Aktionen um insgesamt rund 7500 Euro zu schädigen. „Ich möchte andere Vereine warnen“, sagt er, „was für eine Trickmasche gerade im Umlauf zu sein scheint.“

Es war in der vorletzten Woche, als sich plötzlich ein Mitarbeiter der örtlichen Raiffeisenbank bei ihm meldete. Dieser hatte sich gewundert, dass ein Überweisungsträger per Post eingegangen war – abgestempelt in Bremen. Als Empfänger eingetragen war ein Versandhandel für Designer-Mode. 4418,50 Euro sollten vom Hauptkonto des Vereins abgebucht werden. Der Beleg war mit „Horst Fleischmann“ unterschrieben. „Eine Fälschung“, stellte der vermeintliche Urheber sofort klar. „Wir haben dort gar nichts bestellt.“ Sportler sind nun wirklich nicht die typischen Kunden von Designer-Mode.

Drei Tage später klingelte die Sparkasse durch, die das HSV-Spendenkonto führt. Auch dort war ein Umschlag eingegangen, der ebenfalls über die Briefzentrale Bremen gelaufen war und nach sehr ähnlicher Machart aufgesetzt war. Diesmal sollte ein Elektronikhändler mit 3137 Euro bedacht werden. „Da hat wohl jemand reichlich bestellt, möchte aber die Kosten auf uns abwälzen“, empört sich Horst Fleischmann.

Er hat wegen der Vorgänge bei der Polizeistation in Handewitt Anzeige erstattet. Die hat beide Fälle aufgenommen und an die Kripo weitergeleitet. Ermittlungsergebnisse konnten noch nicht mitgeteilt werden.

Dem Betrugsdezernat der Kripo in Flensburg sind solche Kriminellen durchaus bekannt. „Diese Masche ist nicht neu und kommt immer wieder vor. Häufig sind Unternehmen oder Organisationen geschädigt, die ihre Kontodaten öffentlich machen, sei es im Internet oder auf dem Briefpapier. Es kann aber auch Privatpersonen treffen“, teilte die Kripo auf Nachfrage mit. Verhindern könne man solche Betrügereien am besten, indem man Kontodaten nicht öffentlich macht. Aber selbst die Beamten müssen zugeben, dass diese Lösung gerade für Vereine und Unternehmen wohl sehr schwierig zu verwirklichen sei – gerade wenn es sich um Spendenkontos handelt.

In den aktuellen Fall sind den Mitarbeitern von Raiffeisenbank und Sparkasse Merkwürdigkeiten aufgefallen, so dass die Überweisungen gar nicht erst zu Stande kamen. Dafür gab es ein besonderes Lob, nicht nur von Horst Fleischmann, sondern auch von der Polizei.

Eigentlich kann abgebuchtes Geld auch wieder zurückgeholt werden, die Kripo weist allerdings darauf hin, dass dies nicht immer möglich ist. Der Rat der Fachleute lautet, alle Kontoauszüge regelmäßig und sorgfältig zu kontrollieren. Auf Nummer sicher könnten Vereine gehen, wenn sie komplett auf Onlinebanking umsteigen und Papierüberweisungen bei ihren Banken nicht mehr zulassen, so die Kripo.

Ob die Täter, die den Handewitter SV im Visier hatten, ermittelt werden können, steht in den Sternen. Nach Eingang der Anzeigen prüft die Kriminalpolizei, wo der Ausgangspunkt des Betruges ist. Dort wäre dann die so genannte Tatort-Dienststelle, die für die weiteren Ermittlungen in dem Fall zuständig ist.

Horst Fleischmann hat eigentlich wenig Hoffnung, dass die Täter erwischt werden. Dennoch ist er sich sicher, dass der Verein auch in Zukunft keinen großen finanziellen Schaden erleiden wird – auch wenn es weitere Betrugsversuche gibt. Beim Handewitter SV gibt es nämlich eine Sicherung: „Ich allein darf über solche Summen gar nicht entscheiden. Es ist bei den Geldinstituten hinterlegt, dass mindestens zwei Berechtigte unterschreiben müssen, wenn eine Überweisung eine bestimmte Summe übersteigt.“ Sein Rat an andere Vereine: „Immer genau hinschauen, was auf dem Konto passiert. Betrüger gibt es überall.“

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