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Hobby-Künstler : Handewitter lässt die Puppen tanzen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Henning von Glahn lebt in seinem Haus inmitten von Schaufensterpuppen. Diverse Marionetten und Theaterfiguren hat er selbst gefertigt.

Handewitt | „Bitte helfen Sie mir, mein Mann ist Künstler!“ Diesen Satz fand Henning von Glahn auf einer Postkarte, die eine Freundin seiner Frau Margrit dem Paar vor einigen Wochen zuschickte, nachdem sie bei ihnen in Handewitt zu Besuch gewesen war. Und der Satz trifft den Nagel auf den Kopf: Im Haus der von Glahns befinden sich 60 selbstgefertigte Marionetten und Theaterfiguren sowie 45 dekorierte Schaufensterpuppen.

Schon im Hausflur wird deutlich, worauf sich die Anspielung „Künstler“ bezieht. Eine große Puppe, die ein Kleid aus dem Landestheater trägt, „begrüßt“ die Gäste des Hauses. Und wer weiter ins Wohnzimmer geht, wird dort von weiblichen Figuren umringt. Drei sitzen am Esstisch, eine am Schreibtisch, eine weitere steht am Fenster und blickt mit einer Zigarette im Mund nach draußen. Auch in einer Nische haben Henning und Margrit von Glahn einige leicht bekleidete „Damen“ aufgestellt und dekoriert. „Eine davon stammt aus dem Londoner Kaufhaus Harrods“, erzählt Margrit von Glahn stolz.

Die erste Puppe des Ehepaars kommt jedoch nicht aus der Ferne, sondern aus einem Geschäft im Flensburger Holm. „Ich habe damals die Schaufensterpuppe repariert und sie dann geschenkt bekommen“, erinnert sich Henning von Glahn. Und so ging es weiter. Immer mehr Figuren zogen in Handewitt ein, und Margrit von Glahn gab ihnen Namen und nähte Kleider für sie. Damit es nicht langweilig wird, bekommen sie von Zeit zu Zeit ein neues Outfit. „Ich ziehe sie dann um“, sagt Margrit von Glahn, die gern als Dekorateurin gearbeitet hätte. Beobachtet fühlt sich das Paar von den vielen Augenpaaren nicht. Im Gegenteil. „Man ist nie allein“, sagen sie.

Neben den Schaufensterpuppen beheimaten die Rentner auch zahlreiche Marionetten und Theaterfiguren, die Henning von Glahn selbst entworfen und gestaltet hat. Da er sich schon immer für das Theater interessiert und eine Buchhändlerlehre gemacht hatte, sei die Idee aufgekommen, Marionetten und Theaterfiguren zu entwerfen. Bei der Gestaltung orientierte er sich an Vorlagen des französischen Bildhauers Honoré Daumier oder aus der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“. Auf dem Dachboden hängt seine erste Marionette aus Holz – Ali Baba aus dem Märchen „1001 Nacht“. „Ali Baba ist vor rund 30 Jahren entstanden“, erzählt der 73-Jährige. Einen Monat habe es gedauert, bis er die Fäden der Figur in der Hand halten konnte. Auch die Sterntaler, Engel, einen Violinisten und eine Jazzband mit Instrumenten hat er gefertigt und passende Bühnenbilder gestaltet.

Als er noch in Hamburg wohnte, hat Henning von Glahn zusammen mit einem Freund in Kindergärten Theaterstücke aufgeführt und mit seiner Bauchbühne krebskranke Kinder in Kliniken unterhalten. Heute ruhen die Marionetten in großen Kisten auf dem Dachboden, einige hat er bereits an Freunde verschenkt. „Ich möchte sie gern der Öffentlichkeit zeigen“, sagt der Wahl-Handewitter betrübt. Doch für eine Ausstellung fehle ihm das Geld. Auch die Kurzgeschichten, die er geschrieben hat, kann er aus finanziellen Gründen nicht herausbringen.

Dafür hat der Katzenliebhaber vor ein paar Jahren das Buch „Pauline in der Arche“ veröffentlicht – eine Erzählung in Bildern.

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erstellt am 27.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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