Neubaugebiet : Handewitt geht ins Risiko

Rund 170 Wohneinheiten sollen in dem neuen Handewitter Neubaugebiet entstehen.
Rund 170 Wohneinheiten sollen in dem neuen Handewitter Neubaugebiet entstehen.

Gemeinde will die Fläche für Neubaugebiet behalten und die erforderlichen Investitionen finanzieren. Ein Dienstleister soll das Areal nach und nach entwickeln.

shz.de von
09. Mai 2018, 12:00 Uhr

Handewitt | Nordwestlich vom Wiesharder Markt sollen rund 170 Wohneinheiten, darunter auch Geschoss- und Sozialbau, plus Kindergarten auf einem acht Hektar großen Maisfeld entstehen. Doch wie lässt sich das Handewitter Neubaugebiet am besten realisieren? Darüber debattierte die Handewitter Gemeindevertretung in ihrer jüngsten Sitzung, nachdem die Vorbereitung missglückt war. An einer internen Info-Veranstaltung mit Referenten aus Hamburg hatten nur sechs der 23 Gemeindevertreter teilgenommen.

Zur Wahl standen drei Varianten. Die Option, sowohl die Erschließung als auch die Vermarktung in Eigenregie vorzunehmen, fiel unter den Tisch. Der enorme Aufwand hätte zusätzliches Personal in der Verwaltung erfordert. Der Planungs- und Umweltausschuss hatte empfohlen, zunächst im Besitz der acht Hektar zu bleiben, aber einen Dienstleister für Erschließung und Verkauf zu engagieren. „So müssen wir keinen neuen Mitarbeiter einstellen“, erklärte Ausschussvorsitzende Helga Knaack, „und wir behalten als Gemeinde trotzdem Einfluss auf das Gebiet“. Der Nachteil: „Die Gemeinde muss bis zum sechsten Projektjahr alle Investitionen tätigen und vorfinanzieren und trägt das gesamte Risiko der Entwicklung.“ Die Alternative: die Abgabe des Areals an einen Entwicklungsträger, der nach Vorgaben der Kommune das Neubaugebiet verwirklicht. So würde es sofort in der Gemeindekasse klingeln.

Finanzausschussvorsitzende Gerhard Beirer, der auf den Zuschauerplätzen saß, hätte gern dazu etwas gesagt. Doch ihm wurde von der knappen Mehrheit das Wort verwehrt. Das war möglich, weil er als „bürgerliches Mitglied“ nicht dem alten Gemeinderat angehörte. Eine hauchdünne 9 : 8-Mehrheit wollte die Hoheit über das Gebiet behalten und votierte schließlich dafür, in Besitz der Fläche zu bleiben und einen Dienstleister zu engagieren. „Natürlich gehen wir in Vorleistung, wir müssen aber die gesamten acht Hektar nicht auf einen Schlag erschließen“, erklärte CDU-Vertreter Gerald Müller.

„Wir müssten Kredite aufnehmen, die die Handlungsfähigkeit der Gemeinde eingrenzen“, gab Bürgermeister Thomas Rasmussen zu bedenken. „Außerdem haben wir die Breitbandversorgung vor der Brust.“ Mit einer Investition von 3,3 Millionen Euro müsse gerechnet werden.

In der Handewitter Siedlungsstraße sollen in zweiter Reihe vier Häuser mit neun Mietwohnungen durch einen Investor entstehen. Einige Anwohner kritisierten die Gebäudehöhe, die Zahl der Wohneinheiten und die Verkehrsführung – letztlich ohne Erfolg, der Bebauungsplan wurde beschlossen. Helga Knaack empfahl für zukünftige Fälle, die „Kommunikation mit angrenzenden Grundstückseigentümern zu verbessern“.

Die neue Straße im Gewerbegebiet „Heideland“ hat einen Namen: Bregenberg. Dort will das Flensburger Unternehmen „Queisser Pharma“ ein hochmodernes Logistikzentrum errichten. Die Versorgung mit Internet und Energie sollen die Stadtwerke übernehmen – mit Leitungen, die von Flensburg-Weiche ausgehen und auch die Wedinger Siedlerstraße berühren. Die Kommunalpolitik forderte eine umfangreiche Fernwärme-Versorgung.


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