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Wohnungsbau in Flensburg : Handelsverein baut neue Sozialwohnungen in der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Planungen an der Nerongsallee und am Ochsenmarkt / Hilfe für Kaufleute in Not rückt immer mehr in den Hintergrund

Zur Pressekonferenz gestern Vormittag konnte der Vorsitzende des Handelsvereins, Peter Berg, seinen Mitstreitern eine gute Nachricht überbringen: Das Vorhaben des Vereins, neue, günstige Wohnungen für sozial Bedürftige zu bauen, wird von der Investitionsbank mit rund zwei Millionen Euro und damit zu 80 Prozent des Investitionsvolumens gefördert. Das soll auf den beiden Grundstücken geschehen, auf denen die Anlagen des Verein stehen: Nerongsallee 40-42 und Ochsenmrkt 17-19. Peter Berg freute sich sichtlich über diese guten Aussichten in dem Jahr, im dem der Verein sein 175-jähriges Bestehen feiert.

1831, in einer Zeit großer wirtschaftlicher Probleme für die Flensburger Wirtschaft, traten 66 Kaufleute und Einzelhändler – damals hießen sie noch Detaillisten – dem neuen Handelsverein bei. Es gab viel zu tun: Flensburg sollte aus der wirtschaftlichen Talsohle herausgeholt werden, in die die napoleonischen Kriege und der Verlust Norwegens die Unternehmer gestürzt hatten. Der Westindienhandel und die Versorgung des Umlandes waren gute Ansätze für eine Erneuerung. Beziehungen, Ratschläge und Unterstützung bot der Handelsverein.

Damit war 1870 Schluss, als der Kaiser die Gründung der Handelskammern verfügte. Deren Ziele deckten sich in Flensburg mit denen des Vereins, auch wenn die formelle Basis eine ganz ander war. Deswegen nennen die Repräsentanten des Vereins mit einem gewissen Augenzwinkern die IHK den Nachfolger des Handelsvereins.

Dessen Aufgaben übernahm die Kammer, und es stellte sich die Sinnfrage: Was gab es für den Handelsverein noch zu tun? Da an soziale Sicherungen für Unternehmer und ihre Familien nicht zu denken war, sah der Vereinsvorstand hier ein neues Betätigungsfeld. Gegründet wurde ein Stiftungsfonds „für Bedürftige und deren Familien aus dem Handelsstande“. Dieses Ziel prägt die Arbeit des Vereins bis heute. Ganz wichtig: Für Kaufleute und deren Familien bedeutete ein Scheitern oft den Verlust von Wohnung und Unterkunft. Hier sollten durch Stiftungsgeld finanzierte Wohnungen Abhilfe schaffen. So stifteten 1922 die Einzelhändler die repräsentative Wohnanlage Nerongsallee 40-42. Unter der Adresse Ochsenmarkt 17-19 ließen die Großhändler 1959 ein Alten-Wohnheim errichten. Seit 1990 bis heute ist die Stiftung „Altenwohnungen der Kaufmannschaft in Flenburg“ für diese beiden Häuser zuständig.

Allerdings: In Not geratene Kaufleute, die eine günstige Wohnung benötigen, gibt es immer weniger. Sechs seien es noch, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Berg. Und auch Zuwendungen, die an Kaufleute und ihre Familien , die am Existenzminimum leben, werden immer weniger. Zumindest die Wohnungsvergabe soll in Zukunft nach sozialen Kriterien ausgerichtet sein. Bedingung für eine Vermietung ist der Wohnberechtigungsschein.

Gegen das Stichwort „Sozialwohnungen“ hat Peter Berg nichts einzuwenden, legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Projekte mit der Stadt und den beiden in Flensburg aktiven Bauvereinen abgestimmt sind.

Mit der gestern erhaltenen Förderzusage steht der nächste Schritt bevor: der Bauantrag an die Stadt Flensburg. Die Architekten sollen die neuen Häuser mit je 15 Wohungen sensibel in die Umgebung an der Nerongsallee und am Ochsenmarkt einpassen. Außerdem soll die Anlage an der Nerongsallee auf den neuesten Stand gebracht werden.

Das Jubiläum des Handelsvereins wird am Mittwoch, 3. Mai, in der IHK gefeiert. Die Chronik des Vereins wurde von Dr. Dieter Pust erstellt und umfasst auch umfangreiche Erläuterungen zur Bedeutung der Kaufleute in Flenburg.

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