Wohnen in Flensburg : „Häuserparks“ an der Friedenskirche

Heute soll ein neues Wohngebiet in Weiche mit 160 Wohnungen auf den Weg gebracht werden / Bauplan Nord plant mit Asmussen & Partner

shz.de von
05. September 2017, 06:07 Uhr

Das Dorf kommt zur Kirche. Seit 50 Jahren steht die Friedenskirche allein auf weiter Flur, weil die erwartete und erhoffte Bebauung rundherum einfach nicht kam. Doch jetzt scheint es loszugehen, gibt es gleich zwei größere Bauprojekte im Umfeld des Kirchenbaus von 1966/67. Heute soll der Umwelt- und Planungsausschuss die Aufstellung des Bebauungsplans „Westlich der Friedenskirche“ beschließen.

Es geht um eine Grün- und Brachfläche zwischen der Friedenskirche und der Husumer Straße, die im Südwesten von der Bebauung am Ochsenweg begrenzt wird, zum großen Teil das Gelände eines Autohändlers. Das vor allem durch Sonwik bekannte Unternehmen Bauplan Nord hat eigens für dieses Projekt die BPN Wobau GmbH & Co. KG gegründet und plant hier 160 Wohneinheiten, wie Unternehmensgründer Torsten Koch bestätigt. Die Bebauung werde überwiegend drei- bis viergeschossig sein, zum Teil kommen Staffelgeschosse dazu. Die einzelnen Baukörper sollen, wie es Koch formuliert, in „Häuserparks“ angeordnet werden. Für den Entwurf zeichnen die Flensburger Architekten Asmussen & Partner verantwortlich, die in einer kleinen Ausschreibung offenbar die beste Konzeptstudie vorgelegt haben.

Ein Teil der Fläche sei früher einmal als Kiesgrube genutzt worden, berichtet Koch. Diese sei später verfüllt worden, was bei der Erschließung des Areals zu „komplexeren Gründungsarbeiten“ führen werde. Mit denen hoffe er, im kommenden Jahr beginnen zu können.

Nicht geplant ist hingegen der Bau eines Nahversorgers, also eines Supermarktes oder Discounters. Der Planungsausschuss hatte im Mai 2016 um Prüfung gebeten, ob das möglich sei. Grund für die Ablehnung ist laut Planungsunterlage RV-114/2017 das an dieser Stelle fehlende Einzugsgebiet für eine derartige Ansiedlung – obwohl südlich der Friedenskirche ebenfalls ein Wohngebiet entstehen soll, sogar mit 200 Wohneinheiten. Außerdem wird auf Bewegung im Weicher Einzelhandel verwiesen: Sowohl Aldi als auch Netto in der Gartenstadt dürfen wachsen. Lidl sei eine „Neuansiedlung in Aussicht“ gestellt worden. All dies trage zu einer „ausreichenden Nahversorgung“ bei. Ein Nahversorger in dem neuen Wohngebiet würde sich zudem negativ auf den Einzelhandel in Jarplund-Weding auswirken. Das Stadtteilzentrum Weiche mit drei Märkten ist rund ein Kilometer von den geplanten Häuserparks entfernt.

Bauplan Nord will sich auch um die Verkehrserschließung des neuen Quartiers kümmern. Zudem hat die Stadt ein Gutachten zur Verkehrssituation im gesamten Bereich um die Friedenskirche – nördlich, westlich und südlich – im Gegenwert von 8500 Euro bestellt.

Gemessen am langfristigen Bedarf sind beide Wohnungbauprojekte an der Friedenskirche nicht mehr als zwei Tropfen auf einem sehr großen heißen Stein: Bis 2030 müssten in Flensburg 8000 neue Wohnungen gebaut werden.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen