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Wochenmarkt Flensburg muss umziehen : Händler schlagen Alarm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weihnachtsmarkt verdrängt Wochenmarkt in die Große Straße – und die Anbieter befürchten Umsatzeinbußen

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 06:34 Uhr

Seit 47 Jahren steht Helga Rabe auf dem Wochenmarkt, bietet ihre Kartoffeln und Möhren feil. Immer mittwochs und sonnabends. Traditionell auf dem Südermarkt. Im November wird sie sich zum ersten Mal auf der Großen Straße wiederfinden. Zu ihrem großen Leidwesen: „Da will keiner von uns hin“, sagt sie. „Meine Kunden wussten immer, wo ich stehe.“ Ab Mittwoch, 22. November, dürfen sie suchen. Wo genau, weiß man noch nicht. Denn die Stadt erarbeitet jetzt einen Plan, wie die Stände zwischen Nordermarkt und Rathausstraße verteilt werden sollen. Vorgestern gab es eine Begehung mit Vertretern des Ordnungsamtes.

Hintergrund: Die Wochenmarktbeschicker müssen dem Weihnachtsmarkt weichen. Die Stadt will das so. „Wahrscheinlich, weil sich mit mehr Ständen auf dem Weihnachtsmarkt auch mehr Geld verdienen lässt“, vermutet Helga Rabe. Die umstehenden Käufer nicken. „Wir haben damals nur zugestimmt, wenn wir in der Weihnachtszeit unsere Stände und Wagen drumherum platzieren können“, sagt Marianne Hagen, die einen mobilen Imbiss betreibt. Das ist in den vergangenen Jahren trotz drangvoller Enge so gehandhabt worden. „Nun ist das auch vorbei, obwohl wir damals schon weniger Umsatz hatten – ausgerechnet beim Weihnachtsgeschäft. Wir haben eben keine Lobby!“

Noch mag keiner der Händler, die teilweise von der Hand in den Mund leben, darüber nachdenken, wie viel Einnahmen ihnen in der Großen Straße noch bleiben. „Für viele ist das existenzbedrohend“, sagt Boy Gondesen. Der frisch gewählte Vorsitzende des Wochenmarktvereins schildert, dass auch andere Optionen geprüft worden seien: die Angelburger Straße etwa, die wegen des Busverkehrs nicht infrage kam, oder die Exe. „Das war ein ständiges Hin und her.“ Letztlich müsse man mit dem kleineren Übel leben. Quintessenz aus dem anderthalbstündigen Gespräch am Sonnabend mit zwei Vertretern der Stadt. Zwölf Markttage sind bis Weihnachten betroffen. Gondesen rechnet damit, erstmals wieder am 30. Dezember auf dem Südermarkt zu stehen. „Wir sind sehr verärgert über diese kurzfristige Entscheidung – ohne jedes Mitspracherecht.“ Für 2018, fordert er, müsse eine andere Lösung her. „Der Südermarkt ist das pulsierende Herz der Stadt.“ Und der Wochenmarkt diene schließlich nicht nur dem Austausch von Waren, sondern sei auch ein sozialer Treffpunkt für Flensburger, eine Attraktion zudem, die in jedem Reiseführer angepriesen werde. „Er gehört einfach hierher!“ Seitens der Verwaltung gab es am Wochenende keine Stellungnahme.

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