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Dollerup : „Hadi soll in Deutschland bleiben“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dem 20-jährigen Flüchtling droht die Abschiebung nach Afghanistan. Der TV Grundhof sucht für ihn einen Ausbildungsplatz

Dollerup | Es sollte der Weg in eine bessere Zukunft werden. Als Hadi Mortazawi vor knapp drei Jahren vom Iran nach Deutschland flüchtete, hoffte er, in einer neuen Heimat Fuß fassen zu können. Seine Eltern hatten ihren damals 17-jährigen Sohn allein auf die gefährliche Reise nach Europa geschickt. „Sie wollten, dass ich ein besseres Leben habe“, sagt Hadi. Dieser Wunsch schien zunächst in Erfüllung zu gehen. Hadi zog in eine Wohngemeinschaft in Flensburg, besuchte die DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) in der Eckener-Schule und integrierte sich schnell in seiner neuen Umgebung. Seit zwei Jahren spielt er beim TV Grundhof in der ersten und zweiten Herrenmannschaft Fußball und trainiert zweimal pro Woche auf dem Vereinsgelände in Streichmühle. Alles lief gut – bis zum 13. April. An jenem Tag bekam Hadi Post: einen Abschiebe-Bescheid nach Afghanistan. Innerhalb von 30 Tagen sollte er Deutschland verlassen.

Hadi ist gebürtiger Afghane, lebte seit seinem sechsten Lebensjahr aber mit seiner Familie im Iran. Die Mortazawis waren vor den Taliban ins Nachbarland geflüchtet. In Afghanistan kennt er deshalb niemanden mehr und weiß nicht, „wo ich dort hin soll“. Die Lage scheint aussichtslos, doch kampflos aufgeben will er trotzdem nicht. Hadi sprach mit einem Anwalt und reichte eine Klage gegen den Abschiebe-Bescheid ein. Die Klage läuft noch, aber schon jetzt ist klar: Hadi ist darauf angewiesen, einen Ausbildungsplatz nachzuweisen, um doch noch bleiben zu können. Denn das, sagt er, würde die Chancen erhöhen, dass dem Einspruch stattgegeben wird.

Hadi schaut traurig, als er seine Geschichte erzählt. Aber nicht nur er, sondern auch seine Freunde und Teamkollegen vom TV Grundhof waren schockiert über die schlechte Nachricht. „Das ist weder nachvollziehbar noch tolerierbar“, sagt Fußball-Obmann Christian Schröder. Der Verein, dem Hadi ans Herz gewachsen ist, will verhindern, dass der 20-Jährige nach Afghanistan abgeschoben wird. „Als wir von Hadis Abschiebung erfahren haben, war uns sofort klar, dass wir helfen müssen“, erinnert sich Schröder. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz lief sofort an. Vorstandsmitglied Sören Riechmann hat deshalb einen Kurzlebenslauf von Hadi auf der Internet- (www.tvgrundhof.de) sowie der Facebook-Seite des TV Grundhof veröffentlicht.

„Ich möchte gerne im handwerklichen Bereich eine Ausbildung machen“, sagt Hadi motiviert. Schweißer, Schlosser, Tischler, Zimmermann oder auch Polsterer seien Berufe, die ihn interessieren. „Als Tischler habe ich schon mit meinem Onkel gearbeitet“, erzählt der junge Flüchtling. Außerdem habe er 2016 ein zweiwöchiges Schulpraktikum beim Jugendaufbauwerk (JAW) in Flensburg gemacht. „Er hat viel Lust, zu arbeiten“, fügt Schröder hinzu.

Obwohl Hadi erst seit zweieinhalb Jahren in Flensburg lebt, kann er sich auf Deutsch gut verständigen. Die Sprache zu lernen, fällt ihm aber nicht leicht. „Die Grammatik ist schwer“, betont er. Vor allem mit den Fällen steht er poch auf Kriegsfuß. Sobald er die Wörter Dativ und Akkusativ hört, rollt er lachend die Augen. „Das ist kompliziert“. Neben Deutsch spricht er Persisch und Dari.

Bis zu den Sommerferien hat noch Hadi Zeit, einen Ausbildungsplatz zu finden, und er hofft, dass es klappt. „Hadi ist ein Paradebeispiel für einen perfekt integrierten Flüchtling“, beschreibt Schröder den Hobby-Fußballer, der als Talent gilt, mal im Sturm angreift und mal im Mittelfeld spielt. Er habe ein soziales Umfeld, sei freundlich und verlässlich, er fühle sich in Flensburg und beim TV Grundhof pudelwohl.

Mit seiner Familie telefoniert Hadi regelmäßig – aber wann er sie wiedersieht, weiß er nicht. „Meine Mutter weint immer, wenn ich mit ihr spreche“, erzählt er bedrückt und blickt auf den Trainingsplatz, wo der Fußball-Nachwuchs Pässe übt. Auch wenn es noch Zukunftsmusik ist, hofft Hadi, dass er seine Familie irgendwann im Iran besuchen kann. Vorausgesetzt, er findet bald einen Ausbildungsplatz.

> Wer einen Auszubildenden sucht, kann sich mit Christian Schröder unter cs-tvg@web.de in Verbindung setzen. Er stellt dann den Kontakt zu Hadi Mortazawi her.

 

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erstellt am 16.Mai.2017 | 13:53 Uhr

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