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Neubau Handwerkskammer in Flensburg : Gutes Ende einer schweren Geburt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom Zankapfel zum modernen Handwerks-Berufsbildungszentrum: Gestern weihte die Kammer Haus B am Johanniskirchhof ein

Udo Hansen begrüßte am Sonnabend im Hof der Handwerkskammer mit Hinweis auf das großformatige Banner an der Kammerfassade: „Bildung kann man lauthals fordern. Wir haben ihr lieber ein Haus gebaut“, stand dort selbstbewusst in Pink auf Türkis. Eine nagelneue Kfz-Werkstatt samt LKW-Rampen und großer Garage für die angehenden Kfz-Mechatroniker der Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik, Metallbau- und Elektrotechnikausbildung, Schornsteinfeger und Friseure sollen künftig im Neubau Haus B der Kammer, dem größten Ausbildungstrakt, Platz finden – jedes Jahr 2700 Lehrgangsteilnehmer in der überbetrieblichen Ausbildung auf dem neuesten Stand, samt weiterer neuer Räume für den Theorieteil der Weiterbildungskurse.

Vergessen der Streit von 2009, als weite Teile der Nachbarschaft gegen die Planungen auf die Barrikaden gegangen waren (siehe Info-Kasten). Handwerkskammer-Präsident Eberhard Jürgensen erinnerte am Sonnabend daran, dass „der Neubau nicht ganz geräuschlos vonstatten“ gegangen sei, nachdem er hervorgehoben hatte: „Gerade unseren direkten Nachbarn gebührt ganz großer Dank.“ Schließlich sei dank des Wettbewerbs für die Fassade an der Süderfischerstraße, an dem die Nachbarn beteiligt gewesen seien und den Architekt Jörg Steinwender gewonnen hatten, auch optisch etwas Schönes entstanden. Viel Lob gab es auch für den gesamtverantwortlichen Architekten Hans Jörn Sachau: „Ihnen ist ein zweckmäßiges und helles Gebäude gelungen, an dem wir noch viel Freude haben werden“, sagte Präsident Jürgensen.


Azubi-Quote sinkt, Studienanfängerquote steigt


Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende erklärte, dass das schöne neue Haus viele Väter und viele Mütter habe: Von den 6,8 Millionen Euro Gesamtinvestitionsvolumen hatten Land und Handwerk je 1,7 Millionen Euro finanziert, der Bund mit 3,4 Millionen Euro die andere Hälfte. Das Geld sei aber gut angelegt, denn neben der demografischen Herausforderung gehe es immer noch um Chancengerechtigkeit: „Sie reden nicht, Sie tun“, lobte Wende. Es sei die große Zukunftsaufgabe, Jugendlichen Zukunftschancen zu geben. Und der gute Ruf der dualen Ausbildung in Deutschland reiche bereits bis nach Asien.

Bildungsforscher Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung und nach Ministerin Wende zweiter Professor auf der Rednerliste, stellte in seinem Festvortrag die Bedeutung der dualen Berufsbildung in Deutschland heraus: Immerhin gebe es in der Republik fast 1,5 Millionen Auszubildende, jedes Jahr würden 531 000 Prüfungen abgelegt – 90 Prozent davon erfolgreich. Was Bildungsforschern wie Esser Sorgen macht: Nicht nur das Ausbildungsplatzangebot sinkt und die Zahl der unversorgten Lehrstellenbewerber steigt – die Zahl der Schulabgänger ohne Abi ist in diesem Jahr um 93 000 auf 442 000 gesunken. Und die Studienanfängerquote ist in den vergangenen zwölf Jahren von 33,5 auf heute 54,7 Prozent rasant gestiegen.

Gut für das Handwerk, dass am 7. Oktober die neue moderne Berufsbildungsstätte öffnet.

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