Hafenfest in Flensburg : Guter Wind und kalte Füße: Das war die 36. Rum-Regatta

Prächtiger Oldtimer in voller Fahrt: Der Zollkutter „Kong Bele“ aus Hamburg wurde für eine besonders gelungene Restaurierung ausgezeichnet.
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Prächtiger Oldtimer in voller Fahrt: Der Zollkutter „Kong Bele“ aus Hamburg wurde für eine besonders gelungene Restaurierung ausgezeichnet.

Viel Musik, schnelle Schiffe und keine Zwischenfälle: Die Rum-Regatta 2015 bestach mit prominentem Besuch und neuer Zampano bei der Preisvergeudung.

shz.de von
18. Mai 2015, 07:41 Uhr

Flensburg | Die 36. Rum-Regatta war wie alle anderen zuvor auch: Unernstes Gaffelsegeln bei gutem Wind auf der Innenförde, handgemachte Musik und maritimes Handwerk an Land, gute Stimmung und zotiges Spruchwerk allenthalben. Und doch war es diesmal anders: Die legendäre Preisvergeudung, auch Preisverschleuderung genannt, kultiger Höhepunkt jeder Rum-Regatta am Sonnabend, musste diesmal ohne Rainer Prüß und seine bissig-liebevollen Gemeinheiten gegen die allzu ehrgeizigen Sieger auskommen. Nach 30 Jahren war es genug; Prüß, mittlerweile 70, verfolgte die Siegerdemütigung von einem Logenplatz an Bord des Schoners „Activ“ aus.

Als Nachfolger hat sich der Museumshafen ein jüngeres Urgestein der Szene ausgesucht: Ole Stichling, Skipper der „Aurora von Altona“, führte als Neuerung sogleich den Reim ein: „Wir kommen jetzt zum zweiten Preis, ihr wisst alle, was das heißt, ’n guter Schluck bringt keinen um, für ,Lilla Dan’ drei Liter Rum!“ Das Urprinzip bleibt unangetastet: Die jeweils Ersten in den Klassen bekommen einen passenden Spottpreis, ausgesuchte Schaurigkeiten vom Dachboden, komischer Kitsch wie eine hölzerne Kuckucksuhr, ein Schiffsmodell mit Goldapplikationen, eine grausige Galionsfigur. Den eigentlichen Hauptpreis, eine Dreiliterflasche Rum, bekommt stets der Zweitplatzierte – unter anderem die „Aurora von Altona“ mit Ole Stichling am Ruder.

„Wir hatten mehr Wind als erwartet“, sagte Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens, am Sonntag in einem ersten Fazit. „Auch die größeren Schiffe kamen schnell in Fahrt.“ Kurz nach dem Start am Sonnabend um 11 Uhr setzte sich die „Alexandra“ – außer Konkurrenz und unter Dampf – an die Spitze des Feldes, gefolgt von „Dagmar Aaen“ mit Arved Fuchs, ebenfalls mit Maschinenkraft. Die neuen Segel seien nicht rechtzeitig gekommen, die alten waren noch zur Reparatur: „Arved hat am Freitag die Rolle des Zielschiffs bei der Flensborg Fjord-Regatta übernommen und die Zeiten gestoppt“, lobte Schulz.

Die 36. Rum-Regatta war eine der frischesten der letzten Jahre: „Durchgehend kalt, darunter litten auch die Händler“, hat Martin Schulz festgestellt. Über die Höhe des Grog-Konsums wurden keine Zahlen mitgeteilt. Am rheinhessischen Weinstand am Südende des Bohlwerks, wo stets die Live-Bands wie Parelmoer, Rock die Straße und String House Harmony ein dankbares Publikum finden, wurde jedenfalls kein Glüh-Dornfelder ausgeschenkt. Auch prominenter Besuch mischte sich unter das Seemannsvolk: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte die Regatta privat.

Für eine unvergessliche Stunde sorgten alle Musiker gemeinsam beim nur ansatzweise geprobten „Konzert“ des Jekami-Gaffelorchesters im Zelt. „Mit voller Spielmannswucht“ geleitet von Christoph Peters spielten und sangen die Musiker maritime Klassiker wie „Sailing“ und „Sloop John B.“, aber auch das holländische Seemannslied „Zoute Zee“ und das wunderschöne Liebeslied „The Call and the Answer“.

Und statt bei der Preisvergeudung im Mittelpunkt zu stehen, reihte sich Rainer Prüß mit seiner Mandoline in die lange Galerie der bärtigen Barden und fröhlichen Fiddler ein, so wie er tagsüber mit seinem Bornholmer Lachskutter „Vaar“ in der Klasse AIV mitsegelte und einen unauffälligen fünften Platz belegte.

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