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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 05:55 Uhr

Villekula : Guter Rat für Helfer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tjorven Reisener will ihren Verein Villekula weiter professionalisieren und profitiert von einem Beratungsstipendium

Die Idee hatte Tjorven Reisener aus Südafrika mitgebracht. Auf den Dächern eines Kindergartens im Township, erzählt die Flensburgerin, sei gegärtnert und geerntet worden. Während manche Kinder anfangs Pflanzen rausgerissen haben, schätzten sie schließlich die Früchte der Gartenarbeit. „Ich konnte beobachten, was es mit den Kindern macht“, erinnert sich Reisener und gründete noch als Studentin der Erziehungswissenschaften mit 24 den Verein Villekula in Flensburg. Zuerst im eigenen Schrebergarten am Munketoft, längst am Quakenweg gärtnern Kinder, Jugendliche und auch Senioren; sie ernten, backen und verspeisen – „vom Samenkorn bis zur gemeinsamen Mahlzeit“, heißt die „kunterbunte Zukunft“ bei Villekula.

Der Verein geht im März ins vierte Jahr. Und das erfolgreich: Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement hat Tjorven Reisener im vorigen Jahr zur Engagement-Botschafterin gekürt – davon gibt es nur vier in Deutschland. Als solche war sie auch zu Gast beim letzten Bürgerfest des Bundespräsidenten und schüttelte Joachim Gaucks Hände.

Aktuell zählt Villekula zu den 100 Stipendiaten von 2016 von „startsocial“. Im Vordergrund dieses bundesweiten Wettbewerbs steht der „Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und sozialer Projektarbeit“. Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ profitieren gesellschaftlich Engagierte von der Expertise der Coaches aus der Wirtschaft, dem öffentlichen Sektor und dem Non-Profit-Bereich während eines viermonatigen Beratungsstipendiums. Tjorven Reisener erinnert sich an eine der „aufwendigsten Bewerbungen“; darin steht schon, wo Verbesserungsbedarf ist. Die wöchentlichen Beratungstermine über vier Stunden hat vor allem die Vereinsgründerin in Anspruch genommen – und „ins Team getragen“, sagt sie. Das besteht aus rund 30 Ehrenamtlichen.

Organisationsentwicklung sei ein großes Thema – „schön, aber herausfordernd“, sagt die 28-jährige Diplompädagogin. „Wir können nicht sagen, wir machen Gesundheitsförderung und passen nicht auf unsere eigenen Leute auf.“

Mit ihrem Berater Michael Lambert Hacker ist sie da genau an den richtigen geraten. Der Organisationsentwickler ist Mitinhaber von Bertelmann und Hacker, die mit ihrer Firma für Personalentwicklung und Unternehmensführung „nicht zufällig in die Nähe des Campus“ gezogen sind und sich der Region verbunden fühlen. Der 46-jährige Hacker stammt aus Lübeck, kam aber schon zum Studium nach Flensburg.

„Wir haben den externen Blick“, benennt er das, was er seinen Schützlingen bieten kann. Und natürlich Knowhow. Hacker hat Tjorven Reisener beim Projektplan und Finanzplan unterstützt, mit ihr Kosten einer Betriebsstunde errechnet, einen Leitfaden entwickelt und das Instrument der „Wie-geht’s-Dir-Gespräche“ und ein Organigramm – und er hat die Schaffung einer halben Stelle begleitet. Auch die fällige Präsentation haben sie gemeinsam erarbeitet; „wann bekommt man schon die Gelegenheit, so etwas im geschützten Rahmen auszuprobieren“, fragt Reisener.

Der Abschlussbericht, der jetzt in der Schlussphase entsteht, sei schließlich Grundlage für die Juroren, die 25 besten Stipendiatenprojekte zu küren und zur Verleihung des Bundespreises in Berlin einzuladen. Die Abgabefrist endet in zehn Tagen.

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erstellt am 19.Feb.2017 | 19:08 Uhr

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