Orkanschäden : Gute Zeiten für Holzsammler

Baum in Scheiben: SBV-Mitarbeiter Oskar Vorpahl zersägt am Adelbyer Kirchenweg einen Stamm zu Brennholz.
Baum in Scheiben: SBV-Mitarbeiter Oskar Vorpahl zersägt am Adelbyer Kirchenweg einen Stamm zu Brennholz.

Nach Orkan „Christian“ liegen überall gefallene und zersägte Bäume – doch einfach einsammeln und mitnehmen geht meist nicht.

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06. November 2013, 08:55 Uhr

Flensburg | Sturm „Christian“ hat vor einer Woche ganze Arbeit in der Stadt geleistet. „Wir schätzen, dass ihm 10.000 Festmeter auf 20 bis 30 Hektar Fläche zum Opfer gefallen sind“, sagt Barbara Hartten, neue technische Leiterin beim Technischen Betriebszentrum (TBZ) der Stadt Flensburg. Es ist nicht zu übersehen: Überall liegen entwurzelte oder abgebrochene Bäume, die nur dann schon beseitigt und zerteilt wurden, wenn sie eine Gefahr darstellten oder im Weg lagen. Mangel an Holz gibt es jedenfalls derzeit nicht – und dennoch: Einfach so mitnehmen ist fast nirgendwo erlaubt.

„Das Holz gefallener Bäume gehört grundsätzlich dem Besitzer des Grundstücks, auf dem der Baum gestanden hat“, stellt Thomas Kuchel klar, Pressesprecher im Rathaus. Dabei sei es egal, ob es ein Grundstück der Stadt, des Landes oder des Bundes ist. Es gebe nur eine Ausnahme: Wenn ein Baum aus dem öffentlichen Raum auf ein privates Grundstück gefallen ist oder in ein Grundstück hineinragt, darf der Grundstücksbesitzer zur Säge greifen, den Baum beseitigen und das Holz behalten. „Das erleichtert uns dann ja auch die Arbeit“, ergänzt Ralf Leese (TBZ).

In den vergangenen Tagen wurden hier und da Holzsammler gesehen, die ihr Auto am Straßenrand parken, den Kofferraum öffnen und einen Stapel gesägtes Holz einladen – vermutlich ohne Erlaubnis. Denn das TBZ hat einen Großabnehmer für alle Stämme: „Die werden an die Stadtwerke verkauft“, bestätigt Barbara Hartten.

Auch der Selbsthilfebauverein als größter Vermieter muss sich derzeit mit viel Fallholz herumschlagen. „So dramatisch ist das aber gar nicht“, relativiert Jürgen Möller aus dem SBV-Vorstand diese Arbeiten. „Wir beseitigen das alles selbst.“ Will sagen: Der SBV wünscht keine Hilfe von Selbstversorgern, die auf die Grundstücke gehen, sich mit Holz eindecken und Unordnung hinterlassen – wie in den letzten Tagen geschehen.

Doch es gibt die Möglichkeit, sich ganz legal mit Brennholz einzudecken. Dazu bewirbt man sich beim TBZ als Holzwerber (Tel. 0461-852288), lässt sich auf einer Liste eintragen und bekommt irgendwann Bescheid, um seine gewünschte Kubikmeterzahl beim TBZ abzuholen. Jedoch können sich laut Otto Pastorff auch sogenannte Selbstwerber auf einer anderen Liste eintragen lassen, um mit eigener Motorsäge in einem zugeteilten Waldstück anzurücken. Erforderlich ist ein Motorsägeschein – und es gibt eine Rechnung.

Besonders heftig gewütet hat „Christian“ in den Wäldern der Stadt. Die Schäden im Naturschutzgebiet Twedter Feld sind verheerend. Nur ein kurzer Blick an der durch einen Baum versperrten Zuwegung von der Osterallee zeigt ein bislang unbekanntes Ausmaß der Zerstörung. Überall liegen Bäume flach oder sind auf andere gestürzt und stehen schräg im Dickicht. Aus Sicht von Oliver Fritzsche von der unteren Naturschutzbehörde ist nicht abzusehen, wann dieser Naturwald am östlichen Stadtrand wieder freigegeben werden kann. Hier wird aber ohnehin für Holzwerber nichts zu holen sein: „Gefallene Bäume bleiben liegen“, so Fritzsche. Dadurch würden neue Lebensräume entstehen, zum Beispiel an den senkrechten Wänden der großen Wurzelteller, wenn ein Baum sich richtig flach gelegt hat.

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