Glücksburg : Gute Lage garantiert nichts

Maroder Zaun und kaputtes Fensterglas:   Nur eine Mieterin bewohnt zurzeit das Gebäude an der Fördestraße.  Foto: Haufschild
Maroder Zaun und kaputtes Fensterglas: Nur eine Mieterin bewohnt zurzeit das Gebäude an der Fördestraße. Foto: Haufschild

Auflagen der Behörden und wechselnde Eigentümer: Glücksburger Immobilie kämpft weiterhin mit Leerstand.

shz.de von
03. April 2013, 07:10 Uhr

Glücksburg | Sie will einfach nicht aufblühen - die Immobilie an der Fördestraße 35. Trotz bester Glücksburger Lage unweit des Yachthafens sieht alles aus wie vor Monaten: Leerstand, maroder Zaun, kaputtes Fensterglas in der Eingangstür. Und die letzte verbleibende Mieterin, Maike Nehlsen, sitzt zum zweiten Mal diesen Winter ohne Heizung da. Nach ihren Angaben wurde der Tank für das Heizöl nicht rechtzeitig aufgefüllt.

Eine leicht zu entwickelnde Immobilie ist das Haus nicht. Ursprünglich Sitz der Firma Elektro-Optik, Entstehungsort verschiedener Infrarot-Projekte, hat es nicht den Charme einer hochpreisig vermietbaren Wohnimmobilie. Die Krux jedoch ist, dass das Gebäude heute in einem reinen Wohngebiet steht. Die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes und aktuelle Auflagen der Behörden sind folglich schwer in Einklang zu bringen. Frank Springfeld vom Bauamt Schleswig verweist auf die Baunutzungsverordnung Paragraph 3, wonach Gebäude in solchen Lagen dem reinen Wohnzweck zu dienen haben. Ausnahmsweise könnten kleinere Betriebe und Läden nach Absprache mit dem örtlichen Bauamt einziehen, wenn sie der Versorgung des Viertels nachkämen.

Die ursprüngliche Eigentümerin, Sibylle Jargstorf, findet, das Amt entscheide zu sehr "nach Schema F: Zu Zeiten meines Vaters (Josef Menke, 1913-1995, Gründer des Betriebes) wurde das Gebäude rein gewerblich genutzt. Da hat es punktuell Krach gegeben - mehr als beispielsweise eine Sanitärfirma machen würde." Die Sachbuchautorin hatte sich nach dem Tod des Vaters viel Mühe gegeben, einen Käufer zu finden, der das 45 Jahre alte Backsteingebäude angemessen zu nutzen wüsste. Einen Abriss mit anschließendem Neubau wollte sie verhindern. So verhandelte sie mit Thomas Feyerabend, Inhaber einer Sanitärfirma. Er ist allerdings kreisweit tätig und erfüllt daher nicht die amtlichen Richtlinien.

Auch Investor Michael Diethelm, der in dem Haus hochwertige Ferienwohnungen plante, sprang wieder ab. Allerdings nicht, so erzählt er, weil das Bauamt Schwierigkeiten gemacht hätte. Lars Renken von der örtlichen Verwaltung bestätigt, dass bis zu sieben Einheiten erlaubt gewesen wären. Möglichen Ärger sah Diethelm auf sich zukommen, weil eine der Wohnungen noch vermietet war. Sehr schade sei das, sagte er, weil hier hochwertiger Tourismus möglich gewesen wäre, der der Region gut täte.

Verkauft hat Sibylle Jargstorf das Haus schließlich an drei Handwerker aus Flensburg, die Wohnungen vermieten wollten. Bereits damals war das Haus in Apartments für ein bis zwei Personen und zwischen 50 bis 76 Quadratmeter groß umgewandelt worden. Die neuen Eigentümer blieben nur kurz - warum, das will der damalige Hauptverhandler öffentlich nicht sagen. Er und seine Partner verkauften das Haus an die Hamburger Dr. Medina Immobilien GmbH. Diese Firma wechselte seitdem zweimal den Eigentümer. Bereits nach dem ersten Wechsel war es zu Versäumnissen in den laufenden Zahlungen gekommen, was Anfang Dezember im Ausfall der Heizung kulminierte (wir berichteten). Dieser und der neuerliche Heizungsausfall sind Zeichen dafür, wie unübersichtlich die gesamte Lage der Menke-Immobilie inzwischen geworden ist.

In der Hamburger Immobilienfirma betreut Sven Pieper das Haus. Er findet die Immobilie aufgrund ihrer Lage haltenswert. Vier Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten seien bereits saniert, eine weitere Wohnung werde es gerade, sagt er, gibt aber auch zu, dass die Entfernung Hamburg-Glücksburg ein Problem darstellt: "Darum habe ich für die Beauftragung von Handwerkern und anstehende Vermietungen eine weitere Immobilienfirma vor Ort engagiert." Ein Sprecher dieser Firma sagte jedoch, dass er den Auftrag wegen "nicht eingehaltener Vereinbarungen" seitens der Hamburger wieder abgegeben habe. Es sieht so aus, als würde genau das eintreffen, was Sibylle Jargstorf verhindern wollte: dass das Firmengebäude ihres Vaters zum Spielball ortsunkundiger Investoren wird.

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