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Live in Flensburg : Gute alte Zeiten und eine Premiere

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rund 300 Zuschauer im Roxy bejubeln Hannes Wendt – und die Schleswiger Band Murphys Law, die zum ersten Mal in Flensburg auftritt

Für die stehen sie auf der Bühne, sagt Hannes Wendt, denn „es ist so geil, wenn es Leute gibt, die aus voller Brust mitsingen.“ Nun lässt sich eine Hymne wie „Emily“ auch flott an einem Abend erlernen – „come back, Emily, and you will see, I will make you happy“. Aber der distinguierte Herr mit Schal und Brille, die jüngere Dunkelhaarige mit Kapuzenjacke oder diejenigen im Publikum, die auf wackligen Hockern im Roxy mitrocken und singen, kannten die Texte schon zuvor und sind gewiss vor allem wegen der guten alten Zeiten hier.

Und wegen Hannes. Er war in Bestzeiten der „Fuckin’ Kius Band“ der Eine der singenden Doppelspitze – neben dem inzwischen verstorbenen Kulle Westphal. Auch seine Rohling Schdons danach waren Kult, das Liedgut beider Bands und die Art, es zu präsentieren, ist bei den Anhängern unvergessen. „Wir haben damals auch so viel Show gemacht“, staunt Hannes selbst. Und ein Fan von früher korrigiert aus der hinteren Reihe: „Du!“

Vielleicht ver- und entkleidet sich der Rampenmann nicht mehr ganz so oft auf der Bühne, aber die eine oder andere „originale Ansage“ wie damals und unbedingt die nördlichen Dankes-Floskeln („Sänk ju piepel!“) schlagen auch heute an.

Als richtiges Revival der Fuckin’ Kius Band war das Konzert am Sonnabend gar nicht gedacht, wohl aber als Wiederbelebung der alten Songs („The Show must go on“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“) und Stimmungen. Rund 300 Menschen wollen das im Roxy miterleben. Den zweiten Gesangspart, den „weiblichen“, wie Wendt ihn nennt, habe netterweise Olli Meurer übernommen. Der singt normalerweise bei „Murphys Law“ aus Schleswig. Die siebenköpfige Band steuert den Musikapparat und starke Stimmen zum Konzert bei. Erstaunlich, dass die Schleswiger zum ersten Mal in Flensburg auftreten, gibt es sie doch schon seit 14 Jahren.

Die Musiker bilden das solide, routinierte Rückgrat für Hannes Spring- und Singinsfeld. Sie bringen eine echte weibliche Stimme mit und eine geschmackvolle Songauslese: Julia Böttcher zeigt unaufgeregte Professionalität bei so unterschiedlichen Songs wie „Love Shack“ von The B-52’s, Stevie Wonders „Superstition“ (schön funky) oder Jule (Julia) Neigels „Schatten an der Wand“. Die Gitarristen Hauke Schulz und Matthias Cordt und Bassist Arne Maltzan ernten Sonderapplaus für kleine und große Soli, Gunnar Walling für markige Klänge vom Keyboard und Mathias Schwarz nicht nur für die charakteristischen Percussions von „Sympathy for the devil“. Zufall oder Einbildung, dass Hannes bei dem Stones-Klassiker mal keine Kopfbedeckung trägt und zwei Haarpartien wie Hörner eines Teufelchens abstehen? Der Sänger, der sich als Neu-Oeverseer bekannte und noch auf ein Willkommensgeschenk des Bürgermeisters wartet, würdigt mit seinen Songs und seiner Körpersprache David Bowie und natürlich Mick Jagger. Und weil das alles so schön war, spielen sie’s nochmal: Murphys Law featuring Hannes Wendt live im Carls-Showpalast in Eckernförde am 3. Februar.

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erstellt am 19.Dez.2016 | 07:21 Uhr

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