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Pläne für Ostufer in Flensburg : Gutachter: Kielseng kommt mit zwei Spuren aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Verkehr nimmt kontinuierlich ab. Die Kosten für eine zwei- oder vierspurige Variante sind fast gleich hoch. Aus Kiel gibt es keine Zuschüsse.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 07:14 Uhr

Flensburg | Die Kostenschätzung des Technischen Betriebszentrums sei „durchaus erschreckend hoch“, warnte der städtische Chefplaner Peter Schroeders schon vor der Präsentation der Gutachter. Und bei den Veranstaltungen mit Bürgern und Betroffenen habe es viel Gegenwind für die Zweispurigkeit gegeben. War’s das schon für die kühne Idee, einen seit Jahrzehnten vierspurigen Straßenzug auf zwei Streifen zurückzubauen?

Schroeders hatte noch mehr schlechte Nachrichten dabei. Eine Förderung durch das Land nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sei nicht möglich, wie die Recherchen beim Land ergeben hätten. Damit müsste die Stadt das Projekt allein stemmen.

Es geht um den Straßenzug Hafendamm, Ballastbrücke, Kielseng bis zur Ziegeleistraße, der durchgehend vierspurig ist. Vor dem Hintergrund der seit über einem Jahr andauernden Tiefbauarbeiten zur Verlegung einer neuen Druckleitung für Abwasser war aus der Politik die Idee in die öffentliche Debatte geworfen worden, bei der Wiederherstellung der Oberfläche nur noch zwei Spuren für die Kfz-Verkehr und den Rest für Fußgänger und Radfahrer sowie Grün- und Parkflächen zu verwenden. Wie berichtet, war ein Sturm der Entrüstung losgebrochen, vor allem aus dem Bereich der betroffenen Hafen-Anlieger. Jetzt haben ein Hamburger Verkehrsplaner und der Flensburger Landschaftsarchitekt Martin Kessler alternative Vorentwürfe für eine Zwei- und die Vierspurigkeit vorgelegt und im Planungsausschuss öffentlich präsentiert.

Wichtigste Kernaussage: Die zweispurige Variante würde für der derzeitigen Verkehr auf dem Straßenzug ausreichen – auch dann, wenn er aufgrund kommender Projekte wie die mögliche Neubebauung der Siloflächen am Ballastkai noch zunimmt. Das zeigte nicht zuletzt eine putzige Simulation, bei der man Autos und Busse, Lkw und Radfahrer nebst zahlreichen Fußgängern auf dem neuen Straßenzug in Bewegung sehen konnte. Es gab keine Staus!

Der Querschnitt zeigt die Unterschiede: Bei Zweispurigkeit hätten Fußgänger und Radfahrer mehr Platz.
Der Querschnitt zeigt die Unterschiede: Bei Zweispurigkeit hätten Fußgänger und Radfahrer mehr Platz. Foto: kessler.krämer Landschaftsarchitekten mit BDC Dorsch Consult
 

Dorsch Consult und Kessler-Krämer haben eine vierspurige Variante entwickelt, bei der vor allem die Kreuzungen neu gestaltet werden, nicht zuletzt mit Mittelinseln, auf denen Bäume gepflanzt und markante Straßenleuchten platziert werden sollen. Die Gutachter bescheinigen dem Ist-Zustand „große gestalterische Defizite“ und „überdimensionierte Kreuzungen mit extrem langen Querungen für Fußgänger“. Das Modell für die Zweispurigkeit sieht breite Rad- und Fußwege auf beiden Seiten vor, eine Vermeidung der Radwegführung über Harnis und einen Grünstreifen im Bereich des langen Abschnitts am Klärwerk; im Bereich Ballastbrücke gäbe es die Möglichkeit, viele neue Stellplätze zu schaffen.

Eine Entscheidung wurde am Dienstag noch nicht gefällt – kein Wunder angesichts der hohen Kosten von über vier Millionen Euro, egal, welche Variante man wählt. Vom Ausschussvorsitzenden Axel Kohrt kam die dringende Bitte, die Kosten für die Wiederherstellung des Status quo zu berechnen; sie dürften bei rund der Hälfte liegen. Angesichts der Kosten und der Haushaltslage der Stadt fasste ein Ausschussmitglied am Rande der Sitzung das Projekt zusammen: „Das war's“.

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