Gut Falkenberg offenbart seinen Schatz

Fasziniert: Armin von Samson-Himmelstjerna vor einer der wertvollen Wandmalereien über dem Kamin  im  Gartensaal.  Foto: kahlen
Fasziniert: Armin von Samson-Himmelstjerna vor einer der wertvollen Wandmalereien über dem Kamin im Gartensaal. Foto: kahlen

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26. August 2010, 06:47 Uhr

lürschau | Im Eingangsbereich, direkt unter einem Fenster, wellen sich in einer Ecke mehrere Schichten Tapete ein Stück weit von der Wand. Aufgeschnitten, bis auf die rohe Mauer. Ganz in der Nähe, wenige Zentimeter über dem Fußboden, ein ähnlicher Anblick: Die Tapete wurde abgetragen, um den Blick freizugeben auf das, was sich darunter verbirgt. Überhaupt entdeckt man überall feine, quadratische Abschabungen. Durch alle Räume des Erdgeschosses im Herrenhaus von Gut Falkenberg in Lürschau ziehen sich diese und ähnliche Spuren über Decken und Wände, wurden Farbschichten von der Wand abgetragen, Löcher gebohrt. Hier wurde nach etwas gesucht. Mittendrin steht Armin von Samson-Himmelstjerna. Er freut sich, dass in seinem Haus hinter die Fassade geschaut wurde. Fasziniert läuft der 40-Jährige von Raum zu Raum, zeigt, wo überall den Malereien nachgespürt wurde. Wertvollen, klassizistischen Malereien, vor über 200 Jahren gefertigt von dem italienischen Künstler Giuseppe Anselmo Pellicia. Inzwischen steht fest: Das Domizil des Rechtsanwalts, seiner Frau Johanna und den drei kleinen Kindern birgt damit einen wahren Schatz. Dr. Michael Paarmann, Konservator des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, bezeichnet die Wandmalereien gar als einen "für die Kunstgeschichte fast sensationellen Fund".

Vor einem Monat suchten zwei Restauratorinnen Gut Falkenberg auf, gingen den Malereien fast zwei Wochen lang intensiv auf die Spur. "In jedem Raum wurden kleine Proben genommen", sagt Armin von Samson-Himmelstjerna. In zwei der acht Räume im Erdgeschoss wurden die Restauratorinnen fündig. Bislang wurden im Gartensaal einige wenige Figuren-Malereien freigelegt - doch die Wände des Raumes sind förmlich übersäht mit Männergestalten, die den Betrachter regungslos anschauen. Nur versteckt sich ein Großteil noch hinter der Tapete. Im selben Raum kommt in Wadenhöhe ein kleiner Löwenkopf zum Vorschein. Über dem Kamin fällt der Blick auf eine Frau, die einer männlichen Steinbüste einen Blumenkranz umhängt. Auch im neben dem Gartensaal gelegenen Kabinett gibt es mehrere Motive. Armin von Samson-Himmelstjerna ist sichtbar fasziniert von den Szenen aus der griechischen Mythologie, bezeichnet die Wandmalereien augenzwinkernd als "diebstahlsichere Ölkunst auf Putz".

Überrascht haben ihn die Entdeckungen jedoch nicht. "Falkenberg ist durch sehr viele Hände gegangen", weiß Armin von Samson-Himmelstjerna, der erst vor zwei Wochen in das Herrenhaus eingezogen ist. Seit 1958 ist es in Besitz seiner Familie. "Ich bin hier aufgewachsen. Es gab also nie die Frage, ob, sondern nur wann ich hier einmal wohnen werde." Dass das Haus wertvolle Wandmalereien birgt, die der Maler Pellicia anfertigte, als das Haus im Jahre 1803 für den dänischen Generalmajor Heinrich von Reventlow gebaut wurde, war Armin von Samson-Himmelstjerna bekannt, denn die Malereien wurden erstmals wiederentdeckt, als das Haus Mitte der 70er Jahre zum Schauplatz der Verfilmung des Theodor-Fontane-Romans "Der Stechlin" wurde. Armin von Samson-Himmelstjerna war damals vier Jahre alt. Im Gegenzug dafür, dass seine Eltern ihr Haus für die Dreharbeiten des Fernseh-Dreiteilers zur Verfügung stellten, wurde es vom NDR saniert - und die wertvollen Malereien kamen ans Tageslicht. Doch schon bald verschwanden die Kostbarkeiten wieder unter Tapeten, gerieten wieder in Vergessenheit. Armin von Samson-Himmelstjerna zog es eines Tages fort aus Lürschau, 21 Jahre lang. Zuletzt lebte er mit seiner Familie in einer Wohnung in München. Nun, neun Jahre nach dem Tod seines Vaters, kehrte er jedoch als neuer Eigentümer des Herrenhauses in seine Heimat zurück. Seine Mutter zog erst kürzlich aus dem Haupthaus aus, wohnt nun im Altenteil.

Abgeschlossen ist der Umzug von Armin von Samson-Himmelstjerna noch nicht. Es gibt noch viel zu tun - und vor allem: Mit den wiederentdeckten Wandmalereien muss etwas geschehen. Für den Rechtsanwalt stand mit dem Zeitpunkt, als Gut Falkenberg in seinen Besitz überging, fest, dass er das Landesamt für Denkmalpflege zu Rate ziehen wird. "Für mich ist es selbstverständlich, denn ganz Falkenberg steht unter Denkmalschutz. Ich würde einen Teufel tun und das hier alles auseinander reißen", sagt er. Dies wäre allein wegen der schönen Atmosphäre "einfach traurig". Er und seine Frau hätten eine hohe Sensibilität für derartige Überbleibsel aus der Vergangenheit. "Es ist toll, wie gut die Farbe der Wandmalereien noch erhalten ist", schwärmt er. Die Instandsetzung des Herrenhauses an sich betrachtet er als "Lebensaufgabe". "Meine Frau und ich wollen das Haus nach und nach sanieren, haben mit einem Architekten einen Plan gemacht, an dem wir die nächsten 30 Jahre festhalten wollen - und haben das alles genau mit dem Amt für Denkmalpflege besprochen." Denn: "Wir möchten hier nichts kaputtmachen. Ich traue mich kaum, einen Nagel in die Wand zu schlagen."

Nun gebe es drei Möglichkeiten: Die Malereien werden komplett freigelegt und nachgearbeitet, alles wird "einfach wieder zugemacht" oder aber alles verbleibt im jetzigen Zustand. "Sichtbar ist mir auf jeden Fall lieber. Mein Favorit wäre eine Vollretusche", sagt der Rechtsanwalt. "Wir wissen nun ziemlich genau, was hier alles ist, und das Amt für Denkmalpflege bestimmt, was erhaltenswert ist." Was die Zukunft der Malereien anbelangt, sei vor allem der finanzielle Aufwand entscheidend: "Eine Herausforderung ist für mich vor allem die Liquidität", so der Gutsbesitzer. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege habe er sich geeinigt, im Herbst zu besprechen, wie weiter vorgegangen werden soll. "Erstmal bleibt alles so, wie es gerade ist. Ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil: Meine Frau und ich finden es richtig schön."

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