Maasholm : Gut ausgestattet für den Notfall

Motorschaden: Das Segelboot „Lotte muss „längsseits“ genommen werden, damit es heil in den Hafen von Maasholm kommt. Manuel Wald (r.) spricht mit den Seglern Matthias Harms (li.) und Steffen Ottsen. Fotos: Smit
Motorschaden: Das Segelboot „Lotte muss „längsseits“ genommen werden, damit es heil in den Hafen von Maasholm kommt. Manuel Wald (r.) spricht mit den Seglern Matthias Harms (li.) und Steffen Ottsen. Fotos: Smit

Das neue Seenotrettungsboot „Hellmut Manthey“ der Freiwilligenstation in Maasholm ist schnell zur Stelle, wenn es eng wird.

shz.de von
28. Juli 2018, 12:30 Uhr

Maasholm | Der Hilferuf kommt über Funk: Ein Segler hat sich festgefahren. Er steckt kurz vor Maasholm im Sand und kommt nicht vor und nicht zurück. Die Besatzung des Freiwilligenseenotrettungsbootes „Hellmut Manthey“ meldet sich bei der Leitzentrale der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen: „Vier Mann zum Einsatz Technische Hilfeleistung“, sagt Sebastian Petersen (25) ins Funkgerät. Und los geht es – die beiden 200-PS-Motoren brummen, die Bugwelle ist eindrucksvoll, als es Richtung „Lotta“ geht. Bis zu 38 Knoten – das sind etwa 70 Kilometer pro Stunde – schafft dieses Boot, das seit Mitte März zu Maasholm gehört.

„Wir gehen Backbord ran, Fender klar machen“, ruft Petersen. Tobias Lassen (18) und Manuel Wald (31) reagieren sofort und setzen die Helme mit integriertem Funkgerät auf. Heute ist die See still, im Sturm kann das wichtig werden. Lassen spricht die Segler an: „Sie brauchen Hilfe? Ich mach’ die Schleppleine klar.“ Ein Zettel wird den Havaristen rübergereicht – eine Haftverzichtserklärung. „Falls beim Rausziehen jetzt ein Schaden entsteht, übernehmen wir keine Haftung“, erklärt Lassen. Dann wird die Schleppleine hinüber geworfen. „Jetzt das Ruder mittschiffs halten, bitte“ – damit der Segler beim Schleppen nicht beginnt im Kreis zu fahren. Petersen fährt die Motoren hoch und achtet darauf, ob der Havarist sich bewegt. Alles gut gegangen. Die „Lotta“ ist wieder frei.

„So sehen viele unserer Einsätze aus“, sagt Steffen Ottsen (28). „Die Schlei ist neben dem Fahrwasser sehr flach. Wenn die Bootsführer abkürzen wollen oder beim Segeln schräg liegen, kann das passieren.“ Ottsen ist Vormann der Freiwilligenstation in Maasholm. 14 Seenotretter machen hier ehrenamtlich Dienst. Viele von ihnen kommen aus Maasholm und erzählen, sie seien in den Dienst „reingewachsen“, wie Manuel Wald, Bruno Meyer (55) und Julius Sörensen (17): „Mein Vater, Opa und Uropa waren auch schon dabei!“

Der Einsatz an der festgefahrenen „Lotta“ war nur eine Übung. Das Boot gehört Seenotretter Matthias Harms (32), einem der beiden hauptberuflich ausgebildeten Notfallsanitäter im Team von Ottsen. Zweimal die Woche fahren die Seenotretter zur Übung raus. In diesem Einsatz wird noch ein Motorschaden simuliert, das Boot „längsseits“ genommen und sicher in den Maasholmer Hafen geleitet. Die beiden fingierten „Segler“ bedanken sich höflich. „Was kostet das jetzt?“ Lassen klärt auf: „Eine Stunde 200 Euro, aber mehr als zwei Stunden werden auch nicht berechnet.“ Bruno Meyer, der vierte Mann an Bord, erklärt: „Da ist es auch egal, welches Rettungsboot kommt – das ganz kleine oder das ganz große. Der Preis bleibt gleich – und deckt nie die Unkosten.“

Wenn die Crew aber zu einem medizinischen Einsatz, einem lebensbedrohlichen Notfall, gerufen wird, lassen sie die Havaristen mit Motorschaden, Leine in der Schraube oder Ruder im Sand warten. So ein Einsatz kostet dann nichts. „Eigentlich ist Search and Rescue, kurz SAR, unser Auftrag – die Menschenrettung im maritimen Bereich“, erklärt der Vormann. Und das kleine kraftvolle Boot ist genau dafür ausgerüstet: Rettungsrucksack, Tragen, Sauerstoff für die Reanimation. „Es hat fast alles, was ein Rettungswagen auch hat.“ Und alle 14 Mann sind als Ersthelfer ausgebildet. Das wird regelmäßig aufgefrischt. Wenn der Ernstfall eintritt, kommt aber meist noch ein Notarzt dazu.

Jeder von ihnen hat schon dramatische Einsätze erlebt. Manche finden einen guten Ausgang, wie der, als ein Fischer gekentert war. „Wir waren gerade draußen, weil wir eine Übung hatten“, erinnert Meyer sich. „Es war Februar, wenn wir nicht zufällig draußen gewesen wären, wäre die Hilfe zu spät gekommen“, sagt Meyer. Andere Geschichten haben nicht so ein gutes Ende. „Manchmal findet man vermisste Personen eben erst Tage später.“

Mit der „Hellmut Manthey“ hatten die 14 Freiwilligen bisher noch keinen Noteinsatz – nur zur Hilfeleistung und zum Üben sind sie regelmäßig draußen. Aber Einstellung und Ausstattung stimmen – sie sind in jedem Fall für Einsätze aller Art bestens gerüstet.

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