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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 18:10 Uhr

Grundstein für eine gesellige WG

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Studentenwerk baut Wohnheim mit 115 neuen Apartments mit Gemeinschaftsküchen als Treffpunkt / Vollendung im Februar 2017

Wer ab Februar 2017 hier einzieht und dennoch zu spät zum Seminar kommt, der muss sein Zeitgefühl nochmal überdenken. In zehn Monaten soll das neue Studentenwohnheim mit 115 Apartments stehen, und zwar nur einen Katzensprung vom Uni-Hauptgebäude entfernt.

Wissenschaftsministerin Kristin Alheit wusste gestern bei der Grundsteinlegung auf dem Campus, dass am selben Tag auch noch „die Wände kommen“. Dass es bis zum Einzug der ersten Studenten dennoch solange dauert, erklärt Architekt Carsten Blad damit, dass der Aufwand für die Haustechnik sehr hoch sei. Bis die fünf Geschosse hochgezogen sind, würden drei Monate vergehen, sagt er. Auf zwölf Wohneinheiten – stets mit eigener „Nasszelle“ von 2,5 Quadratmetern, insgesamt 15,5 Quadratmeter – kommen eine Gemeinschaftsküche sowie ein Aufenthaltsraum. Die Verblendung werde modern und dunkel sein, erklärt Carsten Blad. Statt eines wartungsintensiven Wärmedämmverbundsystems werde dabei „klassisch wie früher in der Region“ mit Vormauerziegeln gearbeitet, betont der Architekt aus Steinfeld, zwischen Schleswig und Kappeln.

Ministerin Alheit würde gern schneller vorankommen, lobt das Vorhaben aber trotzdem als „Meilenstein“. Dreieinhalb Jahre lang sei das Wohnheim geplant worden, sagt Susann Schrader vom Studentenwerk, dem Bauherrn, mit bedauerndem Blick. Sie nennt die Infrastruktur als einen der Stolpersteine auf dem langen Weg. Und auf die erste Ausschreibung der Gewerke habe sich erst einmal niemand gemeldet, so dass die Ausschreibung wiederholt werden musste. „Weil die Konjunktur zu gut ist“, begründet Schrader.

Gerade in Flensburg sei das Verhältnis von eingeschriebenen Studenten zu Wohnheimplätzen „besonders ungünstig“, weiß Kristin Alheit. Die Stadt sei in dieser Hinsicht Schlusslicht im Land, präzisiert Astrid Dürkoop, Abteilungsleiterin beim Studentenwerk, und nennt Zahlen: Während die Relation Studenten zu Plätzen im Bundesdurchschnitt zwischen 10 und 12 Prozent liege und in Schleswig-Holstein zwischen 6,5 und 7 Prozent, betrage sie in Flensburg nur 5 Prozent. Kristin Alheit kann nur vermuten, dass in Flensburg Wohnheimplätze wahrscheinlich nicht so notwendig seien wie anderswo, weil die Studenten in der Stadt unterkommen.

Mit Blick auf die Ausrichtung als Europa-Uni und die vielen internationalen Studierenden aber will die neue Heimat für 115 junge Menschen besonders zeitgemäß sein und den Bedürfnissen von heute entsprechen. Wissenschaftsministerin Alheit, die selbst wohnheimerfahren ist und die Erfahrung im Rückblick als „toll“ empfindet, bringt als Beispiel die Küche als einen Ort, an dem man zu seinen Kommilitonen „über den eigenen Fachbereich hinaus“ und „auf anderer Ebene Kontakt aufnehmen“ könne. Dem trägt der Charakter des künftigen Hauses Rechnung, indem es als große Wohngemeinschaft angelegt ist.

Die günstige Miete sei eine Pauschalmiete, die Strom und vor allem das essenzielle Internet beinhalte, erläutert Astrid Dürkoop. Die maximale Warmmiete betrage 280 Euro und sei möglich durch höchste Energiesparstandards und damit niedrige Betriebskosten.

Das Bauvorhaben auf dem 3000 Quadratmeter großen Grund (Wohnfläche 2500 Quadratmeter) mit Gesamtkosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro hat der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) gelobt. Allerdings mit Einschränkungen: Der Vorsitzende Paul Weber sieht „gerade in Sachen Verkehrs- und Wegesicherheit sowie Aufenthaltsqualität auf dem Campus noch weitere Potenziale zur Verbesserung“. Katja Lettmann, die Gleichstellungsreferentin des Gremiums, ergänzt Handlungsbedarf mit Blick auf die Wohnraumsituation für Studierende mit Kinder und für Studenten mit Beeinträchtigungen. In Campusnähe gebe es „keine dauerhaften und bezahlbaren“ Angebote für die steigende Zahl dieser Studenten.

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