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Glücksburg : Grundschüler interviewen Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Glücksburger Grundschüler haben ein halbes Jahr mit Flüchtlingen zusammengearbeitet. Sie erklären, was sie daraus gelernt haben.

Die erste Überraschung bot der Schulhof. Ein meterlanges Absperrband engte Eltern und Schüler ein. Baumaßnahmen während der Schulzeit – so kurz vor den Ferien? Mitnichten. Das Band war Teil einer Demonstration. Die Umwege-AG von Lehrerin Antje Smorra hatte eingeladen, um ihre Ergebnisse zu präsentieren. Dazu gehörte, dass sich die Besucher wie Flüchtlinge fühlen sollten, eingepfercht hinter Absperrungen, gegängelt durch Zäune und undeutliche Ansagen.

Ein halbes Jahr hat die AG mit Flüchtlingen zusammengearbeitet, die an der Volkshochschule Deutschkurse besuchten. Man ist im selben Gebäude untergebracht, so kam die Idee zustande. Schüler der dritten und vierten Klassen taten sich zusammen und interviewten die Flüchtlinge. Haja, Genevieve und Mina unterhielten sich mit Mahdi Nabizade (24) aus Afghanistan. „Am Anfang haben wir uns kaum verständigen können“, erzählte Mina. „Doch dann bekamen wir raus, dass er 70 Tage unterwegs nach Deutschland war und dass er Fotograf ist. Er ist sehr nett und höflich.“ Die Mädchen übten einen Tanz ein nach der Musik „Ich brauch ’n Wunder“ aus „Bibi & Tina“.

Leon, Nils, Tom und Gian-Luca spielten mit Jamal Hameed (33) am liebsten Fußball. Doch fanden sie auch heraus, dass Hameed zu Fuß aus dem Irak über die Türkei nach Deutschland gekommen war. Zur Präsentation brachte der 33-Jährige seinen Sohn Jousef mit. Er ist zehn Jahre alt, genau wie die Interview-Partner seines Vaters, und geht in Munkbrarup zur Schule. Sein Deutsch ist akzentfrei.

In den Fluren und im Treppenhaus gab es Installationen und Präsentationen zum Thema Krieg, auf der Bühne kurze Theaterszenen über Flucht und Fremdheitsgefühle. Der Flensburger Fotograf Tilman Köneke begleitete die AG. Es gab Zuschüsse von der privaten Stiftung Mercator.

Mina bedauerte es, dass sie Mahdi Nabizade nun nicht mehr regelmäßig sehen wird. Die Deutschkurse enden mit den Sommerferien. Im September soll es laut VHS-Leiterin Dagmar Kuhlmann weitergehen. Aber ob Glücksburg die Mindestzahl von 15 Teilnehmern zusammenbekommt, ist ungewiss. „Es kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge“, so Kuhlmann.

Die deutsch-dänische Koch-AG hatte unterdessen Smørrebrød für die Gäste zubereitet. Eingekauft wurde mit dem Spendengeld vom Erbsensuppenverkauf der Bundeswehr.


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