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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 10:52 Uhr

Handewitt : Grünes Licht für Umspannwerk

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Hüllerup entsteht auf 14 Hektar die größte Anlage Schleswig-Holsteins.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 15:05 Uhr

Handewitt | Gleich nach den Sommerferien soll es losgehen: Dann lässt die deutsche Tochter des niederländischen Netzbetreibers „Tennet“ westlich von Hüllerup binnen drei Jahren das größte Umspannwerk Schleswig-Holsteins errichten. Transformatoren, Schaltfelder, Sammelschienen und 20 Meter hohe Metallgerüste („Portal“) werden danach eine 14 Hektar große Fläche prägen. Im September werden zunächst die Zufahrt zur Baustelle und ein Platz für Baucontainer und Material entstehen. Ab Oktober startet das Projekt, das Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe vorsieht.

Nach einer Infoveranstaltung für die Bevölkerung im Dezember 2015 lud die
Tennet nun auf Wunsch der Gemeinde zu einer zweiten ein. Im Feuerwehrgerätehaus Haurup gab es fünf Stunden lang ein Kommen und Gehen, das Interesse war rege, aber angesichts der Größe des Vorhabens vor der eigenen Haustür gab es keine Begeisterung. „Diese Infrastruktur ist nun einmal notwendig, um die erzeugte Windenergie in den Süden zu kriegen“, sagte Gerhard Beirer, Vorsitzender des Handewitter Wirtschaftsausschusses. Das Umspannwerk sei ein unverzichtbarer Knotenpunkt auf der 380-Kilovolt-Trasse von Hamburg nach Dänemark („Mittelachse“).

Für dieses „privilegierte Vorhaben im Außenbereich“ lief das Planfeststellungsverfahren auf Landesebene. Die Gemeinde bemühte sich mit einigen Forderungen, die Beeinträchtigungen für die Lebensqualität der Bevölkerung in Grenzen zu halten. So soll beim Betrieb des Umspannwerks auf eine Beleuchtung verzichtet werden. Lediglich während der Bauphase gibt es ein grünes Licht – für eine Überwachungskamera. Die Baustoffe und Fertigteile sollen nur auf dem direkten Weg über die Bundesstraße 200, Haurup und Hüllerup geliefert werden.

Wichtig war der Kommune eine „optische Kaschierung“: Im Nordosten des Areals – also im „Blickfenster“ des Loftlunder Wegs – soll ein 2,5 Meter hoher Wall angelegt werden, der mit Laubbäumen bepflanzt werden soll. Die Eichen, Ahorne und Hainbuchen sind bereits drei Meter groß, um größere Teile der etwa 20 Meter hohen Portale zu verdecken. „Hoffentlich entsteht so schnell eine grüne Wand“, sagte Thomas Rasmussen.

Der Bürgermeister bilanzierte zufrieden: „Unsere Wünsche wurden von der Tennet fast komplett erfüllt, nur einer nicht ganz.“ Die naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme für den Flächenverbrauch hätte er gerne direkt in Hüllerup gesehen. Der Netzbetreiber kaufte sich stattdessen 6,4 Hektar eines Ökokontos im Handewitter Wald.

Ursprünglich wollte die Tennet schon 2016 mit dem Bau des Umspannwerks beginnen. Die SH Netz AG stieg jedoch überraschend aus. Dadurch wurden einige technische Änderungen erforderlich. Nun sorgt die bis zum Ende der Sommerferien laufende Sanierung der Kreisstraße von Hüllerup nach Großenwiehe für eine unliebsame Begleiterscheinung. „Wir waren auf den Landesbetrieb für Straßenbau zugegangen, um eine Verschiebung zu erreichen“, berichtete Tennet-Projektleiter Matthias Schube. „Angeblich war das nicht möglich, weil die Finanzierung an 2017 gebunden ist.“ Nun soll sein Unternehmen für mögliche Schäden am frischen Straßenkörper aufkommen, die aus dem anstehenden Bauverkehr resultieren. „Aber es fahren auch Trecker und schwere Laster anderer Firmen auf dieser Straße“, gab Tennet-Bürgerreferent Peter Hilffert zu bedenken.

Mehr oder weniger parallel zum Umspannwerk entsteht eine 380-Kilovolt-Trasse von Schacht-Audorf bis Hüllerup. Für den weiteren Verlauf nach Dänemark werden derzeit noch die Planungsunterlagen erarbeitet. Zwei Korridore stehen zur Auswahl – entweder über Jardelund oder über Handewitt. Noch in diesem Jahr fällt die Entscheidung. Dann soll die nächste Info-Veranstaltung mit der Tennet stattfinden.

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