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Jäten und Säen in Flensburg : Grünes Gärtnern ohne Gift

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Initiative will Gartenfreunde vernetzen und informiert bei Auftakttreffen am Mittwoch über naturnahes und schonendes Pflanzen und Pflügen.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 05:48 Uhr

Ein Winter wie dieser in Spanien und Italien beeinflusst den Speiseplan der Menschen in Deutschland. Regen, Schnee und Frost haben in Süd- und Südwesteuropa die Ernte vermindert. Gemüsesorten von Artischocken bis Zucchini kosten im Supermarkt deshalb deutlich mehr als die Deutschen gewohnt sind.

Beinahe zwei Drittel des in Deutschland konsumierten Gemüses werden importiert: Dieser Abhängigkeit, dem Verlust der „Ernährungssouveränität“ tritt zum Beispiel einer wie Hendrik Henk mit seinem Gärtnerhof Wanderup entgegen, damit „man selbst bestimmen kann, was auf dem Teller landet“. Nach dem Prinzip der solidarischen (oder gemeinschaftsgetragenen) Landwirtschaft tragen zur Zeit rund 70 Personen mit ihren Beiträgen die Gärtnerei und bekommen Anteile der Ernte. Hier gedeiht kein Hochglanzgemüse, „bei uns werden auch die krummen Möhren oder die kleinen Kartoffeln vermarktet“, ergänzt Gärtnerin Ute Rettmann.

Der 33-jährige Gemüsegärtner Henk gehört wie Rettmann zu einer Initiative, die beobachtet „Gärtnern ist in“ und Interessierte am Mittwoch zu einer Auftaktveranstaltung im Brasseriehof (Kulturhof) versammeln möchte. Weitere treibende Kräfte für dieses erste Treffen sind Marianne Chmielewicz und Ulrike Müller-Loko, die sich seit 2015 im Brasseriehof engagiert.

Bei einem Stammtisch im Dezember sei „Grünzeug“ thematisiert worden, erinnert sich die 49-jährige Chmielewicz, „mein Thema“, fügt sie etwa mit Blick auf die Staudenbörse hinzu, die sie regelmäßig organisiert. Die Mitdenker seien auf ein „giftfreies Flensburg“ gekommen, haben sich gefragt, wen es betrifft und wie man es angeht. Abhängig davon, wie das Treffen morgen unter der Überschrift „Giftfreies Flensburg – Risikofreies Gärtnern im Privatgarten“ bei den Gästen ankommt, solle ein Zyklus daraus werden, sagt die quirlige Management-Assistentin Chmielewicz. Mit dem Brasseriehof des Vereins Kulturhof in der Innenstadtwar der beste Ort dafür schnell auserkoren. „Da, wo sowieso der Bär steppt“, so formuliert es Chmielewicz und nennt die „Agrikultur“ als passende Spielart.

Im ersten Teil einer Reihe, die da kommen mag, will Hendrik Henk in einem kurzen Vortrag Grundlagen legen, wie man Gemüse oder Kräuter aussät oder pflanzt, welche Werkzeuge sich wofür eignen und welche Bezugsquellen für Saatgut oder Pflanzen zu empfehlen sind. Außerdem wird der Flensburger Alternativen aufzeigen zu Fungiziden, Pestiziden und was sonst noch an giftigen Mitteln in Schrebergärten landet. „Ich finde schon lange komisch, dass wir mit Gift an unsere Nahrungsmittel gehen“, staunt seine Kollegin Ute Rettmann. „Mit Gift kann jeder, aber ohne, da gehört mehr dazu.“ Die 51-jährige Nordfriesin ist seit Jahrzehnten Gärtnerin und hat sich aus der Kindheit auf dem Bauernhof ihre Erdverbundenheit bewahrt. Ihr anderer Beruf als Massagetherapeutin harmoniere damit, schließlich strebt sie an, neben dem äußeren auch „den inneren Garten zum Blühen zu bringen“. Rettmann kann Tipps zum Thema Saatgut geben und bei Gelegenheit auch auf „Beikräuter“ eingehen, die mancher lieber Unkräuter nennt. „Der Blick darf sich ändern“, findet sie.

Kochen mit „Unkraut“, Kräutermarkt, Hochbeete zimmern, Kompost und Jauchen anlegen, Mischkulturen, grüne Dächer, Ostermarkt und Bienen im Garten: Die Liste der Ideen für folgende Aktionen ist ellenlang. Nur weil sie einen Gärtner in anderer Sache angerufen habe, sei sie jetzt „bienenvernetzt“, sagt Marianne Chmielewicz und ist gespannt, wie Flensburg vor der Vegetationsperiode darauf anspringe. „Wir vernetzen jetzt alles“, kündigt sie voller Tatendrang an.

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