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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 06:23 Uhr

Grünes Flensburg schwarz auf weiß

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Naturschutzbeirat hat mit Unterstützung des Verschönerungsvereins 25 Jahre alte Broschüre über Naturvorranggebiete auf neuesten Stand gebracht

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2016 | 08:06 Uhr

Fast 90 Seiten, jede Menge Tabellen randvoll mit Informationen, eine detaillierte Karte zum Ausklappen und ein Foto auf dem Titel: Die neue Broschüre über „Naturvorranggebiete in Flensburg“ ist kein leichter, aber spannender Stoff. Wie viele Flensburger mögen wohl die „stadtökologische Zelle Marienallee / Ochsenmarkt“ kennen? Dieses Stadtbiotop auf dem ehemaligen Gelände der Stadtgärtnerei ist zwar nur zum Teil zugänglich und aus Sicht der Autoren auch kaum mehr relevant für ein Naturvorrangflächenkozept. Dennoch empfehlen sie, die Restflächen zu erhalten und weisen auf die Bedeutung der Brache für spielende Kinder hin. Konfliktträchtiger hingegen ist die Einordnung des Landschaftsparks „Twedter Mark mit Cäcilienschlucht“. Die Cäcilienschlucht – „tiefe bewaldete Einschnitte mit kleinen Wasserläufen“ – sei von besonderem ökologischen Wert wie auch das Grünland der Twedter Mark und die bewaldeten Steilhänge. Unter anderem wegen der Gefahr von Hangrutschen legen die Autoren den Städteplanern ans Herz, keine weiteren Bauvorhaben „hangseits der Straße Strandfrieden“ zu genehmigen.

Das sind nur zwei Beispiele der 61 Gebiete, die im Handbuch im Detail beschrieben sind – mit Wertstufe, Entwicklung der letzten 25 Jahre, naturschutzfachlicher Bewertung, Verbundfunktion, empfohlenen Maßnahmen, Konflikten und Aussagen zur städtebaulichen Entwicklung. Der Verschönerungsverein hat 100 Exemplare drucken lassen und eine dreistellige Summe investiert, sagt der Vereinsvorsitzende Fritz Schreiber. Verfasser des Hefts ist der Beirat für Naturschutz der Stadt Flensburg. Den Vorsitz hat seit 2011 Jürgen Uwe Maßheimer. Der Landschaftsarchitekt arbeitet seit elf Jahren bei den Mürwiker Werkstätten. Maßheimer schätzt die Zeit für die Erstellung der Handreichung auf beinahe zwei Jahre. Ortstermine waren notwendig, zudem zeichnerische und redaktionelle Arbeit – das alles ehrenamtlich.

Der Naturschutzbeirat hat allerdings nicht bei Null angefangen, sondern eine Ausarbeitung gleichen Namens aus dem Jahr 1991 als Grundlage herangezogen und jedes Kapitel völlig überarbeitet. Herausgekommen ist eine „fachliche Kurzinformation für alle, die planen, und für alle Kritiker, um abwägen zu können“, fasst Cordelia Feuerhake zusammen. Durch die vermehrten Bauvorhaben seien immer wieder Fragen aufgetaucht, die „fachlich fundierte Stellungnahmen zu einzelnen Naturflächen“ erforderten, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Verschönerungsvereins den Bedarf.

Seit 1991 habe sich ein Dilemma verschärft, sagt Uwe Maßheimer: Flensburg fallen auf einem vergleichsweise kleinen Stadtgebiet viele Aufgaben als Oberzentrum zu. Dies ist aus Sicht des Naturschutzbeauftragten „nur lösbar durch eine Stadt- und Umland-Kooperation“.

Als eines der Kernthemen nennt Maßheimer den Flächenverlust durch Neubaugebiete und Osttangente. Ein Blick auf die Karte in der Broschüre verdeutlicht den Schwerpunkt dieser Entwicklung im Osten. Vieles sei zwar im Scherrebektal zum Beispiel ausgeglichen worden. Im Heft ist gar von einem „Meilenstein“ die Rede mit dem Ankauf landwirtschaftlicher Flächen im Umfang von 40 Hektar. „Das ist gut, aber ’nur’ eine Aufwertung, weil die Fläche vorher schon grün war.“

Damals sei großer Wert auf „Frischluftschneisen“ gelegt worden, die sich sternenförmig in die Täler der Stadt erstreckten, erinnert sich Fritz Schreiber. Bestimmte Achsen sollten dauerhaft grün bleiben, dafür plädiert Maßheimer und beobachtet, dass es ab und zu bei der Umsetzung an Mut fehle. Als Fehler bewertet er den Bau Klarschiff, darunter befinde sich der verrohrte Lautrupsbach. Auch die geplante Bebauung im Bahnhofstal betrachtet der Naturschutz-Experte als „bauliche Entwicklung am falschen Ort“.

Nichtsdestotrotz liefert das Heft „keine rechtsverbindliche Planungskategorie“, doch der Beirat rät damals wie heute dringend zu r „freiwilligen Eigenbindung der kommunalen Entscheidungsträger“.

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