Kandidat Clemens Schmidt : Grüne wollen Flensburger Stadtpräsidenten-Amt

Clemens Schmidt (Grüne)
1 von 3
Clemens Schmidt (Grüne)

Nach der Kommunalwahl gestärkte Fraktion schickt 28-jährigen Ratsneuling ins Rennen gegen CDU-Mann Hannes Fuhrig

Carlo Jolly. von
16. Mai 2018, 06:53 Uhr

Die Wahlsieger machen ernst: Die von fünf auf acht Mitglieder gewachsene Grünen-Fraktion hat ihren Kandidaten für das Stadtpräsidenten-Amt benannt. Der Flensburger Student, Politologe und Ratsneuling Clemens Schmidt (28) wäre Flensburgs jüngster Stadtpräsident aller Zeiten.

„Wir haben einen Kandidaten aufgestellt, der stellvertretend für eine junge und bunte Stadt steht“, findet Grünen-Fraktionschefin Ellen Kittel-Wegner. Flensburg habe sich verändert, heute leben hier 10 000 Studenten und Menschen mit 140 Nationalitäten. „Clemens Schmidt hat als neues Ratsmitglied einen anderen, frischen Blick auf die Herausforderungen in der Stadt.“

Ob er am 14. Juni in der neuen Ratsversammlung eine Chance hat? Schwer zu sagen. Ungeschriebenes Gesetz ist, dass die stimmenstärkste Fraktion, mit gut 19 Prozent die CDU, das Vorschlagsrecht hat. „Das, was den Flensburgern jetzt an Parteigekungel oder gar Kampfabstimmungen droht, dürfte im Ergebnis allerhöchstens ’Ratsvorsitzender’ heißen, aber nicht mehr alle Menschen in Flensburg repräsentierender ’Stadtpräsident’“, findet deshalb auch Karsten Kuhls, Ratsherr von „Flensburg Wählen“.

Die CDU-Fraktion besteht auf ihrem Vorschlag. „Hannes Fuhrig ist ein würdiger und kompetenter Kandidat mit Charisma und viel Lebens- und Berufserfahrung“, sagt CDU-Chef

Arne Rüstemeier

. Bisher sei es guter parlamentarischer Brauch gewesen, dass das Vorschlagsrecht für die Nominierung bei der stärksten Fraktion liegt. Hannes Fuhrig habe bereits Kontakt zu SPD und SSW aufgenommen und möchte bis 14. Juni mit allen Fraktionen reden.

Wenn mehrere gleich große Fraktionen vorschlagsberechtigt sind, „gilt es die Persönlichkeit zu finden, die das Amt so ausfüllt, dass das Wohl der Stadt im Vordergrund steht“, sagt SPD-Mann Helmut Trost. Seine Kriterien: Intensive Kenntnisse der Strukturen und Entscheidungsprozesse im Rathaus, Bodenhaftung und eine wirkliche Verankerung in der Stadt. Trost landet da bei: SPD-Vize-Stadtpräsidentin Inge Krämer. Weil sich in ihrer Person Kompetenz, Erfahrung und Persönlichkeit verbinde. „Sie ist offen, ehrlich und direkt – man kann ihren Worten vertrauen“, bekräftigt Trost.

„Demokratie ist nicht immer einfach“, findet Gabi Ritte (Linke). In der Gemeindeordnung sei ausdrücklich geregelt, dass die Fraktion mit den meisten Sitzen das Vorschlagsrecht hat: „Dieses Recht beanspruchen jetzt nach CDU und SDP auch die Grünen. Nun haben wir vier gleichstarke Fraktionen und inzwischen drei Kandidaten. Mit Spannung erwarten wir also den Vorschlag des SSW.“

Diesen Gefallen tut ihr Susanne Schäfer-Quäck (SSW) nicht. Sie findet es „nachvollziehbar, dass die Fraktion, die als einzige unter den vier großen Fraktionen Stimmen zugewonnen hat, die Muskeln spielen lässt.“ Trotzdem hält sie es für einen schlechten Start in die neue Wahlperiode.“ Mit großer Sorge beobachte sie, wie das Amt des Stadtpräsidenten beschädigt werde.

Der junge Grüne Schmidt indes will sich um die große Gruppe der Nichtwähler kümmern: „Ich möchte als Stadtpräsident gezielt dort wirken, wo die Menschen nur wenige Verbindungen zur Kommunalpolitik haben.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen