Freie Fahrt für Feuerwehr Flensburg : Grüne Welle für die Roten

Achtung, Einsatzfahrt: Wenn’s brennt, soll die Feuerwehr ab Herbst immer freie Bahn haben.
Achtung, Einsatzfahrt: Wenn’s brennt, soll die Feuerwehr ab Herbst immer freie Bahn haben.

Berufsfeuerwehr muss noch schneller werden: Neuartiges System soll Einsatzfahrten beschleunigen und Risiken mindern

shz.de von
27. Januar 2018, 06:53 Uhr

Die Berufsfeuerwehr soll künftig auf einer eigenen „Grünen Welle“ fahren. Das bestätigte jetzt auf Anfrage Flensburgs Feuerwehrchef Carsten Herzog. Damit zieht Flensburg mit Wedel im Kreis Pinneberg nach. Die Rolandstadt an der Elbe hat das System des Entwicklers Siemens schon im Einsatz. Als erste Wehr im Land kommen die Wedeler Löschfahrzeuge auf dem Weg zum Einsatz immer bei Grün schneller durch. Flensburg will im Herbst folgen.

Das ist der Diskussion um die neue Feuerwache geschuldet. Bei der Planung geht es auch darum, die gesetzlich vorgeschriebenen Zeiten einzuhalten, die zwischen Alarmierung und Ankunft am Einsatzort vergehen. Zehn Minuten sind da bei Feueralarm das Maximum. Bei der Analyse der Einsatzdaten aber kam heraus: In drei Einsatzgebieten der Stadt schafft die Berufsfeuerwehr das gar nicht.

Es sind keine katastrophalen Werte, aber sie geben Herzog und seinem Team zu denken. Im nördlichen Klues, im Bereich Ochsenweg/Bahndamm in Weiche und im Bereich Engelsby/obere Osterallee bleibt die Berufsfeuerwehr manchmal bis zu vier Minuten hinter der Vorgabe zurück. „Das kann so nicht bleiben“, sagt Herzog. „Da müssen wir reagieren.“

Zwei Maßnahmen sollen für mehr Tempo sorgen. Eine betrifft die Freiwillige Feuerwehr Engelsby. Sie soll im Osten Flensburgs häufiger als schnelle Speerspitze der Brandbekämpfer eingesetzt werden. Eine Maßnahme, die nur deshalb möglich ist, weil die Engelsbyer eine erhöhte Einsatzdichte personell auch gewährleisten können. „Mit 50 Einsatzkräften ist das Flensburgs größte Freiwillige Wehr“, sagt Herzog. „Die schaffen das.“

Teil zwei des Planes ist die Grüne Welle. Die mit GPS-Geräten ausgestatteten Fahrzeuge senden ihre Bewegungsdaten mit Einsatzbeginn an einen Verkehrsrechner in München, der das komplette Ampelsystem der Stadt steuert. Der stellt die Ampelanlagen rechtzeitig auf Grün für den Löschzug und auf Rot für Fußgänger und Autos aus anderen Fahrtrichtungen. „Das ist ausreichend Vorlauf, um im Verkehrsfluss gar nicht erst Risiken und Behinderungen entstehen zu lassen“, so Herzog. Ist der Löschzug vorbeigerauscht, springen die Ampeln auf ihr normales Programm zurück. Herzog glaubt, so Zeitverzögerungen durch fehlende Gassen ebenso zu minimieren wie Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer. Die Feuerwehrautos werden (und müssen) diese neuralgischen Streckenpunkte wie bisher mit Blaulicht und Martinshorn durchfahren.

Dieses System soll für noch festzulegende Achsen bis zum Herbst installiert werden. Die Flensburger Berufsfeuerwehr hat sich bei der Beschaffung an die Wedeler Kollegen drangehängt, kommt aber deshalb noch nicht zum Zuge, weil die Stadt im Mai einen neuen, leistungsfähigeren Verkehrsrechner bekommt. „Es wird ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, ihn neu einzurichten.“ Herzog rechnet fest damit, dass seine roten Autos ab Herbst immer grün haben.

Einsatzzeiten hatten bereits früh in der Diskussion über eine neue Wache eine Rolle gespielt. Zeitweilig wurde sogar über zwei Feuerwehrwachen – im Stadt-Osten wie im Westen nachgedacht. Aber das hatte sich – trotz stetig wachsender Einsatzzahlen besonders im Rettungsdienst – als finanziell unmöglich erwiesen. Neben höheren Baukosten hätte die Stadt mit jährlich 3,5 Millionen Euro für die dann erforderlichen 50 zusätzlichen Kräfte kalkulieren müssen. Da ist die computergestützte grüne Welle doch sehr viel preisgünstiger. Carsten Herzog richtet sich auf einen fünfstelligen Betrag ein. 10 000 bis 15 000 Euro für die elektronische Ausrüstung der Autos plus Nebenkosten für Programmierung der Grüne-Welle-Strecken.

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