Serie: Wo Flensburg noch grün ist : Grüne Oase mit Charme

Knut Franck vor seinem Haus in der Sankt-Jürgen-Straße.
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Knut Franck vor seinem Haus in der Sankt-Jürgen-Straße.

Knut Franck kennt das Kapitänsviertel in Jürgensby wie seine Westentasche

shz.de von
04. August 2018, 06:07 Uhr

Niemand kennt das malerische Kapitänsviertel auf der Ostseite des Hafens und seine Umgebung besser als der siebzigjährige Kurt Franck: „Im Grunde herrscht hier das Chaos, wenn man sich anschaut, wie die Häuser angeordnet sind.“ Keine Baubehörde der Welt würde das heute mehr genehmigen. Aber gerade diese Unordnung mache den unübertroffenen Charme des Kapitänsviertels in Jürgensby aus, meint Franck. Die grünen Hänge hinter den Häusern der Sankt-Jürgen-Straße dürfen nach einem Ratsbeschluss nicht mehr bebaut werden. So konnte rund ums Kapitänsviertel eine einzigartige grüne Oase erhalten bleiben.

Von der kleinen St.-Jürgen-Treppe erstreckt sich ein herrlicher Blick auf die bis zu 60 Meter tiefen hängenden Gärten der Jürgensbyer. Franck erzählt, dass die Bewohner hier unterschiedliche Gartenphilosophien verfolgen: „Ich lasse der Natur eher ihren freien Lauf, mein Nachbar ist da etwas penibler.“

Wenn man sich durch die engen Gänge unterhalb der Sankt-Jürgen-Straße schlängelt, sind allerhand kleine grüne Ecken zu sehen: „Einige Flensburger wissen gar nicht, dass die meisten Wege im Viertel öffentlich sind, obwohl sie nicht danach aussehen“, sagt Franck.

Das Kapitänsviertel verdankt seinen Namen den unzähligen Seeleuten, die hier eine Bleibe fanden: „Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Viertel wegen des zunehmenden Schiffsverkehrs heftig bebaut, die Seeleute brauchten einen Platz zum Wohnen“, berichtet Franck. Zu dieser Zeit sei in der Stadt richtig Geld gewesen.

Als Knut Franck Mitte der 70er den Entschluss fasste, ein Grundstück in der Sankt-Jürgen-Straße zu erwerben, hätten ihn viele Bekannte für verrückt erklärt: „Zu der Zeit war mein jetziges Haus eine Ruine. Wir haben einiges an handwerklichem Geschick und Zeit in die Sanierung investiert.“ Damals seien noch ständig Taxifahrer durch das Kapitänsviertel gebrettert. Franck erklärt, dass sich eine Bürgerinitiative für eine Umgestaltung des Viertels zu einer nicht kommerziellen Fußgängerzone stark gemacht habe.

Von da an ging es bergauf: „Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es an diesem Ort eine Gentrifizierung gab“, meint der 70-Jährige. Als er nach Jürgensby kam, sei das Viertel sozial durchmischt gewesen: „Hier haben einige Gastarbeiter gelebt. Heute wohnen im Viertel größtenteils Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte.“ Durch die neuen Bewohner seien die Straßen und Grünflächen aufgepeppt worden.

Neben der großen Sankt-Jürgen-Treppe sind weitere Grünanlagen zu entdecken: Diese Flächen seien in den achtziger Jahren von der Stadt gekauft und für die Öffentlichkeit als grüne Oasen zugänglich gemacht worden, erklärt Franck. Der ehemalige Lehrer ist die Treppen früher im Sportunterricht hochgerannt: „Meine Schüler haben mich dafür verflucht“, erinnert er sich.

Wenn man sich die große Treppe hoch kämpft, gibt es zur Belohnung eine wunderbare Aussicht vom Erlenweg auf die Grünflächen: „Einige Bewohner beschweren sich schon, dass die Bäume hier Überhand nehmen und ihnen den Blick auf die Stadt nehmen“, sagt Kurt Franck. Es gebe immer wieder Versuche, die Natur in der Gegend zu zerstören. Dem müsse man sich entschieden entgegenstellen, sagt Franck.

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