Marode Fahrradwege in Schleswig-Holstein : Großsolt: Sattelbruch auf der Buckelpiste

Wer sein Rad liebt, der schiebt, könnte das Motto auf dem Radweg bei Obdrup lauten: Hans-Georg Henningsen (links) ist auf dem maroden Abschnitt bereits ein Sattel gebrochen, Monika Angermann hat ihren Einkauf verloren. Auch Seniorenbeiratsvorsitzender Harald Krabbenhöft will, dass die Radler dort unbeschadet fahren können.
Wer sein Rad liebt, der schiebt, könnte das Motto auf dem Radweg bei Obdrup lauten: Hans-Georg Henningsen (links) ist auf dem maroden Abschnitt bereits ein Sattel gebrochen, Monika Angermann hat ihren Einkauf verloren. Auch Seniorenbeiratsvorsitzender Harald Krabbenhöft will, dass die Radler dort unbeschadet fahren können.

Viele Radwege im Kreis Schleswig-Flensburg sind marode: Genervte Radfahrer wenden sich an Verkehrsminister Buchholz.

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31. August 2017, 13:38 Uhr

Grosssolt | Monika Angermann und Hans-Georg Henningsen aus Großsolt (Kreis Schleswig-Flensburg) sind sauer. Ungeachtet des wechselhaften Wetters in diesem Sommer fahren sie gern und viel Rad. Unter anderem auch zum Einkaufen nach Satrup. Doch die Fahrt auf dem Radweg von Großsolt über Obdrup nach Satrup entlang der L23 empfinden sie als echte Zumutung. Von Baumwurzeln hochgedrückter Fahrbahnbelag, mit Gras bewachsene breite Risse und tiefe Löcher haben den Weg zu einer wahren Buckelpiste werden lassen. Monika Angermann (64) sind beim Befahren dieser Strecke schon die Einkäufe aus dem Fahrradkorb geschleudert worden. Einkäufe verloren hat Hans-Georg Henningsen (70) dort auch schon, aber seitdem ihm auf dem Abschnitt unlängst der Sattel brach, ist er richtig auf der Zinne – und verlangt zusammen mit weiteren Mitstreitern in einem Brief ans Verkehrsministerium in Kiel endlich die zahlreichen maroden Radwege im Lande zu sanieren.

Die Substanz der motorisierten Fortschrittsgläubigkeit in den Vor- und Nachkriegsjahren zeigt sich in Form der Radwege besonders in Schleswig-Holstein, wo es ein immenses straßenbegleitendes Netz gibt. Satte 80 Prozent der Bundesstraßen und über 60 Prozent der Landesstraßen sind mit Radwegen ausgestattet. Bundesweit spitze. Klingt wie ein Lockmittel, ist aber das Gegenteil. Mittlerweile ist dieses Netz so marode, dass es an vielen Stellen dringend saniert werden muss.

„Schlecht ist dieser Radweg schon sehr lange, aber das wird jedes Jahr schlimmer“, klagt Henningsen. „Auf dem Weg nach Satrup geht es noch, da geht es leicht bergauf, da fährt man langsamer und merkt es nicht so. Schlimm wird es auf dem Rückweg“, ergänzt Monika Angermann. Manche Radfahrer wichen bereits auf die Straße aus, doch das sei sehr gefährlich (und nicht erlaubt). Die beiden Großsolter denken dabei nicht nur an sich, sondern auch an die vielen Schüler, die zumindest im Sommer mit dem Rad zu den weiterführenden Schulen in Satrup fahren.

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Längst haben die Radfahrer aus Großsolt und Mittelangeln die Instandsetzung der Strecke bei ihren Gemeinden angemahnt. Vergebens. „Nicht zuständig“, lautete die Antwort in beiden Fällen. Es handele sich um eine Landesstraße, und deshalb sei das Land zuständig.

Voraussetzung für eine Erneuerung des Radweges ist die Sanierung der Straße

Doch auch vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, Niederlassung Flensburg, der für diesen Streckenabschnitt verantwortlich ist, können die Großsolter nicht auf Abhilfe hoffen. Heiko Tessenow, Bereichsleiter Straßenbau beim Landesbetrieb, stellt klar, dass „für dieses Jahr, für das nächste und auch für 2019“ keine Sanierung der Straße vorgesehen sei. Die Sanierung der Straße sei aber eine Voraussetzung für eine Erneuerung des Radweges, denn in der Regel würden Fahrradwege nur in Verbindung mit der parallel verlaufenden Straße instand gesetzt. Auch der Hoffnung, dass die Strecke nach Satrup bevorzugt behandelt werden könnte, weil es sich um einen Schulweg handelt, erteilt Tessenow eine Absage. Es gebe dafür keine entsprechende Priorisierung.

Für den Abbau des Sanierungsstaus auf Landesstraßen steht zwar eine gut gefüllte Kasse zur Verfügung, doch das Land orientiert sich bei der Verteilung des Geldes vor allem daran, ob eine Straße eine sogenannte Netzfunktion hat und wie stark dort der Verkehr fließt. Beides ist im ländlichen Raum deutlich geringer ausgeprägt als beispielsweise im Hamburger Randgebiet. Deshalb hat die Kreispolitik wiederholt – und bislang vergeblich – davor gewarnt, dass der Norden des Landes bei der Sanierung der Landesstraßen abgehängt würde – und damit auch das entsprechende Radwegenetz.

Zugleich versucht der Kreis, sein eigenes Straßen- und Radwegenetz mit Hochdruck in Ordnung zu bringen. Die Mittel dafür wurden zuletzt trotz stockender Förderung erhöht.

 

Die Großsolter Radfahrer hoffen nun dennoch auf Unterstützung von höchster Stelle in Kiel. In ihrem Brief an Landesverkehrsminister Bernd Buchholz – dem 38 Unterschriften weiterer genervter Radler Nachdruck verleihen sollen – fordern sie die neue Landesregierung auf, nicht nur in den Straßenausbau zu investieren, sondern auch in die Erhaltung der Radwege. Die seien schließlich ein Markenzeichen für Schleswig-Holstein, befänden sich aber vielerorts in einem furchtbaren Zustand. Außerdem sei Radfahren ein Beitrag zum Klimaschutz und ein wichtiges Verkehrsmittel für Kinder und Jugendliche.

„Wir möchten endlich eine vernünftige Antwort haben, wann es losgeht“, sagt Harald Krabbenhöft, Vorsitzender des Seniorenbeirats Mittelangeln, der das Anliegen der Großsolter unterstützt. „Das Thema haben wir auch seit Jahren auf der Tagesordnung. Unsere Senioren beklagen sich auch massiv.“ Es gehe schließlich auch um die Anerkennung und Gleichbehandlung der Anliegen der Radfahrer. Senioren werde geraten, aktiv zu bleiben, und alle sollen etwas für den Klimaschutz zu tun. Da wäre es doch wirklich kontraproduktiv, wenn die Menschen wegen zu schlechter Wege das Rad zu Hause ließen.

Ungeachtet aller Widrigkeiten will Monika Angermann auch weiterhin zum Einkaufen mit dem Rad nach Satrup fahren. Doch sie wählt inzwischen lieber den Weg durch den Wald und nimmt dafür sogar einen zwei Kilometer langen Umweg in Kauf. „Selbst dieser Weg ist besser, obwohl der nicht einmal asphaltiert ist“, sagt sie.

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