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Schwarzarbeit : Großrazzia überrascht Flensburger Taxifahrer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Razzia gegen Schwarzarbeit: Polizei, Zoll und Ordnungsamt überprüfen in drei Stunden rund 70 Fahrzeuge in Flensburg. Gravierende Verstöße gegen Vorschriften bleiben die Ausnahme.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 07:00 Uhr

„Das glaube ich Ihnen nicht“, sagt der Mann vom Zoll. „Sie arbeiten für 2,50 Euro die Stunde? Ich nehme das so auf, aber ganz glauben kann ich das nicht.“ Der Fahrer hat den Motor abgestellt, sein Taxi, das direkt vor dem Bahnhof parkt, verlassen und sich zum Polizei-Bulli begeben. Die Männer vom Zoll haben die meisten Fragen und gehen richtig in die Tiefe. Sie versuchen, Schwarzarbeit aufzudecken. Es ist seit Jahren die größte Razzia im Taxigewerbe. Polizei, Zoll und Ordnungsamt – zusammen deutlich über 30 Leute – tauchen zeitgleich um 21 Uhr am Freitagabend an den wichtigen Taxi-Standorten auf: Bahnhof, Willy-Brandt-Platz, Südermarkt, Schiffbrücke.

Trotz gegenseitiger Warnung per Funk trudeln eines nach dem anderen die Taxen am Bahnhof ein. Es kommen noch ein paar Züge, die Touren will man schließlich mitnehmen. Großkontrolle? „Bei mir ist alles in Ordnung“, sagt ein sichtlich gelassener Edvard Sroka, den linken Ellbogen lässig im geöffneten Fenster. Als selbstständiger Unternehmer – Kennzeichen FL-ES – hat er alle wichtigen Papiere dabei und wartet in Ruhe, bis er dran ist.

Die Polizei organisiert und leitet den Einsatz, die 14 Kollegen in Blau kommen vom Polizei-Autobahn-Bezirksrevier-Nord in Schleswig. Vor Ort sind die Ordnungshüter allerdings schnell fertig: Sie schauen, ob technisch an den Fahrzeugen alles in Ordnung ist, ob Alkohol zu riechen ist, ob Führer- und Taxischein dabei sind. Die Damen und Herren vom Ordnungsamt wollen wissen, ob das Taxi überhaupt gemeldet ist, ob die Eichbescheinigung und die Taxi-Verordnung im Handschuhfach liegen, aber auch, ob das Fahrzeug sauber ist. „Ich finde das in Ordnung“, sagte ein aus Dänemark stammender Fahrer, „es ist wichtig für die Kunden, dass das Auto sauber ist.“

Weiter zum Willy-Brandt-Platz. Vor dem Irish Pub stehen einige Raucher, drinnen läuft Bundesliga. Ein paar Taxen warten auf Kundschaft. „Heute ist es ruhig“, sagt einer, „morgen ist der Bär los, da ist Honky Tonk.“ Fahrer Gunnar Gellert hat im geöffneten Laderaum seines Mercedes-Kombi Platz genommen und die Papiere ausgebreitet. „Was wollen Sie noch sehen?“, fragt er den Beamten. „Wunderbar! Alles ist gut.“

Da hat er am Ende sogar recht. Gravierende Verstöße wurden kaum festgestellt, wie Polizeisprecher Matthias Glamann am frühen Sonnabendmorgen bilanziert. Fünf Verdachtsfälle wegen Leistungsmissbrauchs sind dem Team vom Zoll aufgefallen. Die Polizei deckte kleinere technische Mängel auf und monierte das Fehlen des Personenbeförderungsscheins oder der Ortskenntnisprüfung. Verstöße gegen die Vorschriften über die Ordnungsnummer, Werbung, das Unternehmerschild oder das Rauchverbot kamen zur Anzeige.

Für die größte Aufregung sorgte indes ein Fahrgast, der weit weniger einsichtig als sein Fahrer war; hier mussten die prüfenden Polizisten per Funk um Unterstützung bitten, bevor der sehr aggressiv auftretende Mann beruhigt werden konnte. Später in der Nacht setzten Polizei und Zoll die Großrazzia in Schleswig fort.

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