Mystic Seaport in Flensburg : Großes Flensburg-Lob aus den USA

Und dahinten steht die schnelle Gretel! Oliver Berking (Mitte) führt Stephen White und Rainer Prüß (v.  l.) über das Gelände seiner Werft für klassische Yachten.
Und dahinten steht die schnelle Gretel! Oliver Berking (Mitte) führt Stephen White und Rainer Prüß (v. l.) über das Gelände seiner Werft für klassische Yachten.

Spannender Besuch vom bedeutendsten maritimen Museum Amerikas in Flensburg

shz.de von
13. November 2014, 10:30 Uhr

Man kann keine 200 Meter weit sehen. Nebel. Niesel. Böiger Wind. Ist das schon mystisch? Oder noch Schietwetter? Im Schifffahrtsmuseum sitzt eine kleine Runde vormittags schon bei Kerzenlicht. Und „Mystic“ ist ihr großes Thema. Museumsdirektor Thomas Overdick hat Besuch von einem Kollegen aus Conneticut/USA. Steven C. White, ebenfalls Direktor eines maritimem Museums, und zwar eines ganz, ganz großen: Mystic Seaport an der amerikanischen Ostküste.

Ehefrau Maggie hat sich mit auf den Vortragstrip nach Europa gemacht. Flensburg ist „marvellous“. Hamburg, nicht so doll. Sie freut sich auf Kopenhagen, das nächste Reiseziel, bevor das Ehepaar wieder in die Staaten zurückfliegt. Zuvor aber gibt es in Flensburg einiges zu besichtigen. Einen Nordic Seaport, sozusagen.

Der ist um einiges kleiner als das gerne zum Vorbild genommene Gelände am fernen Mystic River. Aber White findet die entscheidende Gemeinsamkeit: Soul, Seele. „Die Leute hier haben das gleiche Gefühl für die See. Das gleiche tiefe Verständnis.“ White ist Herr über ein 7 ha großes maritimes Freilichtmuseum. Über das spektakulärste Projekt dort hat er am Abend zuvor im Schifffahrtsmuseum gesprochen. Die 38. Reise der „Charles W. Morgan“, des weltweit letzten hölzernen Walfängers. 1841 wurde sie gebaut, 1941 kam sie in die Obhut des Mystic Seaport, im Mai 2014 setzte sie nach 73 Jahren und einer Millionen Dollar teuren Restaurierung wieder Segel. In einer neuen Mission: Aus der Waljägerin ist mit Beschluss und Segen des US-Senats eine Botschafterin für den Artenschutz in den Meeren geworden. Die erste und einzige nicht-menschliche Botschafterin der USA, sagt White. Und ja. Er ist gerührt. Immer noch.

Ein Projekt, zu groß für Flensburg. Die Amerikaner haben dieses Unternehmen auch nur gestemmt, weil sie es mussten. Aus Verantwortung für diese letzte ihrer Art. Sicher, sagt er. Die „Morgan“ sei geradezu ikonisch. Aber er empfiehlt: „Take a smaller one!“ Es geht nicht mehr ums Sammeln und Bewahren. Es geht um spannende Vermittlung in Zeiten des Smartphones. „Begeisterung wecken für eine dauerhafte Verbindung zu unserem maritimen Erbe“, so nennt Stephen White das. Und Flensburg, findet er, hat alles, was nötig ist dafür. „Ihr habt tolle Schiffe. Die Alexandra“, schwärmt er. „She’s a real treasure“, ein wirklicher Schatz.

Mystic Seaport hat über 16 000 Mitglieder und 600 ehrenamtliche Helfer – etwas, wovon die Flensburger nur träumen. Aber auch dieses Museum ist ohne Netz und doppelten Boden unterwegs und muss sich selbst ernähren. Vorteil für Mystic ist sicher, das die über 200 000 Besucher jährlich Eintritt zahlen. Was in Flensburg kaum geht. Aber die große stabile Basis im Hintergrund, die hätten die Gastgeber schon gerne.

Am Nachmittag besuchen die Whites dann noch jemanden, der wie Overdick gerne eine gute, dauerhafte Verbindung zum Mystic Seaport hätte. Oliver Berking. Der plant Am Industriehafen gleich neben seiner Werft für klassische Yachten ein privates Yachtmuseum und schätzt die enorme Tiefe des Fundus, über den White verfügt. Die Voraussetzungen nach einem ausgedehnten Mittagessen beim Werft-Italiener und einer Führung scheinen nicht schlecht.

Dass die schnelle Gretel, America’s Cup-Herausforderin aus Australien, hier auf ihre Restaurierung wartet, war nicht bekannt. Auch von Jenetta, dem kostbaren Yacht-Fundstück vom Lake Pitt bei Vancouver, wusste er nichts. Die Neugierde ist geweckt. Eine erste Verbindung hergestellt. „Wir kommen wieder“, versprechen die Whites. Zur Museumseröffnung.

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