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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 07:39 Uhr

Großer Tag für kleine Ballett-Mäuse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sønderjyllands Danseakademi übt mit 150 Tänzerinnen das Stück „Der Grashalm“ ein / Premiere während des Festivals „Define“ in Sonderburg

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Die hohe Tür in der ehemaligen Schule öffnet sich mit lautem Quietschen. Dahinter ein schlichter Flur. „Sønderjyllands Danseakademi“ steht an der Wand. Und dann stürmt, mit zwei schweren Taschen beladen, Melissa Mathies hinein. Sie sprüht vor Energie, schließt die Türen auf, nimmt die Räume in Beschlag, schmeißt die Kaffeemaschine an.

Die kleinen Ballettschüler trudeln ein. „Hallo, schön, dass ihr schon da seid!“ Melissa Mathies ist ehemalige Ballet-Tänzerin des Königlichen Theaters in Kopenhagen, wohnt heute mit ihrer Familie in Kollund und arbeitet seit fast zehn Jahren für die Sonderburger Musikschule. „Es gab bei uns hier in der Umgebung keine Ballettschule, also wurde ich gefragt“, erzählt Melissa Mathies. Inzwischen wuseln noch mehr kleine rosa und hellblau gekleidete Ballett-Mäuse umher. Ihr Haar akkurat zum strengen Dutt hoch gesteckt suchen sie in den Taschen nach ihren Schläppchen und tänzeln wie kleine Federn um die Ballett-Lehrerin herum. Die erste Stunde des Tages beginnt. Warm machen, Beine strecken und Position einnehmen.

Momentan steht ein besonderes Repertoire auf dem Programm: Üben für die große Aufführung im November, das Ballettstück „Græsstrået/Der Grashalm“. Das Ballett basiert auf einem Gedicht der Dänin El Forman und handelt vom Zyklus der Natur und allen Lebens. Das Stück von der dänischen Komponistin Else Marie Pade wurde 1965 uraufgeführt und sorgte damals für Zündstoff, weil elektronische Musik, Theater, Ballett und neue Kunst-Trends mit einflossen. Sønderjyllands Danseakademi interpretiert das Stück neu. So ist es auch eine Hommage an die dänische Balletttänzerin und Choreografin Nini Theilade, die damals mitwirkte. Sie ist die dänische Grand Dame des modernen Balletts.

Vier der Solistinnen sind auch gerade eingetroffen und fragen: „Dürfen wir unsere Kostüme schon anprobieren?“ Sie dürfen. Elena (11) schlüpft in ein wunderschönes, wadenlanges grünes Tutu – sehr romantisch. Sie spielt die Hauptrolle, einen der Grashalme, die im Laufe der Zeit immer älter werden. Emilie (11) tanzt eine Blume und Stefani (8) einen Schmetterling. Hannah (8) gibt den jüngeren Grashalm ab.

Elena, Emilie, Stefani und Hannah sind in der Talentgruppe, sie trainieren bis zu vier Mal pro Woche und tanzen für ihr Leben gern. „Schon als ich drei Jahre alt war, habe ich mit dem Ballett angefangen. Tanzen ist mein großer Traum. Ganz besonders, nachdem ich auch auf Spitze tanzen darf“, erzählt Elena, dabei leuchten ihre Augen. Mit Spitzenschuhen zu tanzen, ist nicht ohne. Um das Gleichgewicht halten zu können, musste sie immer wieder ihre Bauchmuskulatur trainieren. Emilie und Stefani sind durch ihre älteren Schwestern zum Ballett gekommen, Hannah wurde durch eine Freundin motiviert: „Die Mädchen sahen alle so schön aus, das wollte ich auch!“

Melissa Mathies hat ein Gespür für Talente und möchte diese auch fördern: „Es ist eine Gratwanderung. Ich möchte, dass alle meine Schüler Spaß am Ballett haben, sich bewegen und auch Lust bekommen, aufzutreten. Ich habe jedoch auch den Ehrgeiz, Talente weiterzubringen und arbeite deshalb seit ein paar Jahren mit dem Königlichen Theater in Kopenhagen zusammen.“ Dort tanzen Ballett-Talente für die Aufnahme an der königlichen Ballettschule vor, und ein paar von ihnen haben den Sprung dahin bereits geschafft. Für junge Schülerinnen und Schüler ist es nicht immer einfach, wegen der Ausbildung von zuhause wegzugehen. Melissa Mathies weiß, wovon sie spricht. Mit 16 Jahren hat sie ihr Heimatland Australien verlassen und besuchte die Royal Ballet School in London. Zwei Jahre später wurde sie von Talentsuchern nach Kopenhagen gelotst. „Ich war viel unterwegs in Europa, doch das Kongelig Teater in Kopenhagen war immer eine Art Heimat für mich!“

Alles unter einen Hut zu bringen und ihre Ballett-Kinder auf den großen Auftritt vorzubereiten, bestimmt momentan Melissa Matthies’ Tagesablauf. „Der Auftritt soll professionell sein, die Kinder auf ihre Rolle gut eingestimmt werden – auch der Spaß darf natürlich nicht zu kurz kommen!“

Dann klatscht sie in die Hände und beendet die erste Stunde des Tages. „Das habt ihr alle toll gemacht!“, lobt sie ihre Schüler und ruft die nächste Gruppe rein.

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