Meeressäuger in der Ostsee : Großer Finnwal schwimmt in der Flensburger Förde

Finnwale können 40 Minuten unter Wasser verbringen, ehe sie zum Atmen auftauchen.
Finnwale können 40 Minuten unter Wasser verbringen, ehe sie zum Atmen auftauchen (Archiv).

Kameras bereithalten! Die dänische Polizei meldet die Sichtung eines Finnwals vor Kollund. Schon am Montag war ein Wal in der Apenrader Förde aufgetaucht.

shz.de von
15. Juli 2015, 15:30 Uhr

Die Polizei von Südjütland berichtet bei Twitter von der Sichtung eines „sehr aktiven“ Finnwals in der Flensburger Förde. Zuletzt wurde der Meeressäuger in der Nähe von Kollund und bei den Ochseninseln gesehen. Es soll sich um ein sehr großes Exemplar handeln. Erwachsene Finnwalmännchen können bis zu 24 Meter lang werden.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="da" dir="ltr">Flere beretter om, at de har set en  meget aktiv finhval (el. lign) i Flensborg Fjord. Sidst set omkring Kollund. Vagtchefen. <a href="https://twitter.com/hashtag/politidk?src=hash">#politidk</a></p>&mdash; Sydjyllands Politi (@SjylPoliti) <a href="https://twitter.com/SjylPoliti/status/621050419867971584">14. Juli 2015</a></blockquote>

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Schon am Montag (13.7.) hatte ein User des dänischen Wahlsichtungsportals „hvaler.dk“ den Schnappschuss eines großen Wals veröffentlicht, den er als Finnwal identifizierte. Kurz vor der Sichtung sei das Echolot auf Fischschwärme ausgeschlagen. Die Aufnahme zeigt den Rücken eines sich offenbar an den Fischschwärmen bedienenden Wals vor dem Heizkraftwerk in der für ihre Tiefe bekannten Apenrader Förde.

„Es handelt sich bei der jüngsten Sichtung vermutlich um einen Finnwal“, meint auch der dänische Walforscher Carl Christian Kinze gegenüber dem „Nordschleswiger“. Er sieht seine Theorie bestätigt, dass es sich bei den inzwischen regelmäßig im Bereich der Ostsee und Ostseezugänge gesichteten Finnwalen nicht um Irrgäste handelt, sondern um Wale, die aufgrund eines attraktiven Nahrungsangebotes gezielt auch die Förden ansteuern. Finnwale werden aufgrund ihrer Vorliebe für Schwarmfische auch Heringswale genannt. Kinzes Einschätzung nach können auch die großen Wale zur hiesigen Artenvielfalt hinzugerechnet werden.

Die Buchten des nördlichen Landesteils Schleswig-Holsteins sind in den letzten Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Wale geworden. Unvergessen ist der junge Finnwal „Henry“, der 2006 dem Flensburger Innenhafen einen Besuch abstattete. 2012 wurde vor Sonwik ein Weißwal (Beluga) gesichtet. Im vergangen Sommer traten erstmals seit der Aufzeichnung von Walbeobachtungen zwei Buckelwale gleichzeitig in der Ostsee ins Kameralicht, ebenfalls in der Flensburger Förde. Im vergangen Mai hatte sich laut Augenzeugen ein Buckelwal in die Eckernförder Bucht verirrt, der später anscheinend auch in Sonderburg gesehen wurde. 1911 strandete vor Westerholz (Kreis Schleswig-Flensburg) ein knapp 20 Meter langer Finnwal und verendete dort: Ein deutschlandweites Sensationsereignis, das Tausende Schaulustige an den Strand lockte. An den verendeten Koloss erinnert heute ein Gedenkstein.

Die Beobachtung von Finnwalen ist schwierig, da die Tiere nur wenige Sekunden zum Atmen auftauchen. Experten zufolge können es Meeressäuger in der vermuteten Größe nicht über lange Zeit in der Ostsee aushalten, da sie pro Tag bis zu 400 Kilogramm Fisch benötigen, was eigentlich nur zur Heringssaison in der Ostsee gedeckt werden kann.

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