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Widerstand im Johannisviertel : Große Pläne für Mauseloch-Parkplatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt plant massive Bebauung: zweistöckiges Parkdeck, Wohnungen, Gewerbe - Bewohner und Altstadt-Verein laufen Sturm

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 11:15 Uhr

Es ist der zweite Anlauf am Mauseloch. Schon Anfang 2014 war die Stadt mit der Idee, den Parkplatz an der Wilhelmstraße zu überbauen, an Bewohner und Öffentlichkeit herangetreten. Doch diesmal ist es konkreter, denn es gibt offenbar jemanden, der hier bauen möchte. Was sich nicht geändert hat, ist der Protest aus dem Johannisviertel: Die Bewohner laufen Sturm gegen die Planungen.

Es geht um die Parkplätze rechts und links des Mauselochs an der Wilhelmstraße und der Karlstraße. Wie schon vor gut drei Jahren, ist hier eine zweistöckige Parkpalette mit Wohnungen und möglicherweise Praxen und Büros darüber geplant. Die Höhe der Bebauung soll sich an der Höhe der gegenüberliegenden Häuser orientieren. Die stieß allerdings schon bei ihrer Entstehung vor knapp 20 Jahren auf Kritik aus dem Viertel, weil die Häuser am Ende höher wurden als anfangs dargestellt. Und sie sind aufgrund ihres Satteldachs auch höher als die vorhandene Bebauung an der Wilhelmstraße neben dem Balkan-Restaurant.

Die Kritik aus dem Viertel, formuliert vom Verein zur Erhaltung der östlichen Altstadt, richtet sich gegen drei Punkte der Planung: mehr Parkplätze, die Höhe der Bebauung und die Art und Weise der Bürgerbeteiligung. So wurde der Verein, der im Johannisviertel als offizielles Bürgerforum fungiert, nicht informiert und eingebunden, bevor am 11. Juli der Aufstellungsbeschluss zur Veränderung des Bebauungsplans im Planungsausschuss verabschiedet wurde. Damit ist die Planung praktisch auf dem Weg, ohne dass die Bürger beteiligt wurden – wenn man von einer Informationsveranstaltung im Januar 2014 absieht, der seinerzeit aber nie konkrete Planungen folgten. „Wir waren der Meinung, dass wir frühzeitig hätten beteiligt werden müssen“, sagt Brigitte Noah, Vorsitzende des Vereins. „Frühzeitige Beteiligung“ ist ein wesentlicher Punkt in der „Richtlinie zur EinwohnerInnenbeteiligung“, die die Stadt 2015 beschlossen hatte.

Stichwort Parkplätze: Jürgen Raddatz, Bewohner des Viertels, sieht einen Widerspruch zum bereits formulierten Ziel, den Autoverkehr in der Stadt langfristig zu reduzieren. Zudem, so Raddatz, sei die Kapazität der vorhandenen Parkhäuser ausreichend. Es sei gar nicht untersucht worden, ob überhaupt zusätzliche Parkhaus-Kapazität erforderlich sei. Wozu also neue Parkplätze schaffen, noch dazu in einem bereits stark belasteten Innenstadt-Quartier? So werden Staus auf dem Hafendamm befürchtet, vor allem aber Fahrzeuge, die nach dem Verlassen der neuen Parkpalette mit laufendem Motor auf der Wilhelmstraße an der roten Ampel stehen.

Stichwort Höhe: Raddatz fordert vor Baubeginn eine Beschattungsstudie, weil er befürchtet, dass den vorhandenen Wohnungen an der Ostseite der Wilhelmstraße viel Licht genommen wird. Das laufe den Bestrebungen der ursprünglichen Sanierung zuwider, die seinerzeit vor allem mehr Licht und Luft in die engen Altstadtquartiere bringen sollte. Der Östliche-Altstadt-Verein hat grundsätzlich nichts gegen die Bebauung der Parkplätze, auch nicht gegen Wohnbebauung. „Es muss aber ins Viertel passen“, fordert Brigitte Noah.

Der nächste Schritt ist jetzt die Vorstellung eines konkreten Entwurfs, der dann vom Umwelt- und Planungsausschuss beschlossen werden muss. Er kann aber auch abgelehnt werden. Die Stadt muss dann auch eine öffentliche Bürgerversammlung durchführen. Jeder kann dann noch einmal seine Bedenken äußern. Von denen lässt sich die Politik aber meist nicht mehr umstimmen.

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