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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 12:30 Uhr

Große Ehre für Flensburger Katholikin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hohe Auszeichnung: Hiltrud Thye wird am Sonntag die „Ansgar-Medaille“ im Hamburger Marien-Dom verliehen

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 18:00 Uhr

Zusammen mit Pfarrer Stefan Krinke sitzt Hiltrud Thye im Pfarrbüro der katholischen Kirchengemeinde. Sie blickt gespannt auf den Computerbildschirm. Die beiden verfolgen die erste Rede des zukünftigen Hamburger Erzbischofs Stefan Heße. „Der erste Eindruck ist sehr gut“, meint Hiltrud Thye später, „er scheint sehr offen zu sein.“

Als Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) spielt das für Thye eine große Rolle. Schließlich setzt sich die Flensburgerin schon lange dafür ein, dass Frauen in der katholischen Kirche mehr Rechte bekommen. Es gibt überhaupt viele Dinge, für die sie sich innerhalb der Kirche ehrenamtlich engagiert: In der Gemeinde St. Marien „Schmerzhafte Mutter“ ist sie Kommunionshelferin, Beauftragte für den Gottesdienst, hat die internationale Frauengruppe aufgebaut, engagiert sich als Vertreterin der katholischen Kirche in der Flensburger Ökumene und vieles mehr. Außerdem setzt sie sich als Vorsitzende der KFD in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg gegen Gewalt gegen Frauen ein.

All das war für Pfarrer Krinke Grund genug, sie für die „Ansgar-Medaille“ für besondere Verdienste im ehrenamtlichen Engagement im Bereich der Katholischen Kirche vorzuschlagen. Vor einer Woche kam dann das Schreiben vom Hamburger Domprobst: Hiltrud Thye wird die Medaille am 8. Februar im Hamburger Marien-Dom verliehen. Außer ihr wird nur eine andere Person in der flächenmäßig größten Diözese Deutschlands damit geehrt. „Ich war wirklich sprachlos, als ich die Nachricht bekam“, erzählt Thye, „und das passiert mir wirklich nicht so oft. Ich war wie vom Donner gerührt.“ Zunächst habe sie die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen gesehen. „Ich habe mich gefragt, warum gerade ich diese Medaille verdient habe. Aber mittlerweile sehe ich es so, dass sie mir stellvertretend verliehen wird für die vielen Frauen, die sich in der katholischen Kirche ehrenamtlich engagieren.“

Als Hiltrud Thye mit 29 Jahren nach Glücksburg und später nach Flensburg kam, sei die Rolle der Katholiken hier sehr schwierig gewesen. „Die Menschen waren sehr zurückhaltend, wenn ich ihnen von meinem Glauben erzählt habe. Vor allem in der Marine, wo mein Mann tätig war.“ Für Thye dagegen war das Engagement in der Kirche eine gute Möglichkeit, in der fremden Umgebung neue Menschen kennen zu lernen. Schon bald begann sie sich in den verschiedensten Bereichen einzusetzen, unter anderem auch in der Militärseelsorge und in der Ökumene. „Mir war sofort klar, dass hier etwas passieren musste, um das Verhältnis zwischen den Konfessionen zu verbessern. Zum Glück habe ich schnell eine Pastorin kennen gelernt, die der selben Meinung war.“ Seitdem half Thye von katholischer Seite unter anderem dabei mit, die Friedensgottesdienste, den ökumenischen Kreuzweg an Karfreitag oder den Weltgebetstag zu organisieren. „Zum Glück ist das Miteinander inzwischen sehr gut, auch auf interkultureller Ebene.“

Innerhalb der katholischen Gemeinde sieht sich Thye als Wegbereiterin dafür, dass auch Frauen Kommunionshelferin sein dürfen. „Das gab es ja früher gar nicht. Es wäre damals auch undenkbar gewesen, dass eine Frau als Laie einen Wortgottesdienst hält.“ Mittlerweile ist das, auch Dank Hiltrud Thye, in der Gemeinde St. Marien zum Alltag geworden.

Immer wieder betont die ehemalige Sekretärin, dass all ihr Engagement immer nur durch die Mithilfe anderer möglich war. „Gerade in der KFD hatte ich immer viel Unterstützung.“ Am 8. Februar wird der Einsatz von Hiltrud Thye in aller Öffentlichkeit gewürdigt. Allerdings leider noch nicht vom neuen Erzbischof, wie Thye bedauert. Der nimmt sein neues Amt erst im März auf.

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