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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 11:48 Uhr

Große Aktion für kleine Fische

vom

Regionale Fischer setzen 58 000 junge Aale in der Schlei aus / Erstmals landeten Tiere aus vergangenen Projekten in den Reusen

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

MAASHOLM/Kappeln | "Wir müssen dem Aal helfen, das ist wichtig für unsere Region." Mit diesen Worten eröffnete die Europa-Abgeordnete Ulrike Rodust aus Holzdorf (Schwansen) gestern in Maasholm das mittlerweile vierte "Aal-Utsetten in de Schlie" - eine gemeinsame Aktion der Schleswiger, Arnisser, Kappelner und Maasholmer Fischer. Nachdem zuvor am Schleswiger Holm, in Karschau und Kappeln Mini-Aale zu Wasser gelassen worden waren, wurden in Maasholm weitere 22 000 Tiere im Wormshöfter Noor in die Freiheit entlassen - insgesamt waren es 58 000 zehn Gramm leichte Aale, die schleunigst das Weite suchten.

Europa-Parlamentarierin Rodust (SPD) hat bei der Neugestaltung der europäischen Fischereipolitik eine entscheidende Rolle gespielt und dazu beigetragen, dass der Antrag einer Europa-Politikerin der Grünen auf kurzfristiges und europaweites Aalfang- und Handelsverbot abgemildert und geändert wurde. Vor diesem Hintergrund kam ihr nun die Aufgabe zu, die "Goldene Reuse" als Ehrenpreis der Fischer zu verleihen.

Das Losglück war Duncan Buckley von der "Alten Räucherei" in Kappeln hold gewesen. Er nahm die Trophäe strahlend in Empfang. Am Rande erzählte er, ein gebürtiger Ire, der seit über 30 Jahren in der Schleistadt lebt, dass sein Aal-Engagement für einen Iren eher ungewöhnlich sei, denn: In seinem Geburtsland gelte der Aal als Seeschlange und die sei der Sage nach vom irischen Schutzpatron St. Patrick aus dem Land verbannt worden. Wie auch immer, Duncan Buckley steht auf Aal, mag ihn am liebsten geräuchert.

Wie es in einer gemeinsamen Mitteilung der Schleifischer heißt, sind neben den gestern ausgesetzten 58 000 Tieren bereits im Mai 33 000 Glasaale in die Schlei entlassen worden - in diesem Jahr also insgesamt 91 000 Stück. Die Kosten dafür belaufen sich auf 32 000 Euro. Zum Vergleich: 2012 waren es 65 000, 2011 waren es 57 000 Stück und 2010 32000 Stück.

Was die Finanzierung betrifft, beteiligen sich daran nicht nur die Schleifischer und die Schleswiger Fischerzunft, sondern auch die Fischräuchereien sowie gastronomische Betriebe entlang der Schlei, der Kappelner und Schleswiger Angelverein, der Flensburger Fischereiverein, Werften und viele andere mehr, darunter auch Einzelpersonen - kurzum alle, denen die Rettung des Aals am Herzen liegt. Welchen Stellenwert das "Aal-Utsetten" genießt, wurde an der großen politischen Phalanx, die nach Maasholm gekommen war, deutlich. Dazu gehörten neben anderen auch Schleswig-Flensburgs Kreispräsident Ulrich Brüggemeier sowie etliche Kreis- und Landespolitiker: großer Bahnhof also für die kleine Fische.

Der Aal war früher ebenso wie der Hering lange der "Brotfisch" der Schlei fischer. Doch hat sich der Bestand in den vergangenen 15 Jahren rapide verringert. Vor diesem Hintergrund stehen die Besatzaktionen - um den Bestand zu verbessern und zu erhalten. Dabei wissen die Fischer, dass es noch ein langer Weg bis hin zu guten Fängen ist. Doch zeichne sich, so die Fischer, ein kleiner Silberstreifen am Horizont ab: Vermehrt tauchen in diesem Jahr in der Schlei in den Aalreusen Jungaale aus den letztjährigen Besatz aktionen auf. Allerdings brauchen die ausgesetzten Winzlinge mindestens vier Jahre, um das Mindestmaß von 45 Zentimetern zu erreichen.

Einigen Fischern, das wird nicht verhehlt, erscheint die Aktion wegen der vielen Kormorane auf der Schlei als widersinnig. Denn Lieblingsspeise dieser großen Vögel ist der Aal. In diesem Zusammenhang erwarten die Fischer von der Politik einen "Runden Tisch Kormoran". Die Politiker sollten dem Umweltminister Dampf machen und sich für ein "Ende des Massakers unter der Wasseroberfläche" einsetzen. Für die Fischer sei es, wie sie sagen, unverständlich, dass ein Viertel der Wasserfläche der Schlei weiterhin den Status eines Kormoran-Schutzgebietes hat. Da das "Aal-Utsetten" verstärkt und fortgesetzt werden müsse, so die Fischer, sei auch die Erhöhung des Landeszuschusses auf 80 Prozent vonnöten.

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