Museumshafen Flensburg : Grogtörn mit der Sonne im Bunde

Leinen los! Die Galeasse „Fulvia“ macht sich auf den Weg zu den Ochseninseln. Zum traditionellen Grogtörn hellte gestern der Himmel auf.
Leinen los! Die Galeasse „Fulvia“ macht sich auf den Weg zu den Ochseninseln. Zum traditionellen Grogtörn hellte gestern der Himmel auf.

Einmal Dänemark und zurück: Nach Sintflut-Regen plötzlich bestes Wetter für die traditionelle „Regatta des harten Kerns“

shz.de von
27. Dezember 2014, 20:05 Uhr

Der Legende nach ist sie die Regatta des harten Kerns, jene kleine Ausfahrt der letzten wintertauglichen Segel- und Motorfahrzeuge, die traditionell am zweiten Weihnachtstag ab Flensburg Museumshafen hinaus auf die Innenförde und einmal rund um die dänischen Ochseninseln führt. In der langen Geschichte des Grogtörns gab es schon Sturm und Flaute, Schnee und Eis – aber noch keine Sintflut.

Insofern dürfte über Weihnachten der eine oder andere Schipper besorgt in den trostlosen, grauen Himmel gestarrt haben, aus dem es über Tage junge Hunde geregnet hatte. Besorgt, weil der traditionell am 2. Weihnachtstag stattfindende Grogtörn seinerzeit für die Anhänger der christlichen Seefahrt erfunden worden war, um dem Weihnachtsstress und seinen Gefahren für ein paar Stunden zu entkommen. Und der drohte nun auszufallen. Aber alle Sorgen erweisen sich als vollkommen unbegründet. Für den harten Kern lichteten sich gestern Vormittag die Wolken, und acht Boote und ein Schlepper machten sich bei einer seichten Brise im lange nicht gesehenen Sonnenlicht aus Nordost auf den Weg.

Frank Petry, Geschäftsführer des veranstaltenden Historischen Hafen Flensburg, konnte anschließend aus dem Laderaum des historischen Küstenmotorschiffs „Gesine“ freudig eine schöne Bescherung melden. „Was will man mehr. Start bei Sonne und leichtem Frost, Ausklang bei Grog und Schneegestöber – wir hatten richtig Glück mit dem Wetter!“

Zu den Besonderheiten des Grogtörns gehört sein Charakter, alle, auch manchmal einander aus dem Wege gehende Wassersportler, unter einem Dach zu vereinen. So waren gestern zwei moderne Katamarane ebenso unterwegs wie die „Fulvia“, eine 1898 gebaute dänische Galeasse, der bis auf den letzten Ausflugsplatz besetzte Schlepper Flensburg und das Weltumseglerschiff „Marlin“, das in diesem Jahr in Flensburg einen Heimathafen gefunden hat. Traditionell waren Mitsegler- und Fahrer um eine Spritspende (für Motor und Grog-Glas) gebeten worden, der sie traditionell auch freudig nachgekommen waren. Da der Sturm der letzten Tage zu einer leichten Brise abgeflaut war, wurde der Grogtörn allerdings ganz überwiegend unter Maschine absolviert. Lediglich die leichteren modernen Segelfahrzeuge hatten die Plünnen hochgezogen. „Marlin“ und „Fulvia“ erwiesen der großen Ochseninsel Reverenz und legten an der Brücke des Krogs an.

Nach gut zwei Stunden waren alle Teilnehmer wohlbehalten im Flensburger Hafen zurück. Unterwegs hatte es das eine oder andere Heißgetränk gegeben – aber mit der Auflage, für den geselligen Teil auf dem Museum-Kümo lästerliche Liedtexte zu dichten und sich auf den Vortrag im gut geheizten Laderaum der „Gesine“ vorzubereiten. Traditionell ist dieser Teil des Grogtörns am Nachmittag nicht durchgängig jugendfrei, die Stimmung an Bord war dessen ungeachtet prächtig. Bei Grog, Punsch und heißer Suppe ließen am Ende fast 100 Schipper und Landratten den zweiten Weihnachtstag ausklingen.

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