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Flensburger Berking-Werft : Größter Neubau der Klassiker-Werft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

21 Meter langer „Zwölfer“ für dänischen Multimillionär Erik Larsen hat Wasser unterm Kiel - Vorgeschmack auf Europameisterschaft im Juli.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2015 | 08:01 Uhr

„26,2 Tonnen“, meldet der Kranführer, als der Fisch an der Angel hängt. Der Fisch – das ist der bisher größte Neubau, den die Robbe & Berking Classics-Werft bisher gebaut hat. Eine klassische 12mR-Yacht von stattlichen 21,5 Metern Länge. Ein Traum nicht nur für Freunde dieser seltenen, schönen, teuren Schiffe.

Für Erik Tingleff Larsen, der dieses Schiff schon vor einigen Jahren bei Werft-Chef Oliver Berking bestellt hat, ist es nicht die erste klassische Yacht. Es ist ihm wichtig, den Besuchern und Presseleuten mitzuteilen, dass er in der Werfthalle noch sechs weitere Schiffe liegen hat, darunter drei ebenfalls bei Robbe & Berking gebaute 6mR-Yachten. Und nächste Woche holt der 71-jährige dänische Geschäftsmann in Helsinki eine große Motoryacht ab, um sie eigenhändig nach Dänemark zu überführen.

Für den „Stapellauf“ des Traumschiffs aus Mahagoni war gestern nicht nur das Fernsehen gekommen, sondern auch der Journalist Henrich Nissen-Lie des norwegischen Yachtmagazins „Seilas“. Denn der Flensburger Neubau hat gewissermaßen eine Verspätung von 76 Jahren; das Schiff wurde 1939 von dem legendären norwegischen Yachtbauer und Segel-Olympiasieger Johan Anker gezeichnet, der 1940 starb und den Bau nicht mehr verwirklichen konnte. Zur Kiellegung vor rund vier Jahren war deshalb sogar der norwegische König Harald V. nach Flensburg gekommen. Anker hat zu Lebzeiten 20 Schiffe der 12mR-Klasse gebaut, die seit Jahren – nicht zuletzt durch die Aktivitäten Berkings in Flensburg – ein Comeback feiern. So werden bei der vom 2. bis 5. Juli auf der Förde ausgesegelten „Robbe & Berking 12 Metre Open European Championship“ voraussichtlich 14 12mR-Yachten teilnehmen – so viele wie zuletzt 2001 in Cowes beim 150. Jubiläum des America’s Cup.

Dann wird Johan Ankers 1939er Entwurf mit der Nummer 434 wohl noch nicht dabei sein. Er soll aber während der Meisterschaft getauft werden; der Name „Siesta“ geisterte gestern über den Ballastkai, wo der ebenso mächtige wie elegante Rumpf mittels Teleskopkran zu Wasser gelassen wurde.

Nachdem die breiten Gurte unter Kiel und Rumpf gezogen waren, lupfte der Kranführer das Schiff kaum sichtbar Millimeter für Millimeter aus seiner Halterung; dabei knarzten die Gurte – zumindest für Laienohren – gefährlich. Wo der Kiel aufgelegen hatte, wurde sodann mit Farbe nachgebessert, bevor Holger Nicolaisen vom Flensburger Yachtservice, der das Manöver dirigierte, zunächst „An die Taue!“ und etwas später „Ab ins Wasser!“ kommandierte.

Als das Boot sicher lag, half Berking dem stolzen und gerührten Eigner an Bord; Larsen ließ sich dann zwei Flaschen Champagner herunter reichen. „Die Segelwelt muss dir dankbar sein, dass du diesen Entwurf hast bauen lasen“, hatte Oliver Berking zuvor bei einer improvisierten Ansprache zu Larsen gesagt. Der konterte: „Ich baue gern nochmal bei dir ein Boot.“ Was Berking und die versammelte Belegschaft der Werft erfreut zur Kenntnis nahmen. Anschließend wurde „Nr. 434“ an den Werftliegeplatz im Industriehafen geschleppt – einen Motor hat das Schiff nicht.

 

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