Schleswig/Flensburg : Grippewelle auf dem Höhepunkt

Wenn die Viren zuschlagen, dann sollte man sich ordentlich auskurieren.
Wenn die Viren zuschlagen, dann sollte man sich ordentlich auskurieren.

Wartezimmer voller Patienten: Die Arztpraxen im Kreis arbeiten auf Hochtouren.

shz.de von
28. Februar 2018, 13:10 Uhr

Flensburg | Volle Arztpraxen und ein hoher Krankenstand – die Grippewelle grassiert. Langsam schlich sie sich Anfang des Jahres an. Wurden in der ersten bis zur vierten Kalenderwoche nur 23 Fälle beim Kreisgesundheitsamt gemeldet, wurden in den darauffolgenden vier Wochen bereits 186 Grippefälle registriert. „Die Dunkelziffer ist deutlich höher, da nicht alle Ärzte Abstriche zur Feststellung der Krankheitsursache vornehmen“, erklärte Helge Johannsen, Mitarbeiter des Fachdienstes für Gesundheit in der Kreisverwaltung in Schleswig-Flensburg.

Die Grippewelle befindet sich momentan auf einem Höhepunkt, so wurden in der aktuellen Woche im Kreis Schleswig-Flensburg bereits 23 Fälle gemeldet. Dass im Laufe der Woche noch einige hinzukommen werden, können diverse Arztpraxen bestätigen, denn die arbeiten derzeit auf Hochtouren. So war es bei der Recherche kaum möglich, einen Arzt ans Telefon zu bekommen, da die Praxen vollkommen ausgelastet waren. In einigen Fällen waren Ärzte selbst erkrankt, und andere Praxen mussten zusätzliche Patienten mitversorgen, wie eine Arzthelferin auf Nachfrage mitteilte.

Besonders kleine Kinder betroffen

Am späten Nachmittag meldete sich dann doch noch der Allgemeinarzt Siegfried Bethge aus dem Facharztzentrum Gorch Fock in Kropp. „Wir werden seit zwei Wochen wirklich überrannt“, berichtete Bethge. Das Wartezimmer sei voll. Normalerweise habe die Praxis eine Terminsprechstunde, momentan sei das jedoch nicht möglich. „Hauptsächlich handelt es sich um grippale Infekte, zirka zehn Prozent der Patienten haben eine richtige Grippe“, so Bethge weiter. Bei den Betroffenen handele es sich hauptsächlich um ungeimpfte Patienten. „Ich würde immer zu einer Impfung raten.“

Die meisten Abstriche weisen den Influenza Typ B nach. Der Typ A ist deutlich seltener zu finden, teilt das Kreisgesundheitsamt mit. In diesem Jahr habe die Grippe verhältnismäßig früh und heftig zugeschlagen, besonders kleine Kinder seien betroffen, erklärte der Leiter des Fachbereichs Gesundheit des Kreises, Kai Giermann. „Das liegt daran, dass der Dreifachimpfstoff in diesem Jahr kein Treffer war“, so Giermann weiter. Diejenigen, die sich gegen Aufpreis mit dem Vierfachimpfstoff hätten impfen lassen, seien von dem grassierenden Grippevirus weitestgehend verschont geblieben. Dennoch rät auch Giermann grundsätzlich immer dazu, sich impfen zu lassen. Vor allem Risikogruppen wie Herz-Kreislauf-, oder Lungenerkrankte sowie kleine Kinder, da diese besonders anfällig für die Viren seien. Aber auch gesunde Menschen sollten sich impfen lassen, um den sogenannten Herdenschutz zu gewährleisten. „Pandemien und Epidemien können durch Impfungen zum Stillstand gebracht werden“, erklärte Giermann. Dass die zuständigen Wissenschaftler mal einen falschen Grippe-Impfstoff ermitteln, bleibe nicht aus, da sie nie genau wüssten, in welcher Weise die Viren mutieren. Aber: „Viren gibt es immer, deshalb ist die durch das Impfen gewonnene Immunität ja nicht hinfällig, sondern bleibt bestehen“, so Giermann.

Der Leiter des Fachbereichs Gesundheit geht davon aus, dass die Zahl der Infektionen spätestens nächste Woche wieder zurückgehen wird. Denn die Epidemie rolle einmal wie eine Welle übers Land und klinge dann wieder ab. Um sich gegen eine Erkrankung zu schützen, gelten ganz einfache Hygienemaßnahmen: „Händewaschen und nicht einfach in den Raum hinein niesen“, so Giermann. Wenn man niesen müsse, dann nicht in die Hände sondern in die Armbeuge.

Sollte es einen dennoch erwischen, dann solle man unbedingt zu Hause bleiben und Menschenansammlungen meiden, um nicht weitere Personen anzustecken. Bethge rät seinen Patienten zudem, viel zu trinken und sich bei einer richtigen Grippe mindestens eine Woche lang auszukurieren.

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