Lärm, Müll, Vandalismus : Grillpartys in Solitüde: Frau tritt am Strand in glühende Asche

Überquellende Müllbehälter: Alltag in Solitüde. Fotos: Dommasch / privat
Überquellende Müllbehälter: Alltag am Ostseebad. Fotos: Dommasch / privat

Klagen über nächtliche Grillpartys an den Flensburger Stränden Solitüde und Ostseebad reißen nicht ab.

shz.de von
09. Juli 2018, 06:45 Uhr

Flensburg | Es passierte am Wochenende. Eine junge Frau geht bei schönstem Sommerwetter am Strand von Solitüde spazieren. Die Sonne brennt auf der Haut, der Sand ist aufgeheizt. Doch plötzlich hat sie das Gefühl, in ein Feuer zu treten. Ihr Fuß ist in eine notdürftig abgedeckte Grillmulde gesunken. Die noch glühende Asche fällt über dem Fußrücken zusammen. Es sind höllische Schmerzen, von denen die Flensburgerin unversehens heimgesucht wird.

Sie kommt sofort in ein Krankenhaus. Schwerste Verbrennungen. Hauttransplantation in einer Spezialklinik für Brandverletzte in Lübeck. Die Frau ist über Monate krankgeschrieben, hat sich völlig in sich zurückgezogen.

Scherben, volle Plastiktüten, Alu-Schalen, Bierdosen

Die Klagen über Vermüllung, nächtliche Partys und Grillfeste in Solitüde lassen sich ohne Abstriche auf den Strand von Ostseebad übertragen. Viele Anwohner nutzen ihren eigenen Strand nicht mehr, weichen aus nach Wassersleben oder weiter entfernte, saubere Strände. Lehrer Dirk Höhle ist mit dem gesamten 5. Jahrgang der Comenius-Schule zum Schulausklang nach Ostseebad gekommen. Sie spielen Volleyball, voller Vorfreude auf die Sommerferien. Höhle weist auf den Sand, der durchsetzt ist mit Resten von Grillkohle. Er wohnt nicht weit entfernt in der Straße Im Tal. „Es läuft hier einiges aus dem Ruder“, stellt er fest. „Autos fahren manchmal bis an den Strand – und dann wird Party gemacht.“

Keine Lagerfeuer! Hinweis am Ostseebad.
Keine Lagerfeuer! Hinweis am Ostseebad.
 

Die Leidgeprüften greifen in der Not zur Selbsthilfe und schließen die Schranke an der Zufahrt zum Strand. Anwohner Wolfgang Schmütz aus dem Friedrichstal: „Auch das Parken in der angrenzenden Spielstraße wird zur Normalität.“ Manchmal seien es bis zu zehn Gruppen gleichzeitig, die den Grill anschmeißen oder Lagerfeuer entfachen, bisweilen würden sogar Äste der umstehenden Bäume abgeschlagen – als willkommenes Brennmaterial. Am schlimmsten seien die Hinterlassenschaften, sagt Christian Thal, der am Friedrichstal wohnt: Scherben, volle Plastiktüten, Alu-Schalen, Bierdosen und mehr. „Und wenn nicht geräumt wird, kommen die Möwen und fleddern alles auseinander.“

Er deutet auf das DLRG-Gebäude: „Hier werden auch gern mal die Scheiben zertrümmert. Und keiner kümmert sich!“ Mehrfach soll die Polizei gerufen worden sein. Zuletzt, als eine schwer betrunkene Person hilflos auf der Brücke gelegen habe.

Personalmangel bei der Ordnungsbehörde

Über die Aktivitäten der Hafen GmbH und des TBZ gibt es unterschiedliche Auffassungen. „Sie räumen jeden Tag sehr fleißig die Müllberge weg, aber sie kommen kaum hinterher“, sagt Wolfgang Schmütz. Seine Frau Bente moniert, dass am Wochenende die überquellenden Müllbehälter nicht geleert würden. „Wir müssen selbst dafür sorgen, wenn wir frühmorgens baden.“ Für die Sommermonate sei offenbar eine Ein-Euro-Kraft eingestellt worden. Immerhin.

In Betonringen sollen die Reste der Grillkohle entsorgt werden – das klappt manchmal sogar.
In Betonringen sollen die Reste der Grillkohle entsorgt werden – das klappt manchmal sogar.
 

Anrufe bei der Stadt Flensburg führten nur zu der Auskunft, dass Personalmangel bei der Ordnungsbehörde eine Ursache sei, um die Verursacher anzusprechen. Auch über die TBZ-App soll es schon reihenweise Beschwerden und aussagefähige Fotos gegeben haben. Geoffrey Warlies, Sprecher des Technischen Betriebszentrums, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass innerhalb der Badesaison ab 1. Mai eine tägliche Sichtung und gegebenenfalls Reinigung der Flensburger Strände sichergestellt ist. Es gebe genügend Abfallbehälter und Betonringe zur Entsorgung der Asche. Gleichwohl, die Anwohner sind sich einig: Das „Ostseebad“ ist nicht mehr das, was es einmal war.

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