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Harrislee bei Flensburg : Griff in die Kasse: Beamtin muss ins Gefängnis

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Sie soll sich jahrelang mit dem Griff in die Gemeindekasse von Harrislee bei Flensburg monatlich bis zu 20.000 Euro Bargeld verschafft haben. Nun muss die 59-Jährige für vier Jahre und zwei Monate in Haft.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 10:41 Uhr

Harrislee | Für den Griff in die Gemeindekasse von Harrislee bei Flensburg soll eine ehemalige Kassenleiterin vier Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Die suspendierte Beamtin machte sich der besonders schweren Untreue in sechs Fällen mit einem Gesamtschaden von rund 600.000 Euro schuldig, urteilte das Kieler Landgericht am Donnerstag. Von Sommer 2002 bis Sommer 2005 verschleierte die 59-jährige Angeklagte durch gezielte Falschbuchungen von Sozialleistungen und bewusste Nichteinträge ins Kassenbuch systematisch ihre Barentnahmen, sagte der Vorsitzende Richter Felix Lehmann. Der Staatsanwalt hatte wegen besonders schwerer Untreue in 193 Fällen  vier Jahre und neun Monate Gesamtstrafe gefordert, die Verteidigung Freispruch. Sie kündigte Revision an. Mit Rechtskraft des Urteils würde Annemarie F. ihre Pensionsansprüche verlieren.

Laut Anklage verschaffte sie sich monatlich bis zu 20.000 Euro Bargeld. Das entnommene Bargeld soll die Ex-Leiterin der Gemeindekasse durch Buchungen systematisch so verschleiert haben, dass es nicht auffiel. Die Fehlbeträge wurden erst entdeckt, als die EDV umgestellt wurde. Insgesamt klagt die Gemeinde über einen Fehlbestand von 2,3 Millionen Euro.

Die suspendierte Beamtin hatte die Anklage bestritten. Ihr Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert, die Vorwürfe seien nicht nachzuweisen. „Ich habe der Gemeinde nie einen Cent gestohlen“, sagte die damalige Kassenleiterin vor Gericht. Sie räumte aber während des Prozesses ein, dass sie überlastet gewesen sei und immer Rückstände aufgearbeitet habe. Bei Buchungen will sie auf Anweisung des damaligen Kämmerers gehandelt haben. Das Ermittlungsverfahren gegen den inzwischen gestorbenen Mann war aber bereits eingestellt worden.

Zu ihrem Buchungsverhalten meinte Annemarie F., bis sie etwas im Computer verbucht habe, „können schon Tage oder Wochen dazwischen gewesen sein“. Dabei habe sie viele Posten pauschal zusammengefasst. „Es war mir neu, dass ich alles hätte einzeln eintragen müssen. Das ist nie beanstandet worden.“

Energisch hatte Annemarie F. der Annahme des Staatsanwaltes im Prozess widersprochen, sie habe mit dem veruntreuten Geld den Lebenserwerb für sich und ihre Familie sichern wollen. Nach ihren Worten verdiente ihr Mann mit seiner Traberzucht in dem betreffenden Zeitraum 380.000 Euro. Das meiste floss dabei bar, wie sie sagte. Damals seien zwar viele Zuchtbetriebe in Insolvenz gegangen. Ihr Mann habe aber erst von 2007 an Schwierigkeiten gehabt. In jenem Jahr nahm die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf. Die Gemeinde hatte zuvor versucht, die fehlenden Beträge buchhalterisch aufzuspüren.

2007 wurde Annemarie F. krank. Sie war Ende 2005 mit den Fehlbeträgen konfrontiert worden. Dann seien Rechnungsprüfungsamt und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet worden. „Die haben ja ein Jahr lang mit der Differenz gelebt und sie gesucht“, sagte sie.
Die Frau, die 37 Jahre lang für die Gemeinde gearbeitet hat, bezieht derzeit eine gekürzte Pension.

Die Gemeinde Harrislee gilt als eine der wohlhabendsten in Schleswig-Holstein. Rund 1,5 Millionen der fehlenden 2,3 Millionen Euro sollen vor dem Verwaltungsgericht eingeklagt werden.

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