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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 20:49 Uhr

Griechenland an der Förde

vom

250 Besucher feierten am Wochenende das 20-jährige Bestehen der Flensburger Deutsch-Griechischen Gesellschaft

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Flensburg | Wenn Asterios Pazianas in einigen Tagen wieder seine griechische Heimat besucht, wird er dort sicher erneut mit dem beliebt-radikalen Vorwurf "Merkel!" konfrontiert werden. Dann wird er seine Landsleute einmal mehr fragen, ob sie die deutsche Regierungschefin persönlich kennen - oder ob sie nicht lieber reflektieren sollten, was ihnen "die eigenen Politiker angetan haben, die sie jahrelang gewählt haben", formuliert er eindeutig.

Solch gewissermaßen gesamteuropäischen Einblicke eröffnet das Gründungsmitglied der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Flensburg auf Nachfrage. Er selbst lebt fast ein halbes Jahrhundert in Deutschland, hat hier mit seiner deutschen Ehefrau zwei Kinder großgezogen. Wegen divergierender politischer Auffassungen ist er 19-jährig gleich nach dem Abitur über Österreich nach Deutschland gekommen, hat Sozialpädagogik studiert (was ihm in Griechenland verwehrt geblieben wäre) und lange Jahre für die Diakonie als Sozialarbeiter an der Integration ausländischer Mitbürger gewirkt. Seine eigene lebt er längst so selbstverständlich, dass sie eigentlich gar kein Thema mehr ist. Gleichwohl hält der Ruheständler an seiner griechischen Staatsbürgerschaft fest - "ich fühle mich auch so voll integriert", sagt er.

Mit vielen Freunden hat Asterios Pazianas am Sonnabend das 20-jährige Bestehen der Flensburger Deutsch-Griechischen Gesellschaft (DGG) gefeiert. Rund um die Bergmühle und in deren Inneren gab es anregend-interessante Gespräche und zahlreiche Aktivitäten. Vorsitzender Günther Wahlen konnte etwa 250 Besucher begrüßen.

Gut 50 (meist deutsche) Mitglieder weist der Kulturverein aus, der das gegenseitige Verständnis zwischen Griechenland und Deutschland fördern will - ein Thema, das sich von ursprünglichen "Gastarbeiter"-Fragen zum heutigen Wirtschaftskrisenstatus dramatisch gewandelt hat. Darauf ging auch die griechische Konsulin ein, die extra zum Jubiläumsfest aus Hamburg angereist war: Ihr Land habe in den vergangenen drei Jahren alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, um das Vertrauen in sich selbst wiederzufinden. Drastische Reformen hätten jedoch zu unsäglichen sozialen Härten geführt mit vielen Arbeitslosen und einer Viertelmillion Menschen, die ihren Hunger täglich nur in kirchlichen Einrichtungen stillen könnten. "Ich danke Menschen wie Ihnen für 20 Jahre Arbeit für gegenseitiges Verständnis, die uns Zuversicht schenkt. In einem solchermaßen gestalteten Europa möchten wir auch in Zukunft leben wollen", sagte Ekaterini Dimakis.

Bei allem Ernst der Lage wurde das 20-jährige Bestehen der Deutsch-Griechischen Gesellschaft angemessen begangen, schließlich können die Griechen wunderbar feiern. Souvlaki vom Grill, Retsina und weitere Leckereien sorgten für angenehm-kulinarisches Ambiente, typisch griechische Musik lud live zum - reichlich genutzten - Tanzen ein. Eine gut bestückte Tombola sollte einen Überschuss erbringen, den die Flensburger "Griechen" über ihre Kontakte gezielt zur Hilfe vor Ort einsetzen wollen, zum Beispiel mit Medikamenten für Krankenhäuser.

Auch Reinhild Dresler und Tove Sandkamm waren zum Jubiläumsfest in die Bergmühle gekommen. "Uns gefallen unter anderem die Musik und das Essen", fassten die Freundinnen aus Wassersleben und Harrislee ihr Interesse an griechischer Kultur in dieser Form zusammen, mit dem die Deutsch-Griechische Gesellschaft Flensburg auch auf ihre anderen Aktivitäten aufmerksam machen wollte.

Weitere Informationen im Internet unter

www.dgg-flensburg.de

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