Deutsches Haus : Grenzwertiger Abend mit Dieter Nuhr in Flensburg

Warum macht er das bloß? Zynische Späße verwässerten Nuhrs Auftritt im Deutschen Haus.
Warum macht er das bloß? Zynische Späße verwässerten Nuhrs Auftritt im Deutschen Haus.

Teils klasse, teils peinlich: ein Comedy-Abend im Deutschen Haus mit Schwächen. Denn Nuhr hat ein Problem mit der Verortung der Gürtellinie.

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25. November 2013, 08:03 Uhr

Flensburg | Er steht allein an einer kleinen bunten Kanzel vor einem sakral-violetten Vorhang und predigt über Gott und die Welt. Dieter Nuhr singt keinen hingebungsvollen Soul, biedert sich seinem Publikum nicht mit irgendeinem Bühnenzauber an und füllt dennoch bundesweit große Hallen – wie am Freitag das Deutsche Haus.

Entgegen dem Titel seines neuen Programmes „Ein Traum“ wird es richtig handfest: Nach einigen derben Einsteigerwitzen gelingen Nuhr intelligent gestrickte Seitenhiebe auf Abhöraffären, den Sport, die Obama-Merkel-Connection und das ist vergnüglich. Doch aus Spaß wird auch bei Nuhr Ernst, wenn es um die nörgeligen Deutschen mit ihren Ansprüchen und diversen Ängsten geht. „Wir leben in historisch richtig guten Zeiten“, diese Aussage belegt er mit Fakten, die kurzfristig nachdenklich machen. Dazwischen immer wieder ironische Geschichten, die den Saal in Wallung bringen. Viele seiner Statements kommen durchaus auf den Punkt: „Wir übertragen unsere Befürchtungen schon auf Kinder im Vorschulalter!“

Es hätte ein durchaus komischer Abend werden können, wären da nicht diese Hiebe unter die Gürtellinie, die zynischen Abwertungen. Da greift Nuhr dann derbe zu den Frauen, denn über Migranten und Schwule kann man ja keine Witze mehr machen. Mit grenzwertigen Äußerungen wie die über ungepflegte Mütter, die erschöpft ihre Kinderwagen schieben und fast Ekel erregend an Supermarktregalen fischen, schraubt der Comedian das Niveau herunter und huldigt einem schmuddeligen Zeitgeist. Auf diese Ebene hat sich Dieter Hildebrandt nie begeben und konnte als echter Kabarettist trotzdem das Publikum in Begeisterung versetzen.

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