Flensburger Blaulichttag : Grenzpatrouille mit der Bundespolizei

Die Bundespolizei fahndet nach Diebesbanden, die  in Dänemark auf Diebestour gehen und die Beute über Deutschland nach Osten zu schaffen versuchen.
Die Bundespolizei fahndet nach Diebesbanden, die in Dänemark auf Diebestour gehen und die Beute über Deutschland nach Osten zu schaffen versuchen.

Sie kontrollieren die 69 Kilometer lange deutsch-dänische Grenze, „schwimmen auf der Autobahn mit“ und sind in den Zügen der drei Hauptbahnstrecken in SH unterwegs: die Beamten der Bundespolizei.

shz.de von
11. Juni 2014, 19:36 Uhr

Flensburg | Hektik in der Leitstelle. Gerade ist die Meldung von dem Schiffsunglück auf Amrum eingelaufen; die Bundespolizei ist um Hilfe gebeten worden. Jetzt geht es darum, Hubschrauber der Bundespolizei von Bad Bramstedt über Husum nach Wittdün zu lotsen. Die Kollegen können die Hörer nicht mehr aus der Hand legen, es kommt auf jede Minuten an. Es soll 20 Verletzte geben – am Ende sind es 27.

In diesem speziellen Fall geht die Bundespolizei fremd. Sie leistet Amtshilfe. Denn die großen Hubschrauber, mit denen sie zur Hilfe düsen, sind eigentlich keine Rettungshubschrauber, sondern Truppentransporter. „Natürlich helfen wir gern“, sagt Hanspeter Schwartz, Öffentlichkeitsarbeiter der Inspektion Flensburg, zu der 250 Polizeibeamte gehören. Die Inspektion deckt einen großen Teil Schleswig-Holsteins ab – den gesamten Norden, den ganzen Westen bis an die Grenzen Hamburgs und einen teil der Mitte mit Neumünster. „Das sind etwa 60 Prozent der Fläche des Landes.“

Auf einem Flur der Dienststelle an der Valentiner Allee sitzen drei junge Männer und sprechen arabisch miteinander. Es sind Syrer, die eine Streife heute im Zug nach Dänemark aufgegriffen hat. Das sind „unerlaubt Aufhältige“, wie es im Fachjargon heißt. Mit ihnen haben es Hanspeter Schwartz und seine Kollegen fast täglich zu tun. Sie kontrollieren die 69 Kilometer lange deutsch-dänische Grenze, sie „schwimmen auf der Autobahn mit“, sie sind in den Zügen der drei Hauptbahnstrecken in Schleswig-Holstein unterwegs.

Die drei Syrer wurden erkennungsdienstlich behandelt, sie haben keinen Asylantrag gestellt. Das heißt, sie werden nach Neumünster überstellt. Sie werden nicht wie Straftäter behandelt, zwei gehen vor die Tür, um zu rauchen. „Uns geht es nicht um den armen Flüchtling“, sagt Schwartz, „wir wollen an die Hintermänner ran, die Schleuser.“

Zellen gibt es allerdings auch in der Dienststelle, sie sind hell, neu und sauber, wirken trotzdem nicht wirklich einladend. „Wenn wir Gruppen mit Kindern haben, gibt es Spielzeug für die Kleinen. Die sitzen dann hier auf dem Boden und spielen, während die Erwachsenen warten.“ Im Moment spiele sich viel in den Zügen und auf der Autobahn ab, selten werden Menschen erwischt, die zu Fuß über die grüne Grenze gehen.

Neben den „unerlaubt Aufhältigen“ beschäftigt die „Verbringungskriminalität“ die Flensburger Bundespolizisten. Das bedeutet, dass Diebesbanden – oft aus osteuropäischen Ländern – in Dänemark auf Diebestour gehen und die Beute über Deutschland nach Osten zu schaffen versuchen. „Da schauen wir dann nach besonders tief liegenden Kleinlastern“, schmunzelt Schwartz.

Gern erinnert er sich an einen, der voller Surfbretter war. Dummerweise lag ein Flyer einer Surfschule an der dänischen Westküste dabei. Kurzer Anruf dort – ja, es werden etliche Surfbretter vermisst, vermutlich geklaut. „Da konnten wir helfen“, freut sich Schwartz noch heute. Als top bezeichnet er die Zusammenarbeit mit den dänischen Kollegen. Es gibt eine Standleitung zur dänischen Ausländerbehörde, in Pattburg teilen sich deutsche und dänische Polizisten eine Dienststelle. Mittlerweile dürfen flüchtige Verdächtige über die Grenze verfolgt werden, „für den Zugriff sind dann die jeweils einheimischen Kollegen zuständig“.

Seit vier Jahren ist die Bundespolizei im früheren Telekom-Gebäude an der Valentiner Allee untergebracht. Von den 250 Leuten sind 100 in Flensburg und Harrislee, die weiteren in Bredstedt, Brunsbüttel (Kontrolle der Kanalschifffahrt) und in Neumünster (Bahn) angesiedelt.

> Insgesamt 19 Rettungs- und Hilfsorganisationen von A wie vom Arbeiter-Samariter-Bund bis Z wie Zoll bringt die Bundespolizei am 5. Juli zusammen. Gemeinsam werden sie an diesem Tag von 10 bis 17 Uhr an der Hafenspitze die Arbeit der Retter und Helfer präsentieren.

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