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Bahnhof in Flensburg : Grenzkontrollen in Schweden – Flüchtlinge verunsichert

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Wie geht es weiter für die Flüchtlinge, die über Flensburg nach Schweden reisen wollen? Die Helfer am Bahnhof fühlen sich gut vorbereitet.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 16:23 Uhr

Flensburg | Donnerstagmittag, 12.30 Uhr. Seit einer halben Stunde kontrolliert Schweden wieder die Grenzen. Was das für Flensburg bedeutet, ist noch ungewiss. Noch ist es ruhig, auch weil aktuell nur wenige Flüchtlinge am Bahnhof sind. Doch wie geht es in den nächsten Tagen weiter? Kommen in Schweden abgewiesene Flüchtlinge zurück? Bleiben sie gleich in Flensburg, oder schaffen sie es doch in ihr Wunschland Schweden? Das können auch die Helfer von Refugees Welcome Flensburg nur schwer einschätzen - und sie fragen sich, ob das aktuell wohl die Ruhe vor dem Sturm ist.

Dennoch: Die Flüchtlinge, die nach Skandinavien weiterreisen wollen, sind nervös, die Stimmung unter ihnen ist angespannt. Sie wissen nicht, was sie in Dänemark und Schweden erwartet. Nur etwa 20 Prozent der Flüchtlinge am Bahnhof haben einen Pass. Und sie haben viele Fragen. Das erzählt Inas El-Hachache, die hier seit Wochen Refugees Welcome Flensburg unter anderem als Dolmetscherin unterstützt. „Wenn die Leute weiterreisen wollen, halten wir sie nicht auf“, erzählt die junge Frau. Auch wenn sie selbst glaubt, dass viele von ihnen wieder zurückkommen werden.

Flüchtlinge in der Bahnhofshalle in Flensburg.
Flüchtlinge in der Bahnhofshalle in Flensburg. Foto: Anna Gellner

Einer derjenigen, die es trotz Grenzkontrollen versuchen wollen, ist Nemet Nezeri aus Afghanistan. Der 17-Jährige hat keinen Pass. „Aber ich will versuchen, über die Grenze nach Schweden zu kommen“, erzählt er auf Englisch. Seine Tante ist schon dort, er will ihr folgen. Sein Ticket hat er schon gekauft. Mit dem Zug will er um 13 Uhr in Richtung Skandinavien aufbrechen. Geplante Ankunft in Malmö: 17.36 Uhr. 

Dass nicht alle so optimistisch sind wie der 17-Jährige, ist auch draußen zu erkennen. Die Busse nach Dänemark - in den vergangenen Tagen immer voll - haben Schwierigkeiten, Mitfahrer zu finden. Es gibt keine feste Abfahrtzeiten, die Busfahrer stehen draußen oder setzen sich ins Café, um sich dort die Zeit zu vertreiben. Zum Vergleich: Noch am Sonntag sind insgesamt 16 Busse von Flensburg aus in Richtung Skandinavien gestartet, besetzt mit jeweils 54 Personen. Gedränge am Einstieg war eher die Regel als die Ausnahme.

„Wir informieren die Leute über die politische Situation, geben ihnen aber keine Empfehlung“, erzählt Nicolas Jähring, ebenfalls Helfer bei Refugees Welcome. Auch darauf, dass es in Dänemark vermehrt Kontrollen auf der Autobahn geben soll, macht er die Menschen aufmerksam. Weil die Menschen genau davor Angst hätten, würden sich viele Flüchtlinge für die Weiterreise mit der Bahn entscheiden.

Auch wenn es nicht möglich ist, die nächsten Tage genau einzuschätzen - die Helfer sind sich sicher, auch noch mehr Menschen gut versorgen zu können, die möglicherweise in Flensburg stranden. „Wir stehen in engem Kontakt zu verschiedenen Gruppen wie zum Beispiel der Feuerwehr“, erzählt Jähring. Im Fall des Falles würde auch die einspringen und die ankommenden und gestrandeten Flüchtlinge mit Essen und Trinken versorgen. Einer der Helfer schätzt, dass man bis zu 700 Flüchtlingen spontan einen Notschlafplatz bieten könnte. Auch die Kleiderkammer ist gut gefüllt. Sollte den Helfern doch mal etwas fehlen, posten sie es bei Facebook. Wenig später sind die dringend benötigten Dinge da - denn die Hilfsbereitschaft der Flensburger für Flüchtlinge ist nach wie vor groß.

Derweil hat Innenminister Stefan Studt (SPD) jedoch bekanntgegeben, dass Schleswig-Holstein seit Donnerstag keine aus Bayern überstellten Flüchtlinge mehr aufnehme. Angesichts der geänderten Grenzkontrollen in Schweden sei dies eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht zu viele Flüchtlinge in Schleswig-Holstein zu haben. Der vorübergehende Aufnahmestopp von Flüchtlingen, die aus Bayern in andere Bundesländer gebracht werden, sei mit der zuständigen Bund-Länder-Koordinierungsstelle abgesprochen, sagte Studt.

Eine genaue Einschätzung, was Schweden tatsächlich plane, sei zur Stunde nicht möglich, sagte Studt. Er verwies auf eine Kabinettssitzung in Stockholm am Donnerstag, deren Ergebnisse noch nicht bekannt seien.

Schleswig-Holstein stehe mit den Bundesbehörden, aber auch mit den skandinavischen Polizeibehörden in engem Kontakt. Von der dänischen Polizei gebe es bisher keine Signale, von ihrer bisherigen Praxis mit Stichproben-Kontrollen abzuweichen. Insofern sei eher mit Problemen an der dänisch-schwedischen Grenze zu rechnen. Studt betonte, dass Schweden nach den bisherigen Informationen lediglich in Südschweden Kontrollen einführen wolle, nicht aber in Ostschweden. Es bleibe abzuwarten, ob sich die Flüchtlingsströme möglicherweise dorthin verlagerten.

 

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