Käte Lassen : "Grenzgängerin der Moderne"

Große Künstlerin: Käte Lassen.
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Große Künstlerin: Käte Lassen.

Bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete Käte Lassen in einem Hof am Holm. In Flensburg lebt ihre Kunst vor allem in den von ihr gestalteten Kirchenfenstern von St. Marien fort.

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22. Oktober 2009, 11:40 Uhr

Flensburg | "Ja, sie ist ganz anders. Aber sie ist ganz wahr, und sie hat es sich nie leicht gemacht. Ich achte sie sehr." Mit diesen Worten charakterisierte Emil Nolde, der große Expressionist aus Seebüll, mit Respekt das Werk seiner Künstlerkollegin Käte Lassen (1880-1956). Die Flensburgerin, die ihr Leben ganz der Kunst widmete, gilt als die bedeutendste und vielseitigste schleswig-holsteinische Malerin des 20. Jahrhunderts. Die Kunstkritik von heute sieht in der Malerin und Grafikerin eine "Grenzgängerin der Moderne".

Sie wurde in eine alteingesessene Flensburger Goldschmiedefamilie hinein geboren. Die Eltern erkannten und förderten das künstlerische Talent von Käte und ermöglichten dem jungen Mädchen den Besuch der Hamburger Gewerbeschule, um dort zeichnerische Grundkenntnisse zu erlangen. Entscheidend geprägt aber wurde sie an der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins in München, der damaligen deutschen Kunstmetropole. Sie war eine herausragende Schülerin, ihre Arbeiten fanden Lob und Anerkennung. In dieser Zeit orientierte sie sich stark an der so genannten "Arme-Leute-Thematik" von Käthe Kollwitz.

1904 kehrte sie in den Norden zurück und widmete sich zunächst Menschen- und Alltagsstudien in einem Fischerdorf an der Flensburger Außenförde. Mit diesen Arbeiten hatte sich Lassens Zeichenkunst zur Reife entwickelt. Die Skandinavienbegeisterung führte sie 1905 und später immer wieder nach Dänemark. Wieder zu Hause in Flensburg, konnte sie ein Atelier beziehen, das ihr Vater im hinteren Flügel des elterlichen Wohnhauses eingerichtet hatte und das ihr bis zu ihrem Lebensende als Wohn- und Arbeitsplatz diente.
Verhältnis zum Nationalsozialismus gibt Rätsel auf
Seit der Jahrhundertwende beteiligte sich Käte Lassen an Ausstellungen in Schleswig-Holstein, die erste Einzelschau ermöglichte ihr ihre Heimatstadt Flensburg 1907. Ein Atelier-Aufenthalt in Paris währte nur neun Monate - "die Sehnsucht nach dem Norden lässt sich nicht unterdrücken", wie sie schrieb. In Flensburg legte sie die Lithographie-Mappe "Aus den alten Winkeln der Stadt" vor und gestaltete das Wandbild in der Heilandskapelle von Flensburg-Weiche. Es folgten zahlreiche weitere öffentliche Aufträge, darunter Glasfenster für Kirchen und Wandgemälde für Schulen, aber auch - und zwar in der NS-Zeit - ein Wandbild für das örtliche Polizeipräsidium mit einem Schäferhund als Motiv und ein großformatiges Hitler-Porträt für die Flensburger Creditbank - zwei Arbeiten, die Fragen nach dem Verhältnis der Künstlerin zum Nationalsozialismus aufwerfen.

Als nach dem Kriege die beschädigten Kirchenfenster von St. Marien ersetzt werden sollten, fiel die Wahl auf Käte Lassen: Sie entwarf eine Gesamtkonzeption von sieben monumentalen Fenstern, von denen sechs ausgeführt wurden. Die Fertigstellung des sechsten Fensters, das Christi Himmelfahrt thematisiert, aber konnte sie nicht mehr erleben. Einige Monate vorher war sie an den Folgen eines Sturzes verstorben.

.Die Beiträge der Serie "Flensburger Köpfe" erscheinen am 6. November in Buchform.

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