Wirtschaft vor Ort : Gratis-Hilfe auf der Tannenbaumfarm

Rundumservice: Auch selbst geschlagene Bäume verpackt Wolfgang Schnau professionell. Foto: Kuhl
Rundumservice: Auch selbst geschlagene Bäume verpackt Wolfgang Schnau professionell. Foto: Kuhl

Seit 25 Jahren nutzt Landwirt Wolfgang Schnau die auftragsarme Saison für Hege und Verkauf von Weihnachtsbäumen und beschäftigt Helfer - gratis.

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09. Dezember 2009, 12:44 Uhr

Brebel | Denkt mancher an Weihnachtsbäume und Nordmanntannen, fallen gleich riesige Waldgebiete in Skandinavien ein, aus denen lastzugweise die Stimmungsbringer herangekarrt werden. Auch in der Region oberhalb des Nord-Ostsee-Kanals haben Landwirte den Anbau geprobt. Aber nach dem Preisverfall der letzten Jahre und der Erkenntnis, dass auch diese Kulturen viel Arbeit machen, haben die meisten den Anbau wieder aufgegeben.

Wolfgang Schnau aus Brebel ist seines Wissens nach der letzte, der noch Weihnachtsbäume in Angeln gewerblich anpflanzt. Er besitzt einen Landschaftsbaubetrieb in Brebel und nutzt die Weihnachtsbaumkultur, um die auftragsarme Saison zu überbrücken.

Bereits vor 25 Jahren, als er den Betrieb übernahm, hat er Weihnachtsbäume angepflanzt - damals noch Blau- oder Rotfichten. Dann folgte eine Pause. Aber seit 15 Jahren pflanzt er wieder - diesmal die inzwischen überaus beliebten Nordmanntannen. Auf etwa acht Hektar - vor allem in Brebel und Schrepperie - stehen die immergrünen Bäume. Gepflanzt werden die etwa dreijährigen Nadelgehölze zu dieser Jahreszeit. "Im Herbst bildet jede Pflanze bei mildem Wetter noch Faserwurzeln aus und kann im Frühjahr gleich loswachsen", erklärt Schnau. Frühjahrspflanzungen könnten durch Trockenheit Stress und dadurch Wachstumsstörungen bekommen.

Tierisch zuverlässige Unkrautknabberer

Der Samen der Pflänzchen kommt aus Russland. Er wird in speziellen Gärtnereien in Pinneberg ausgesät, mit denen der Verband Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten Lieferverträge hat. Nach der Pflanzung ist vor allem die Unkrautbekämpfung wichtig.

Für diese Arbeit hat Schnau seit etwa acht Jahren 20 Mitarbeiter, die zwar eine gehörige Portion Aufmerksamkeit, aber nur geringen Lohn erwarten - dabei aber sehr zuverlässig sind. Es handelt sich um Shropshire-Schafe, die speziell darauf gezüchtet sind, jede Pflanze aufzufressen, die keine Tanne ist. Nur Brombeeren und große Distelfelder muss der Landwirt noch von Hand entfernen. Auch düngen die Tiere die Kulturen. Schnau überlässt viel Arbeit den natürlichen Helfern. Die Anzahl der Vogelhäuser, die er in seinen Bäumen befestigt, ist Legion. Dafür hat er auch noch nie Spritzmittel gebraucht. Die Vielfalt des Lebens in seinen Kulturen ist aber für ihn nicht nur Ertragsgewinn: "Wenn man die Vögel, Erdwespen, wilde Bienen und Schwebfliegen sieht, macht es einfach Freude, durch die Anlagen zu laufen", bekennt er.

Zwischen sieben und zehn Jahren wächst ein Weihnachtsbaum, bis er eine Größe zwischen 1,50 und fünf Metern erreicht hat. In der Anfangszeit bedrohen Vögel seinen Wuchs, die Spitzen abbrechen sowie Rehe, gegen die man sich aber durch Wildschutzzäune absichern kann. Außerdem besteht immer die Gefahr von Nachtfrösten, die im günstigsten Fall den Wuchs eines Baumes um zwei bis drei Jahre verzögern können - wenn er denn überhaupt noch verwertbar ist. In diesem Frühjahr hat der Landschaftsbauer auf diese Art 3500 Bäumchen verloren. Auch führen die Nachtfröste zu ausgefallenem Wuchs, wie die Bildung von Doppelspitzen. Doch dafür finden sich ebenso wie für farblich ausgefallene Bäume immer wieder Liebhaber, die auf der Suche nach den Sonderlingen die gesamte Schonung durchforsten.

Denn einer der Hauptvertriebswege bei Wolfgang Schnau ist das Selberschlagen. Mit Säge und Maßband bewaffnet ziehen ganze Familien in seine Anbauflächen in Brebel und Schrepperie. 800 bis 1000 Bäume verkauft er auf diese Weise. Dazu kommen noch die Tannen, die seine fünf Mitarbeiter an Wiederverkäufer ausliefern oder auf den eigenen Verkaufsflächen am Edeka in Süderbrarup oder am Wikinger-Museum in Haithabu unters Volk bringen.

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