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Robbe & Berking Classics : Grandios: Pop trifft auf Klassik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Orchester und sieben Solisten überzeugten mit fein arrangierten Popsongs und opulent klingenden „Planeten“

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 12:39 Uhr

Es war eines dieser besonderen Ereignisse, bei dem nahezu alles stimmte und passte. Selbst das Wetter hatte sich zum Abend hin noch prächtig entwickelt, so dass das Publikum vor und nach dem Konzert sowie in der Pause unter dem Flensburger Sternenhimmel plaudern und genießen konnte. In der Werfthalle der Robbe & Berking Classics (klassische Yachten) wurde zweimal ein Stück Flensburger Kulturgeschichte geschrieben.

Das schien auch Theaterintendant Peter Grisebach geahnt zu haben, der sich diesen Auftritt „seines“ Orchesters nicht entgehen lassen wollte. Vier junge Leute, darunter drei Typen mit auffällig langen Haaren, setzten sich kurz vor Beginn direkt vor seine Nase – es waren vier der sieben Solisten, die sich trauten, ihre Lieder nicht nur mit einer Band, sondern mit einem ausgewachsenen Orchester live zu präsentieren. Ein Experiment, ganz sicher, und entsprechend nervös war Andreas Fahnert, der den Pop-Teil des Konzerts gestaltete, vor den ersten Tönen. Doch spätestens nach einer halben Stunde, als Simon Glöde seinen Auftritt hatte, konnte er sich entspannen. Denn was dieser junge Sänger in seinem Song „Lady in a Dress“ da bot, war allererste Sahne. Die Stimme, das Raunen, das Schmachten, die Kraft, das Charisma – ganz klar, dieser Junge hat’s drauf. Und das Orchester-Arrangement dazu – alle Achtung.

Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ging nicht um irgendwelche Standards, die auch jeder klassische Geiger kann. Die Songs sind eigene Gewächse der Solisten; sie mussten mit der Band geprobt werden, es mussten Arrangements geschrieben, es musste mit dem Orchester geprobt werden. Toll, dass Peter Sommerer und seine Musiker sich darauf einließen. „Die lieben das!“, verriet Intendant Grisebach in der Pause. In der Tat, man merkte den Musikern an, dass dieses Crossover ihnen Spaß machte.

Freunde des Orchesters und der klassischen Musik kamen auf ihre Kosten, weil mit Gustav Holsts „Planeten“ ein eher seltenes Werk zu hören war. Es lebt von der Opulenz des Klangs, von der enormen Dynamik zwischen leisesten Schwebeklängen und fettem Bombast. Nebenbei wurde der Beweis erbracht, dass klassische Musik im Zweifel viel lauter als Rock ist – oder sein kann. „Mars“ klang wie eine eigens bestellte Filmmusik zu einem Weltraum-Drama, „Neptun“ dagegen wie Meditationsmusik. Den stärksten Wiedererkennungseffekt löste sicherlich „Jupiter“ aus, den jeder regelmäßige Hörer eines Klassiksenders erkannt haben dürfte.

Die Solisten hatten Songs ausgesucht, die thematisch dazu passten. „Mercury what’s going on“, hatte Anette O’Driscoll zu Beginn gesungen. Sehr eindringlich, unterstützt von den Kontrabässen, geriet Guy Roberts zivilisationskritische Betrachtung „Back to Mars“. Ob Nora Oertel oder Synje Norland sowie Leon Kraack und Leon Mancilla – alle überzeugten, letzterer mit einem wunderbaren Song, der klanglich stark an die 70er erinnerte.

Der Veranstalter Iventus, der das finanzielle Risiko schulterte, hatte die Werfthalle mit viel Liebe zum Detail gestaltet – der schwebende Yachtrumpf schien von güldenen Wellen umspielt zu werden. Werftchef Oliver Berking schien mit der Zweckentfremdung seiner Halle durchaus einverstanden zu sein. Und wer nicht kommen wollte oder konnte – ausverkauft war das Konzert leider nicht – konnte eine sehr sehenswerte Live-Übertragung auf shz.de genießen.

 

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