zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 08:48 Uhr

Gott war ein Jude

vom

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Mit einer Gruppe schlendern wir durch Wittenberg. Die Stadtführerin hat viel zu bieten: Schlosskirche, Cranach-Höfe, Rathaus. Dann kommen wir zur Stadtkirche. Bugenhagen, der Reformator des Nordens, blickt als Büste auf unsere Gruppe.

Dann nur eine Ecke weiter: "Ja", sagt die Stadtführerin, "hier müssen wir noch einmal stehen bleiben. Hier oben an der Kirche ist etwas besonderes, die Judensau!" Wir glauben nicht richtig zu hören und blicken nach oben.

Tatsächlich, da ist sie, eine rund 700 Jahre alte in Stein gehauene Sau, darüber der Gottesname in hebräischen Buchstaben. An den Zitzen der Sau säugen Menschen - Juden. Jeden Tag, wenn die jüdischen Bürger Wittenbergs zum Stadtzentrum gelangen wollten, mussten sie an dieser in Stein gehauenen Demütigung vorbei - und müssen es noch.

Ein jüdischer Künstler hat genau darunter vier Platten im Boden eingelegt. Steinplatten, die so aussehen, als ob darunter etwas hervorquillt, was man zurückhalten wollte, was unter den Teppich gekehrt werden soll.

Ja, man kann das Geschehene nicht wegdrücken. Die Geschichte Deutschlands ist mit der Geschichte des Volkes Israels verbunden, auch wenn viele es wohl gerne unter dicken Steinplatten begraben würden.

Doch wir sind nicht nur durch eine heillose Vergangenheit mit den Juden verbunden. Es gibt etwas größeres als wir Menschen an Gutem und Bösem zustande bringen. In unserem Evangelium zu nächstem Sonntag - dem Israelsonntag - sagt Jesus Christus: "Das Heil kommt von den Juden".

Jesus Christus, in dessen Namen wir beten, der unser Gott ist, dieser menschgewordene Gott ist ein Jude. Da gibt es kein Wenn und Aber.

Das entlastet weder uns noch andere Völker von einer schwierigen Vergangenheit, aber es rückt manches wieder an den rechten Fleck und ermöglicht eine andere Zukunft.

Unser Heil kommt nicht aus menschlichen Siegen. Unser Heil, unser Schalom, kommt von Gott, der ein Jude war.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen