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Satellitenbilder : Google Earth: Flensburg ist eine Geisterstadt mit brauner Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Satellitenbilder bei Google Earth zeigen erstaunliche Details und eine besonders heftige Algenblüte in der Innenförde.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Flensburg | Wer seine Stadt gern von oben betrachtet, kann mit Hilfe des Kartendienstes von Google Earth seit kurzem ganz neue Details entdecken. Wesentliches farbliches Merkmal: Förde und Hafen sind braun, die Einfärbung ist vermutlich auf eine intensive Algenblüte im Spätsommer 2016 zurückzuführen. Außerdem ist Flensburg bei Google Earth eine Geisterstadt: Es ist weit und breit kein Mensch zu sehen, weder zu Fuß noch per Rad, obwohl die Aufnahmen vermutlich an einem Sonntag und zudem bei bestem Spätsommerwetter entstanden sind.

Das Update beim größten Anbieter von Vogelflugaufnahmen zeigt nicht zuletzt eine spannende Momentaufnahme mehrerer Aspekte der Stadtentwicklung. So ist als heller Fleck in brauner Umgebung die frei geräumte Harniskaispitze gut zu erkennen. Dort hat sich bis heute nichts geändert – anders als bei einem Fleck in gleicher Farbe auf der anderen Seite des Hafens. Das Einkaufszentrum an der Werftstraße ist mittlerweile aus dem Boden herausgewachsen. Ehrgeiziges Ziel des Bauherrn ist eine Eröffnung noch in diesem Jahr.

Kurz vor der Vollendung: Baugebiet am Wasserturm, noch ohne den Wasserlauf.
Kurz vor der Vollendung: Baugebiet am Wasserturm, noch ohne den Wasserlauf. Foto: Google Earth
 

Der Zeitpunkt der Aufnahme lässt sich ermitteln; Google selbst ist nicht in der Lage, ihn zu nennen. Online sind die Bilder etwa seit Jahresbeginn. Im Landschaftspark Twedter Mark südlich von Fahrensodde ist bei genauem Hinsehen eine weiß gesprenkelte Wiese zu erkennen; die Oeverseer Schafherde war hier im September 2016 zu Gast. In jenem Monat gastierte der Flensburger Fischmarkt am Sonntag dem 18. an der Schiffbrücke. Die nach Nordwesten fallenden Schatten der Bäume deuten zudem auf Mitte des Vormittags hin. Westliche Hafenspitze und Schiffbrückkai sind voller Buden und Stände, doch Besucher sieht man keine. Auch die stark frequentierte Promenade am Ostufer zwischen Hafenspitze und Sonwik ist komplett verwaist. Auch die leeren Parkplätze vor den Gebäuden großer Arbeitgeber und an den Einkaufszentren lassen auf einen Sonntag schließen.

Geometrie im Stadtbild: Die Exe mit den Wohncontainern.
Geometrie im Stadtbild: Die Exe mit den Wohncontainern. Foto: Google Earth
 

Die Aufnahme der Exe ist fast schon ein Dokument der Zeitgeschichte. Gut zu sehen sind die 14 Wohncontainer für die Unterbringung von Flüchtlingen, die ungefähr ein Viertel der gesamten Fläche einnehmen. Eher unscheinbar sehen die Behelfsbauten für Flüchtlinge an der Graf-Zeppelin-Straße und am Friedensweg aus.

Foto: Google Earth 3D

Urheber der Aufnahmen ist nicht Google selbst. Der US-Konzern greift unter anderem auf Aufnahmen des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie zurück, berichtet Robert Lehmann, Pressesprecher von Google Deutschland. „Google Earth enthält sehr viele Bilder, darunter Satelliten-, Luft-, 3D- und Street View-Bilder. Die Aufnahmen werden im Laufe der Zeit von entsprechenden Anbietern – beispielsweise Bundesamt für Kartographie und Geodäsie – und Plattformen erfasst“, so Lehmann weiter. Aktuelle Street-View-Bilder gibt es aus Datenschutzgründen für Flensburg nicht. Zwar waren Autos des Suchmaschinenkonzerns Ende 2016 auch in SH unterwegs, um Aufnahmen zu machen, dabei ging es aber um eine Verbesserung des Kartendienstes Google Maps. Google verfügt selbst nicht über eigene Flugzeuge für Luftbilder, sondern greift auf externe Anbieter zurück. 

Autos sind nur zu sehen, wenn sie stehen – also auf Parkplätzen oder vor einer roten Ampel. Eine Erklärung könnte sein, dass fahrende Autos nicht erfasst werden können, weil sie in Bewegung sind und es sich um Langzeit-Belichtungen handelt. „Generell werden Aufnahmen dort unkenntlich gemacht, wo es die Gesetze verlangen“, sagt Robert Lehmann.

Die Auflösung ist nicht überall in der Stadt die gleiche. Der größte Maßstab liegt etwa bei 1:250.

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