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Ruheforst Quellental : Glücksburg: Letzte Ruhe unter dem Blätterdach

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Beisetzungswald „Ruheforst“ in Glücksburg besteht Ende September fünf Jahre. 800 Verträge wurden geschlossen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Flensburg | In Quellental kann Ruhe finden, wer den letzten Schritt seines Lebens gemacht hat. Seit fünf Jahren bieten die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten am Rande Glücksburgs Beisetzungsstellen für Urnen an. Der Beisetzungswald liegt bei Glücksburg-Quellental direkt an der Flensburger Förde. Am 30. September 2010 wurde der „Ruheforst“ eröffnet.

Es fing mit 60 Beisetzungen im Jahr 2011 an. Im vergangenen Jahr waren es 110, sagt Klaus-Dieter Schmidt, zuständiger Förster. Mit seiner Frau Martina betreut er das 13 Hektar große Areal. Die meisten Hinterbliebenen verabschiedeten den Verstorbenen im engsten Familienkreis. Etwa fünf Prozent entschieden sich für eine kleine Andacht, weitere fünf Prozent für eine große Trauerfeier im Wald. Das Interesse daran nehme zu, sagt Schmidt. Zur bisher größten Feier wären 200 Gäste gekommen.

Seit Herbst 2010 zählte Schmidt 400 Beisetzungen. 800 Verträge sind bereits geschlossen worden. „Das hätte damals keiner erwartet, dass dieser Ruheforst so beliebt sein wird“, sagt der Förster. Im ersten Jahr hätten 50 Bäume mit zwölf Stellen zur Verfügung gestanden. Derzeit seien 350 Bäume „aktiv“, wie Schmidt die ausgewiesenen Buchen, Eichen und Ahorne nennt. Von ihnen sind 175 Stämme belegt.

Die Urnen müssen mindestens zwei Meter vom Stamm entfernt in die Erde eingelassen werden. Die vorgegebene Lochtiefe beträgt einen Meter. Oberhalb der Urne müssen 50 Zentimer Erde Platz haben. Bei dieser Tiefe lägen die Urnen unterhalb der Wurzelballen. Sturm Christian vor zwei Jahren zeigte, dass die Tiefe reiche, berichtet Schmidt. Es fielen oder brachen zwar 20 Bäume, doch es sei keine einzige Urne aus der Erde gerissen worden. Insgesamt fielen 40 Bäume dem Sturm zum Opfer. Sie blieben liegen und wurden durch junge Stämme der jeweiligen Sorte ersetzt.

In Glücksburg geht, was andernorts noch undenkbar ist: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde hat die Trägerschaft für den Ruheforst Quellental übernommen. Friedhofsverwalter Andreas Moorlang kümmert sich seitdem auch um die Beisetzungsstellen im Wald. Er öffnet und schließt die Erdlöcher mit dem Spaten, terminiert und begleitet die Urnenbeisetzungen. Förster Schmidt hat, bevor Morlang loslegt, den Ort der Beisetzungsstelle mit Hilfe von Fluchtstab und Kompass eingemessen.

Mit dieser neuen Bestattungsmöglichkeit riefen die Betreiber von Beisetzungswäldern viel Widerstand hervor. Kirchengemeinden sahen die Vollbelegung ihrer Friedhöfe schwinden. Und auch bei den Seebestattungen gebe es einen Rückgang, sagt Schmidt. Das bestätigt Peter Berg. Der Flensburger Bestattungsunternehmer verzeichnete bei den Beisetzungen auf See früher drei bis vier Prozent Zuwachs jährlich. „Der ist durch das Aufkommen der Beisetzungswälder etwas gebremst worden“, sagt er und spricht von nun einem Prozent.

„Für die Landesforsten ist es eine wirtschaftlich interessante Nutzung des Waldes“, sagt Schmidt, der weder Umsatz noch Budget nennen will. Der Hauptanteil des eingenommenen Geldes komme dem Wald zugute. Die Verwaltung liegt in Händen der Landwirtschaftskammer, und auch die Ruheforst GmbH bekommt einen Betrag für Namensnutzung und deutschlandweite Werbung.

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