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Glücksburg : Glücksburg kämpft um Eigenständigkeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Verwaltung muss umgestaltet werden, Alternativen sind kostspielig.

Glücksburg | Glücksburg muss die Handhabung seiner Verwaltung ändern. Das bestehende Konstrukt mit einer hauptamtlichen Bürgermeisterin, die ehrenamtliche Verpflichtungen in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Flensburg übernimmt, ist rechtlich nicht einwandfrei. Eine Anfrage beim Kieler Innenministerium im letzten Jahr hatte Aufschluss gegeben: Den Glücksburgern wurde mitgeteilt, dass ihre Bürgermeisterin Kristina Franke nicht weisungsbefugt ist. Der Weg für Entscheidungen muss immer über Flensburg gehen, obwohl zehn Mitarbeiter Tür an Tür mit der Bürgermeisterin in Glücksburg sitzen. Das ist nicht nur umständlich, sondern verursacht Kosten, von denen die Stadt ohnehin zu viele hat. Die Glücksburger Stadtvertretung hat nun bis Mitte Oktober Zeit, sich für eine neue Konstellation zu entscheiden. Dann soll abgestimmt werden.

Der in Flensburg zuständige Abteilungsleiter für Finanzen, Bernd Ulrichsen, war vor Kurzem mit einem Mitarbeiter in Glücksburg, um dem dortigen Finanz- und Hauptausschuss verschiedene Lösungswege aufzuzeigen. Zahlen wurden gegeneinander gerechnet: Die günstigste Variante, so die Flensburger in einer 16-seitigen Präsentation, sei die Auflösung der Verwaltungsstelle in Glücksburg (1.781.455 Euro pro Jahr). Damit würden alle Fragen bezüglich Glücksburg im Flensburger Rathaus entschieden werden. Gegenüber stehen 1.985.000 Euro, die die Einrichtung eines entscheidungsfähigen Fachbereichs Glücksburg kosten würde.

Alternativ wurden die entsprechende „Dienstleistungen vor Ort“ berechnet – mit und ohne Vertretung bei Krankheit oder Urlaub – Kosten: 1.977.000 bzw. 1.862.000 Euro. Während die Auflösung der Verwaltungsstelle 1646 Euro im Vergleich zur jetzigen Situation einsparen würden, wäre die günstigste Variante 79.800 Euro teurer.

Glücksburger Politik ohne Rathaus vor Ort? Die Stadtvertreter vor Ort bezweifeln, dass dies möglich wäre. Die Sorge, „von Flensburg geschluckt“ zu werden, geht um. Auch Bürgermeisterin Franke möchte weiterhin eine bürgernahe Verwaltung gewährleisten. „Dafür bin ich angetreten. Für mich ist die Auflösung der Verwaltungsstelle Glücksburg nur als allerletzter Schritt möglich.“ Durch die vorgelegten Zahlen befürchtet sie eine Einflussnahme auf die Entscheidung.

Noch können die Glücksburger viele Dinge vor Ort erledigen: Bauanfragen, Sozialanträge, An- und Ummeldungen, Fragen an die betreute Grundschule oder Unterstützung der Flüchtlingslotsen. Würde die Stelle aufgelöst, wären nur noch Schulsekretariate und Bücherei vor Ort.

Als Nachfolgerin von John Witt, der bis 2013 Flensburger Stadtrat war, war für Franke 2014 die Stelle der hauptamtlichen Bürgermeisterin geschaffen worden. Da Glücksburg weniger als 8000 Einwohner hat – dies die Mindestgrenze laut Gesetz von 2006 für Gemeinden mit eigener Verwaltung – ging die kleine Stadt Ende 2007 eine Verwaltungsgemeinschaft mit Flensburg ein. Kritik an der Zusammenarbeit hat Glücksburg in letzter Zeit immer öfter geäußert. Man sah die eigenen Interessen unterrepräsentiert und fand die Kosten zu hoch. Die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit den Amt Langballig wurde geäußert. Aus Flensburger Sicht gibt es keine Empfehlung: „Die Möglichkeiten sollten vorgestellt werden. Die Entscheidung bleibt Glücksburg überlassen“, sagt Silja Witt von der Abteilung Finanzwirtschaft im Flensburger Rathaus.

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