Glockenspieler mit verräterischen Schuhen

Sorgt für eindringliche Töne: Peter Langberg.
Sorgt für eindringliche Töne: Peter Langberg.

Carilloneur Peter Langberg zu Gast auf dem Südermarkt / Kirchenprojekt "366+1" stößt auf Interesse

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04. August 2012, 08:32 Uhr

Flensburg | Es sind die Schuhe, die auf einen erfahrenen Organisten hinweisen - bevor er überhaupt zu spielen beginnt. Bei dem weltbekannten Organisten und Glockenspieler (Carillonneur) Peter Langberg ist das nicht anders. Die Gebrauchsspuren an dem dunklen Paar Schnürschuhe sind nicht zu übersehen. Ein Hinweis auf die unzähligen Arbeitseinsätze des Künstlers aus Lügumkloster in Dänemark.

Der 66-jährige Meister war gestern auf Einladung der Kirchengemeinde St. Nikolai auf den Südermarkt gekommen. Sein mobiles Glockenspiel hatte er auf einem dafür ausgestatteten Transporter mitgebracht. 2900 Kilogramm wiegt das Instrument, das 2006 entstand, und dank der Möglichkeit, es vom Wagen zu rollen, einmalig auf der Welt sein soll. Zehn transportable Glockenspiele seien es insgesamt, sagt Langberg, der auch Komponist ist.

Im Rahmen von "366+1", einem Projekt der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), schlug der Künstler, der auch als Pianist und Chorleiter arbeitet, eine Stunde lang die 50 Glocken. Die Hände leicht zur Faust geformt, entlockte er den viereinhalb bis 256 Kilogramm schweren Bronzegusskörpern die Töne. Die zeitweise mehr als 100 Zuhörer auf dem Marktplatz konnten ein abwechslungsreiches Programm genießen. Langberg spielte neben anderen Werken ein Allegro aus der II. Sonate des Italieners Baldassare Galuppi (1706-1785), die "Morgenstimmung" des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843-1907) und das "Prelude in cis" des Russen Sergei Rachmaninoff (1873-1943). Mit weiteren Stücken streifte er belgische, niederländische, litauische und österreichische Musikkultur, bevor der Begründer und frühere Leiter der Kirchenmusikschule in Lügumkloster mit einer "Romance" aus der Kleinen Suite des Dänen Edwin Nielsen (1907-1983) schloss.

Kaum zu Ende gespielt und vom Transporter heruntergestiegen, verlangten erste Interessierte schon eine CD, deren Aufnahme in der Kirche von Lügumkloster entstanden ist. Martin Klein gefiel der Vortrag. Der Flensburger war, wie auch die Kirchenvorsteherin Marion Delfs, für das musikalische Projekt ins Zentrum gekommen.

Für den hochkarätigen Programmpunkt des Dänen hatte Flensburgs Kirchenmusikdirektor Michael Mages gesorgt. Er selbst trug zum EKD-Projekt mit eigenem Konzert und Orgelführungen bei.

www.nordic-carillon.dk

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