Schloss Glücksburg : Glitschiger Frosch und schöne Marie

Fühlen sich im Schloss  zuhause: Junge Glücksburgerinnen  machten sich vier Monate lang schlau und führten die Ergebnisse am Wochenende ihren Familien vor.
Fühlen sich im Schloss zuhause: Junge Glücksburgerinnen machten sich vier Monate lang schlau und führten die Ergebnisse am Wochenende ihren Familien vor.

Mädchen erkunden vier Monate lang das Glücksburger Schloss / Hörspiel, Film und Führungen sind Ergebnis des Projekts „Schrecklich schön“

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08. Juli 2014, 07:54 Uhr

Mit dem früheren Leben auf Schloss Glücksburg und den Schönheitsidealen verschiedener Epochen beschäftigten sich zehn Mädchen aus Glücksburg. Was aus ihren Erkundungen seit März geworden ist, zeigten sie am Wochenende im Weißen Saal ihren Familien.

Ein Hörspiel, ein Film und zwei Konzepte für Führungen waren entstanden. Alina, Jette, Joclyn und Melanie hatten den Dialog zu dem Hörspiel „Die Geschichte von der Prinzessin und ihrem Frosch“ spontan entwickelt. Das Publikum erlebte, wie der Hofnarr die Goldene Kugel in den See wirft, und der Frosch sie später der Prinzessin zurückbringt. Die hatte zuvor ein Versprechen gemacht, das sie aber nicht einlösen wollte. „Versprechen muss man halten“, mahnte ihre Mutter. Protestierend gab die Prinzessin nach, ließ den glitschigen Frosch in ihr Schlafgemach – und hatte am Ende einen Prinzen.

Energie- und schwungvoll hatten die Mädchen die Dialoge eingesprochen und gesungen. Joszi Sorokowski von der Universität Flensburg begleitete sie dabei und war am Ende voll des Lobes: „Die Kinder haben aus der Vorlage ein wunderbar reizendes Hörspiel gemacht.“ Sie hätten die anfängliche Befangenheit fallen lassen und trotzdem die Achtung vor den Dingen im Schloss bewahrt.

Das Filmteam war genauso engagiert bei der Sache. Femke, Fiona, Kim, Louise, Matilda, Patricia und Yvonne hatten in einer Hinsicht sogar Profis getoppt: „In Hollywood schaffen die nicht mehr als vier Minuten Film am Tag. Ihr habt fünf Minuten geschafft“, freute sich Claus Oppermann von der Uni Flensburg. Der Filmemacher hatte mit den Mädchen das Drehbuch erarbeitet. Danach entstand der Film von der Königin, die mit ihren beiden Töchtern im Schloss lebt. Die Königin fragt den Spiegel, wer die Schönste sei – und ist über seine Antwort entsetzt: „Marie ist die Schönste.“ Wutentbrannt befiehlt sie, Marie in den Kerker zu bringen. „Die Szene auf der Treppe mit dem vielen Text war schwierig“, erinnerte sich Patricia. Sie hätte gedacht, dass sie das nie schaffen würde. Doch Femke hätte sie immer ermutigt. Und am Ende war der Gang zum Kerker im Kasten.

Wie beim echten Dreh empfanden die Mädchen das Warten zwischen ihren Einsätzen als schwierig. Mit dem Drehbuch sei es auch nicht einfach gewesen, sagte eine Teilnehmerin: „Wir haben immer reingequatscht, weil uns noch etwas einfiel.“ Stadtjugendpflegerin Claudia Wrobel und die Studenten Sarah-Emely Butenschön und Benjamin Bennemann achteten darauf, dass der Spaß nicht verloren ging.

Am Ende wussten die zehn im Schloss so gut Bescheid, dass sie unter der Anleitung von Tanja Brümmer – die Museumspädagogin hatte „Schrecklich schön“ konzipiert – zwei Konzepte für Schlossführungen erarbeiteten. Und ihr Wissen bereits Grundschülern vermittelten.

Das überzeugte Stiftungsleiterin Susanne Ascheron. Künftig dürfen die Mädchen montags in der Kernferienzeit Gleichaltrigen im Schloss weiterhelfen. Ascheron und Brümmer hoffen beide, die Kinder an das Schloss binden und grundsätzlich für Museen öffnen zu können. Der zweite Wunsch wird nicht ganz so schnell erfüllt werden: Auf die Frage, ob sie künftig in andere Museen gehen wollten, antworteten alle Mädchen mit einem zögerlichem „Mmmhh“. Ja sagte keine – nein aber auch nicht.

Bevor sie ihr Publikum mit Bürgervorsteherin Dagmar Jonas, Bürgermeisterin Kristina Franke und dem Sozialausschuss-Vorsitzenden Michael Schulz herumführten, durften sie das Buffet plündern.

Kaum eines der Mädchen hatte vor dem Projekt das Anwesen von innen gesehen. Genau das ist der Punkt, an dem „Schrecklich schön“ ansetzt. Diejenigen, die aus persönlichen oder finanziellen Gründen keinen Zugang zu Museen haben, können mitmachen. 15 000 Euro gab es aus dem Topf des Projekts „Von uns – für uns! Die Museen unserer Stadt entdeckt“ des Deutschen Museumsbundes. Das nächste Angebot zur Stil- und Schönheitskultur wird laut Susanne Ascheron für Jugendliche sein.

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